Abstieg zur Quelle
Abstieg zur Quelle

Eine Erlebnis-Wanderreise entlang der Soca/Slowenien und Isonzo/Italien Teil 1

Beitrag von wize.life-Nutzer

Eine besondere Erlebnisreise für Naturfreunde und Kulturinteressierte stellt eine Reise von den Alpen bis zur Adria entlang des Flusses Soca und Isonzo dar. Die Soca ist einer der schönsten Flüsse Europas. Auf ihrem 140 km langen Lauf verbindet sie die Julischen Alpen in Slowenien mit der italienischen Adria. Diese herrlichen, faszinierend abwechslungsreichen und gegensätzlichen Landschaften, anfangs in den Julischen Alpen, im Triglavgebirge und später im Friaul in Italien hinterlassen vielfältige Eindrücke. Die Reise führte durch die Julischen Alpen, den Küstenkarst und die Lagune der Adria.
Nachdem entgegen der ursprünglichen Planung der Vrisic-Pass durch Bauarbeiten für Busse gesperrt war, startete die Reise im Chiemgau und führte uns über den Predil-Pass in die Trenta. Ziel des ersten Tages war eine botanisch sehr reizvolle Wanderung, die uns alle ohne Schwierigkeiten und bequem mit den Schönheiten der slowenischen Natur bekannt machte. Wandert man durch deutsche Auen und sieht, wie monoton inzwischen durch die intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung unsere Wiesen und Weiden geworden sind, kann man sich am Blumenreichtum der Julischen Alpen im Sinne des Wortes "berauschen". So kann man Blumen, Büsche und Bäume in einer unbeschreiblich schönen alpinen Umgebung, aber auch eine Vielfalt von Insekten und Tieren erleben, die wir in unserer Heimat kaum noch antreffen und die wir lediglich aus den flora- und faunaorientierten Lexika kennen.
Für die ersten drei Tage waren wir in der Pension "Boka" außerhalb der Ortschaft Bovec an der Landstraße nach Kobarid untergebracht, die direkt an der Soca liegt und uns nachts mit ihrem gleichmäßigen beruhigenden Rauschen in den Schlaf wiegte. Von dieser Pension aus waren es nur wenige Minuten Fußweg zum berühmten Boka-Wasserfall, der im Kanin-Gebirge entspringt und der größte und mächtigste Wasserfall Sloweniens ist. Hier fällt das Wasser in einer Breite von 18 m über 2 Stufen (1. Stufe 106 m, 2. Stufe 30 m) insgesamt ca. 144 m in die Tiefe. Natürlich besuchten wir auch die kleine Stadt Bovec, die früher durch ihr Skigebiet am Berg Kanin bekannt war. Nachdem aber der Liftbetrieb eingestellt wurde, fehlt dieser Stadt im Winter durch das Ausbleiben der Wintersportler eine wichtige Einnahmequelle.
Bei unseren Wanderungen im Trenta-Tal, das auch als das schönste Tal der Julischen Alpen bezeichnet wird, erlebten wir die steilen hochaufragenden bewaldeten Berge, insbesondere den Julier Jalovec (2645 m) und den Mangart (2677 m). Hin und wieder spitzte am Horizont auch der Triglav, die höchste Erhebung der Julischen Alpen hervor.
Am nächste Tag war Ziel unserer Wanderung das Quellwasser der Soca, die an einer unterirdischen Karsthöhle ans Licht tritt. Ein besonderer Höhepunkt war erst der Aufstieg und dann der Abstieg über einen gesicherten Steig zur eigentlichen Quelle der Soca. Auf Grund der Regenfälle der vergangenen Wochen stürzt ein mächtiger Wasserfall 15 m donnernd talabwärts. Auf Stiften und gesichert am fixen Seil stiegen wir ab bis zu dem Felsspalt und einem kleinen See mit kristallklarem smaragdfarbenen Wasser. Im Berg selbst vermutet man einen großen See, der jedoch von Höhlenforschern noch nicht erforscht worden ist. Anfangs gebärdet sich die Soca als Wildbach mit Zuströmen von allen Seiten, die sie zu einem sehr lebendigen, klaren Fluss formen. Besonders beeindruckend ist ihr smaragdgrünes Wasser, das durch aus dem Karst ausgewaschene Schwebstoffe entsteht. Im oberen Teil ihres Bettes ist die Soca noch urtümlich und wild. Tief hat sich ihr Wasser in den Karst eingegraben und zum Teil bis zu 15 m tiefe Schluchten mit überhängenden Felswänden gebildet. Um auf unseren Wanderwegen von einem Ufer zum anderen zu gelangen mußten immer wieder schwingungsfreudige holzbeplankte Hängebrücken beschritten werden, von denen man aus schwindelnder Höhe Einblicke in ihren Lauf und ihre tiefen Schluchten, aber auch in ihren Fischreichtum erhielt. Neben Bachforellen, Regenbogenforellen und Äschen gibt es als Besonderheit die Soca- oder auch Marmorata-Forelle. Dieser Fisch war durch die Kriegswirren und die Hungersnot des 1. Weltkrieges nahezu ausgerottet und wird mit Erfolg wieder "angesiedelt". Des öfteren kann man im Bachbett stehend "Fliegenfischer" bei der Ausübung ihres Sports, der Fliegenfischerei beobachten.
Ist der obere Teil der Soca noch nicht für Wildwasserfahrer befahrbar, beobachteten wir im mittleren Teil immer wieder Kajakfahrer einzeln oder in Gruppen. Nicht jedem gelingt es, durch die wilden schäumenden Gefälle ohne "Wasserung" durchzukommen und so sahen wir manchen Kajakfahrer, der gemeinsam mit Kollegen versuchte, sich, sein Bott und sein Paddel "ins Trockene" zu bringen.
Neben diversen anderen wunderschönen Wasserfällen in wildromantischer Umgebung besuchten wir am 3. Tag unserer Wanderreise den geheimnisvollen Wasserfall Kozjak. Nach einem interessanten Anstieg erreichten wir über Brücklen und Steige eine kesselartige Aushöhlung, in deren Mitte ein türkisfarbener kleiner See lag, in den das Wasser der Kozjak fällt.
Traurige Berühmtheit erlangte das Gebiet der Julischen Alpen infolge der Schlachten des 1. Weltkrieges von 1915 - 1918, die sowohl auf dem heutigen Gebiet Sloweniens entlang der Soca, aber auch auf dem Gebiet des Friauls in Italien, wo dieser Gebirgsfluss Isonzo heißt, stattgefunden haben. In ingsgesamt 12 äußerst verlustreichen Schlachten standen sich italienische und österreichisch-deutsche Truppen gegenüber. Dieses Gebiet ist ein wichtiger Teil des "Friedensweges", der sich von den Dolomiten bis zur Küste an der italienischen Adria hinzieht. An diesem Friedensweg werden Überreste aus dieser Kriegszeit wie Laufgräben, Unterstände, Kasematten, Forts zur Mahnung an den Frieden erhalten.
In Museen kann man Relikte aus diesen alpinen Kampfhandlungen betrachten.
Auf unseren Wanderungen entlang der Soca sahen wir, wie sich die Natur nach dem Ende des
1. Weltkrieges zurückmeldete. Mauerumfaßte Felder und Wiesen, aus unterschiedlichen Gründen, z.B. infolge des kriegsbedingten Todes der Bauern und ihrer Söhne sind heute überwuchert mit Bäumen und Büschen. Aber auch, weil sich in der heutigen Zeit ihre Bewirtschaftung nicht mehr lohnt.
Diese Wanderungen der ersten 3 Tage entlang der Soca waren nur möglich, weil wir mit einem Autobus jeweils an den Ort des Beginns der Wanderung und danach am Ende von diesem wieder aufgenommen und zu unserer Hotelunterkunft gebracht wurden.

Oberpirach 1, 83119 Obing auf der Karte anzeigen:
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