Von Einbäumen und eisernen Seegiganten – die Chiemsee-Schifffahrt
Von Einbäumen und eisernen Seegiganten – die Chiemsee-Schifffahrt

Von Einbäumen und eisernen Seegiganten – die Chiemsee-Schifffahrt

Uschi T. vom Chiemsee Alpenland

Der Chiemsee ist der drittgrößte Binnensee Deutschlands und verdankt seine Existenz der letzten Eiszeit. „Das Bayerische Meer“ – so nennen Einheimische ihren See, der majestätisch zu Füßen der Kampenwand liegt. Mit dem „Bayerischen Versailles“ – dem Schloss auf der Herreninsel – und dem noch intakten Benediktinerinnenkloster auf der idyllischen Fraueninsel, ist der Chiemsee eine wahre Perle in der Region. Ohne Weiteres lässt sich ein ganzer Tag auf dem See und den Inseln verbringen. Mit den Schiffen der Chiemsee-Schifffahrt kann man direkt die Inseln ansteuern oder auch eine zweistündige Rundfahrt auf dem See genießen.

Was für ein Glück für uns Touristen, dass es heute die Chiemsee-Schifffahrt gibt. Oder würden Sie in einen Einbaum steigen, um zu den Inseln zu kommen? Wahrscheinlich eher nicht. Vor rund 150 Jahren hatten aber die Einheimischen in dieser Hinsicht keine Wahl. In Einbäumen, auf Flößen und in selbst gezimmerten Booten überquerten sie den See. 1843 erwarb der Grassauer Zimmermann Wolfgang Schmid eine Konzession für einen Dampfschifffahrtsbetrieb. Sein Dampfer, ein kleines Schifflein aus Holz, geriet bei einem Sturm in Seenot, so dass der Kapitän, um heil an Land zu kommen, Sitzbänke und Co. verheizen musste. Schon ein Jahr später musste Schmid seinen Betrieb an den Lieferanten des Dampfkessels, den Münchener Kesselschmied Josef Fessler, verkaufen. Das war die Geburtsstunde der Chiemsee-Schifffahrt. Seit 1859 schippern Dampfer aus Eisen auf den Gewässern des Sees. Bei dem Anblick des ersten eisernen Seegiganten „Herzog Maximilian“ bekreuzigten sich die Nonnen auf den Ufern der Fraueninsel.

Auf den Schiffen der Chiemsee-Schifffahrt kann man nicht nur entspannt zu den Inseln schippern, sondern auch romantisch heiraten. Besonders der historische Schaufelraddampfer „Ludwig Fessler“ (1926) mit seinen azurblauen Innenwänden und dem Holzboden hat einen nostalgischen Charakter und eignet sich perfekt für eine traumhafte Trauung auf See. Verpassen sollte man auch nicht das Highlight der Sommersaison – die „Sternfahrt“, wenn die Schiffsflotte unter dem nächtlichen Himmel einen Stern auf dem Wasser bildet.