Wanderung Stuttgart - Offenburg
Wanderung Stuttgart - Offenburg

Wanderung Stuttgart - Offenburg

Beitrag von wize.life-Nutzer

Heimkehr oder wie immer man die Wanderung nennen will...

Neunzehn (19) Jahre war ich in einem Verlagsaußendienstbüro eines großen Medienhauses in Stuttgart beruflich aktiv. Dreizehn (13) Jahre davon pendelte ich von Offenburg nach Stuttgart. Nein, nicht jeden Tag, dafür ist der Weg zu weit.
In Stuttgart hatte ich in Bad Cannstatt einen Zweitwohnsitz. Meistens ging es Montags nach Stuttgart und am Freitag wieder zurück.
Im Laufe der Zeit wuchs die Idee, am letzten Arbeitstag des Berufslebens so organisiert zu sein, dass ich das Büro Mittags verlasse um mich auf eine Wanderung nach Offenburg zu begeben. Sozusagen als meditative Zeit und als Denkphase beim Übergang vom aktiven Berufsleben zum aktiven Privatleben.
Dann kam alles anders. Das Büro wurde neu organisiert und ich hatte bereits drei Jahre meinen Schreibtisch in Offenburg. Die Idee war damit erst einmal „gestorben“.

Irgendwann wuchs die Idee wieder und als ich mit einem Kunden, Wolfgang Lange von Midro, über die Idee sprach, war er so begeistert, dass er sich um eine Mitwanderschaft „beworben“ hat. Warum nicht, dachte ich mir.
Jetzt galt es die Tour zu planen. Schließlich gibt es von Stuttgart-Degerloch bis Offenburg keine ausgeschilderten Wanderwege bzw. keine ausgeschilderte Route.
Das Landkartenhaus in Freiburg ist gut bestückt und schnell hatte ich zwei Karten im Maßstab von 1:50.000 mit denen die Route erarbeitet werden konnte.
Da ich so etwas vorher noch nie gemacht habe, zog ich eine Linie von Stuttgart nach Offenburg, die sogenannte Luftlinie. Nun galt es, einen Weg möglichst nahe an dieser Luftlinie zu finden.
Am 01.03. begann meine passive Phase der Altersteilzeit und die Wanderung sollte möglichst zeitnah erfolgen, wenn das Wetter mitspielt. Der 17.03. war als Starttermin auserkoren.
Eine Problematik tat sich aber noch auf. Schaffe ich das, denn am 18.12. ereilte mich auf einer Berufsfahrt ein Herzinfarkt und ich soll das Herz nur bis max. 120 Pulsschläge belasten.
In der Reha bin ich gut vorangekommen und habe anschließend durch Rad fahren und Nordic Walking etwas Kondition aufbauen können. Wie sich später herausstellen sollte, habe ich aber wohl mehr von der über 25-jährigen Erfahrung als Langstreckenläufer mit div. Marathons profitiert.
Die Wetterprognosen waren positiv, als fuhren wir am 17.3. um 7:30 mit dem IC von Offenburg nach Stuttgart. Vom Bahnhof ging es in die Albstraße zur Werbeagentur Schmittgall, wo wir langjährige Nachbarn waren.
Bei einem Kaffee, Butterbrezel und einem Gespräch mit Bernd Schmittgall haben wir uns nochmals mental auf die Tour eingestimmt und um 10:30 Uhr ging es dann los.
Über die Felder bis Vaihingen, weiter über Stuttgart-Rohr, Böblingen bis nach Dagersheim.

Es wurde richtig warm und in Rohr mussten wir über einen „Berg“. Die Stuttgarter würden Hügel sagen. Als Norddeutscher ist man fast geneigt Steigeisen anzulegen. Der Puls stieg schnell. Klar, dass ich die Wanderung nur mit Pulsmesser einer Polar-Uhr und Brustgurt in Angriff genommen habe.
Nach Rohr ging es auf einer alten Panzerstraße durch den Wald nach Böblingen.
Dort kam dann die nächste Hürde. Ein Nerv drohte sich im Lendenbereich einzuklemmen. Nicht lustig mit 10 kg Gepäck auf dem Rücken. Die Schritte wurden kürzer und der Schmerz immer stärker. So sind wir die letzten zwei Kilometer von Böglingen nach Dagersheim mit dem Bus gefahren, denn weit und breit war keine Apotheke in Sicht. Ibuprofen 400 war mein Hilfsmittel. Somit waren die Schmerzen weg und die Muskulatur hat den Nerv durch die schmerzfreie Bewegung nicht mehr belastet.

Am nächsten Morgen stieß noch ein Stuttgarter Freund, Norbert, hinzu und zu dritt machten wir uns auf die Wanderung. Von Dagersheim ging es über Aidlingen, Dachtel, Holzbronn nach Neubulach.
Klar, dass auch Männer nicht nur schweigend durch die Gegend laufen, sondern über dies und das quatschen. Pausen wurden eingehalten und am Haselstall gab es das erste zünftige Bier und einen ausgiebigen Plausch mti dem Bauern und seiner Frau. Noch lag aber ein Stück Wegstrecke vor uns.
Die Orientierung an der Luftlinie auf der Karte und am GPS-Gerät war einmalig und hat bestens funktioniert. Gegen den frühen Abend waren wir dann am Fuße zur Steigung nach Neubulach. Das Lokal Talmühle kam da genau richtig für eine kleine Pause.
Was dann geschah war ein Erlebnis für Wanderer. Wir kamen schnell mit ein paar Herren ins Gespräch. Einer von Ihnen, Alois Ritter, wollte mehr über unsere Route wissen und ob wir an seinem Domizil Zuflucht im Schwarzwald vorbei kommen. Unsere Route wurde besprochen und diskutiert. Die Zeit strich dahin und so war es dann auch nicht verwerflich, dass uns ein anderer Gast uns die letzten 2,5 km zum Hotel erspart hat und uns in seinem VW-Bus mitgenommen hat.
Abends stand dann noch ein Programmpunkt auf unserer Wunschliste. Das Brauhaus Rössle in Neubulach. Wirt Ingo braut sein Bier selbst und hat uns bei einer privaten Führung seine Brauanlage erklärt.
Später fiel ich dann „erschlagen“ ins Bett. Der zweite Tag war überstanden. Und das, obwohl ich am ersten Tag nicht wusste, ob ich die Wanderung durchstehen würde.

Fortsetzung folgt.

(Ordner mit diversen Fotos wurde gesondert angelegt)

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