Sizilien – ein Reisetraum – Palermo – Teil 1
Sizilien – ein Reisetraum – Palermo – Teil 1Foto-Quelle: COPYRIGHT, 2008

Sizilien – ein Reisetraum – Palermo – Teil 1

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Freunde, die Palermo recht gut kennen, warnten uns vor dem Verkehr in der Stadt. Doch nachdem wie bei allen Einheimischen fleißig auch meine Hupe zum Einsatz kam, war das Ganze nicht sehr dramatisch. Wir fanden auf diese Weise recht schnell unser Hotel im Zentrum von Palermo. An der Rezeption gab ich den Autoschlüssel ab, da man Palermo trotz seiner Größe recht gut zu Fuß erkunden kann. Natürlich kann man weitere Strecken auch mit den Stadtbussen zurücklegen, oder per Taxi, nach denen man jedoch richtig suchen muss. An verschiedenen, mit Touristen belebten Plätzen bieten auch sehr bunt geschmückte Kutschen ihre Dienste an, worauf wir aber gänzlich verzichtet haben.
Will man die Stadt Palermo beschreiben muss man sehr weit ausholen und dennoch ist es nicht möglich alle Facetten dieser teilweise geheimnisvollen Stadt zu erfassen. Ich habe Palermo als Stadt der totalen Gegensätze erlebt, denn sie wirkt einerseits quirlig jung und an der nächsten Ecke alt und herunter gekommen. An vielen Stellen im Zentrum kann man einem leicht morbiden Charme erliegen, der den alten teilweise schäbigen Fassaden der Häuser in engen kleinen Gassen, mit halb verfallenen Balkonen, anhaftet. Dagegen ist die Via Roma, einer der großen Boulevards von Palermo, von prächtigen Gebäuden gesäumt. Auch die eleganten Geschäfte mit allen bekannten internationalen Marken zwischen der Via della Liberta und der Via Rugerro Settimo stehen im krassen Gegensatz zu den engen modrigen Gassen im alten Stadtviertel Kalsa. Die Kalsa wurde im zweiten Weltkrieg durch die Bomben sehr in Mitleidenschaft gezogen und manche Spuren davon sieht man heute noch. Man spürt aber selbst als außen stehender Besucher, dass es aber hier viel Bewegung gibt und sich die Kalsa in den kommenden Jahren zu einem jungen und modernen Stadtviertel entwickeln wird. Zu hoffen bleibt dabei, dass dennoch dieser leicht morbide Charme alter Häuser, Gassen und Piazzas nicht verloren geht.
Zu Gunsten der Entwicklung in Palermo und natürlich auch auf der ganzen Insel bleibt zu hoffen, dass der Kampf des charismatischen Bürgermeisters Leoluca Orlando gegen die Mafia auch weiterhin erfolgreich ist. Seit 1985 mit kurzer Unterbrechung war Leoluca Orlando bis zum Jahr 2000 Bürgermeister von Palermo und ist es seit 2012 zum vierten Mal nach langen Jahren im italienischen Parlament. Leoluca Orlando gründete 1991 die Demokratiebewegung „La Rete“ (das Netz), da seine Bemühungen die Democrazia Christiana in diesem Sinne zu erneuern leider misslangen. Schon vor vielen Jahren, noch während seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister von Palermo, hatte ich das Glück diesen mutigen Mann einmal persönlich kennenzulernen. Leoluca Orlando spricht gut Deutsch, weil er einige Jahre in Heidelberg studierte. Als ich ihn damals mit einer Gruppe von Reisebüroinhabern besuchen durfte strahlte er über das ganze Gesicht, als er erfuhr, dass auch ein Kollege aus Heidelberg Mitglied der Gruppe war. Er lud uns zu einem Rundgang durch seinen Dienstsitz ein, einen wunderschönen Palazzo, und ich erinnere mich an die vielen Fotos mit Widmung von Politikern und Persönlichkeiten aus aller Welt, von amerikanischen Präsidenten bis zum Papst. Keiner steht für den Kampf gegen das organisierte Verbrechen mehr als Leoluca Orlando. Auch oder gerade durch sein Wirken, vor allem in der Periode der „Primavero di Palermo“ (Frühling von Palermo), gibt es mittlerweile allein in Palermo über 500 Geschäfte und Restaurants, die sich erfolgreich gegen die Schutzgeldzahlungen der Mafia wehren. Hauptsächlich geschieht dies durch den Mut die „omertà“ (das Schweigen) zu brechen.
-Fortsetzung folgt-