Wird von einer alten Geschichte eingeholt: Friedrich Merz, einer der Kandida ...
Wird von einer alten Geschichte eingeholt: Friedrich Merz, einer der Kandidaten um den CDU-VorsitzFoto-Quelle: CDU/Laurence Chaperon

Obdachloser fand Notebook von Friedrich Merz - So viel Finderlohn hätte ihm eigenlich zugestanden

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Es geht um höchstens 30 Euro, vor allem aber geht es um Anstand: Friedrich Merz, einer der Kandidaten um den CDU-Vorsitz, muss einem Obdachlosen Finderlohn zahlen. Dies fordert Thomas Kutschaty, SPD-Fraktionsvorsitzender im nordrhein-westfälischen Landtag, und bezieht sich auf einen Fall, der 14 Jahre zurück liegt. Und der derzeit für viel Empörung sorgt.

Damals, 2004, hatte der CDU-Politiker Friedrich Merz an einem Berliner Taxistand sein Notebook verloren. Ein Obdachloser fand es, erkannte schnell die Brisanz des Computers und gab es bei der Polizei ab. Zum Dank schenkte ihm Friedrich Merz ein Buch, dessen Autor er war. Allerdings kein Geld.

Anrecht auf Finderlohn?


Dabei habe der Finder genau darauf Anrecht, argumentiert Thomas Kutschaty : "Friedrich Merz schuldet dem ehrlichen Finder nach Paragraph 971 BGB Finderlohn", sagte er der "Rheinischen Post".

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"Hier sprechen wir vielleicht über 20 bis 30 Euro." Dass ein Millionär einem Obdachlosen so einen lächerlichen Betrag nicht zahle, sage viel über den Charakter dieses Mannes. "Wollen wir einem Menschen, der den Ärmsten unserer Gesellschaft 20 Euro schuldig bleibt, unser ganzes Land anvertrauen?", so Kutschaty.

Die alte Geschichte bringt Friedrich Merz, der Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag im Dezember beerben will, derzeit in die Bredouille. Vor allem aus moralischen Gründen.

Der Obdachlose warf das Buch vor Wut in die Spree

Gerade erst wurde Merz für seine Aussage kritisiert, er fühle sich trotz Millionenvermögens der "gehobenen Mittelschicht" angehörig.

Und nun das. Eine "Abzock-Aktion" nennt dies Enrico J., der damals als obdachloser Straßenzeitungsverkäufer das Notebook von Friedrich Merz gefunden hatte, kürzlich der "taz".

Was er meint: Nachdem er den Computer bei der Polizei abgegeben und als Adresse eine Obdachlosenunterkunft angegeben hatte, bekam der heute 53-Jährige Post von Friedrich Merz.

Ein Buch aus der Feder des CDU-Politikers. Titel: "Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion – Kursbestimmung für unsere Zukunft“. Mit Widmung: „Vielen Dank an den ehrlichen Finder“.

"Das fand ich total unverschämt", sagte Enrico J., der heute nicht mehr auf der Straße lebt, der taz. Vor Wut habe er das Buch in die Spree geworfen. Merz habe ja durch die angegebene Adresse gewusst, dass er obdachlos sei. Enrico J.: "Doch das war ihm nicht mal einen Cent wert."

"Das Ding ist heikel"

Schließlich habe er Merz vor einer Peinlichkeit bewahrt. Denn das auf dem Notebook die Handynummern von Politikern wie dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder, Angela Merkel, Edmund Stoiber und anderen waren, habe er sofort gesehen, als er den Computer angeschaltet habe. "Da dachte ich mir", so Enrico J., "das Ding ist heikel".

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Der Rechner habe "sämtliche Daten" der Bundesregierung enthalten. "Ich hätte das Ding auch auf dem Schwarzmarkt verkaufen können."

Das sagt das Gesetzbuch zum Thema Finderlohn

Dann allerdings hätte Enrico J. womöglich Ärger mit der Justiz bekommen. Fundunterschlagung ist unter Umständen strafbar.

Und Friedrich Merz, der in seiner Kandidatur betont, den "Markenkern" der CDU wieder stärken zu wollen, zu dem er auch die "sozial orientierten Wurzeln" der Partei zählt? Wäre er zu Finderlohn verpflichtet gewesen?

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Im Bürgerlichen Gesetzbuch heißt es dazu: "Der Finder kann von dem Empfangsberechtigten einen Finderlohn verlangen."

Auch der Wert ist festgelegt: Als Finderlohn müssen demnach 5 Prozent des Warenwerts bezahlt werden. Ist der gefundene Gegenstand teurer als 500 Euro - was bei einem Notebook wahrscheinlich ist - kommen weitere 3 Euro je 100 Euro des darüber liegenden Werts dazu.

Wieviel das Notebook damals wert gewesen ist, lässt sich schwer rekonstruieren. Etwa 1000 Euro dürften durchaus realistisch sein. In dem Fall hätte Friedrich Merz eigentlich 65 Euro an Enrico J. zahlen müssen.