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Der Sessel

Beitrag von wize.life-Nutzer

Er passt genau in die Ecke neben dem Kamin und es ist als ob er nur für diesen Platz gemacht ist. Seit zwei Tagen steht er nun da und ich kann mich gar nicht genug darüber freuen. Mein neuer Sessel wunderbar gemütlich und uralt. Am vergangenen Wochenende hab ich ihn gefunden. Auf dem großen Flohmarkt in unserer Stadt. Da stand er in der hintersten Ecke. Traurig und allein und niemand der ihn wirklich beachtete. Nur ich, ich wußte sofort, dass er ganz genau an diesen Platz gehört. Nun steht er da und mit seinem neuen Umhang wird er der Lieblingsplatz der ganzen Familie werden, dort neben dem Kamin, warm und urgemütlich. Ich werde sicher selten die Gelegenheit bekommen dort zu sitzen und am warmen Feuer ein Buch zu lesen oder einfach nur so vor mich hin zu träumen.

Aber heute kann ich das. Heute ist die Gelegenheit dazu, denn heute sind alle anderen irgendwo unterwegs und ich bin hier ganz allein. Schnell werde ich Feuer machen und mir einen Tee zubereiten. Es dauert gar nicht lange und ich kann mich hineinsinken lassen, meinen duftenden Tee vor mir und das leise Knistern des Feuers. Ein schöner Augenblick. Ein Augenblick der gar nicht vergehen sollte.........

Doch, halt, was ist das ?, Wo bin ich hier ? Träume ich oder wache ich ? Ich sitze in diesem Sessel, in der Hand eine Tasse mit Tee. Sie ist noch halb gefüllt aber nicht mehr heiß. Vor mir, nein, da spielen nicht mehr die Flammen des Kaminholzes ihr leuchtendes Spiel und es ist eigentlich, ja es ist kühl im Zimmer. ich beginne zu frösteln. Es ist auch gar nicht hell. Es ist ja auch früher Abend und es begann gerade zu dämmern als ich mich hingesetzt hatte. Und es sieht so anders aus hier. Es fühlt sich auch so anders an, so fremd.......

Da geht die Tür auf, nein nicht eben leise, eher laut und knarrend und herein kommen Menschen, fremde Menschen. Ich will fragen, aber ich bin erschrocken still. Wer sind diese Menschen und was tun sie hier, hier in meinem Wohnzimmer? Gleich werde Sie mich sehen, oder ?. Nein sie sehen mich nicht. und überhaupt, das ist doch nicht mein Wohnzimmer. Der Raum ist gar kein Wohnzimmer. Da wo unser urgemütlicher Kamin am Abend seine mollige Wärme verbreitet gibt es eine Feuerstelle, über der ein großer Topf hängt. Und gerade beginnt die Frau sich daran zu machen, das Feuer zu entfachen. Sie hat kein Feuerzeug, keinen Anzünder und wie soll das jetzt gehen? Ganz unten liegen ganz kleine Holzspäne und es dauert keine zwei Minuten und leise beginnt das Holz zu knistern. Zwei Frauen sind herein gekommen. Sie tragen lange graue Leinenkleider und an den Füßen Holzpantoletten. Ich sehe Ihnen zu wie sie den Wasser kessel über dem Feuer aufhängen und einen Tee bereiten, und wie sie danach in einer eigentümlichen Pfanne einen Fladen backen, aus einem Teig aus Mehl und Wasser......Ja es geht ärmlich zu in diesem Zimmer, aber es ist sauber, sehr sauber. In der Mitte des Zimmers steht ein großer Holztisch, darum stehen mehrere Holzschemel und in der hinteren Ecke gibt es ein großes Bett. Das ist ja schon ein wahrer Luxus, zumal im Bett weiße Leinentücher liegen. Da ich einmal gelesen habe, dass es früher vielen Menschen nicht vergönnt war überhaupt in einem Bett zu schlafen, da scheint es hier ja wirklich nicht ganz arm zu sein, auch wenn die Beiden in diesem Bett zusammenschlafen. Ja das habe ich auch gelesen, die wenigsten haben ein Bett, selbst in den Hospitälern liegen zwei oder manchmal auch drei Menschen in einem Bett zusammen. Horch, es klopft an der Tür, draußen steht ein wahrhaft zerlumpte Gestalt, ein Bettler, klein, gebeugt und gelb bis grau im Gesicht. Die Frauen bitten ihn herein und lassen ihn am Tisch Platz nehmen. Sie teilen ihre Mahlzeit mit ihm. Aus einer Kammer nebenan holen Sie ein großes Stück Speck für den Mann und einen kleinen Krug Wein. Selbst im dunklen Schein der Kerzen sehe ich seine Augen leuchten. Wieder wird der große Kessel randvoll gefüllt mit Wasser über das Feuer gehängt. Der arme Mann bekommt einen großen Zuber und das warme Wasser für ein Bad. Selbst einfache, aber saubere und frische Kleider legen ihm die beiden Frauen zurecht, sowie einen frischen Strohsack auf den Fußboden neben die Feuerstelle, dahin, wo es noch warm ist.
Wer sind die beiden barmherzigen Frauen? Wer sind die beiden, die so selbstlos gutes tun?

Noch mit diese Frage beschäftigt, fahre ich erschrocken zusammen, als ich neben mir die Stimme meiner Tochter höre......"Mama, komm rück ein wenig zur Seite, es ist so schön in unserem neuen Sessel am Feuer zu sitzen". Noch etwas benommen mache ich ihr Platz und sehe mich verstohlen in unserem gemütlichen Wohnzimmer um. Dahinten der große Fernseher und auf dem kleinen Tisch am Fenster mein Laptop. Durch die offene Tür fällt mein Blick in unsere moderne Anbauküche. Die Tür des Geschirrspülers steht offen. Er wartet darauf ausgeräumt zu werden. Draußen höre ich das leise des Geräusch des in die Garage fahrenden Autos. Mein Mann der nach Hause kommt. Höchste Zeit das Abendbrot zu bereiten. Im Sessel hat es sich meine Tochter inzwischen mit ihrem großen Märchenbuch gemütlich gemacht.......


14 Kommentare

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Liebe cara,du hast für mich eine "Zeitreise" wunderbar beschrieben,mögen dir deine Phantasien nie ausgehen,,Ich habe mich sehr angesprochen gefühlt,danke dafür,anne
Hallo Anne, danke für deine lieben worte. ich bin schon sehr bemüht, das kind in mir....meine phantasie zu erhalten, liebe grüße nach duisburg, cara!
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Liebe Cara, du hast sehr gut beschrieben, welche Gedanken einem kommen können, wenn man so ein altes Möbelstück für sich entdeckt. Ich denke nicht nur im Traum malt man sich aus wer die früheren Besitzer waren u. was sie mit diesem Möbelstück erlebt haben. Es regt auf jeden Fall die Phantasie an, du hast das schön umgesetzt. Lieben Gruß von Ursula
Liebe Ursula,

danke für Deine Bewertung und auch für Deine lesenswert.......

ja so ein altes Möbel kann auch eine Geschichte erzählen....lieben Gruß Cara!
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Vielen Dank für deine schöne Geschichte, Cara, die sehr lebendig erzählt ist. Ich möchte dir nur einen kleinen Tipp geben, das Futur zu meiden, wenn es möglich ist. Ich meine die Stelle die im zweiten Absatz, und dann schwenkst du im dritten Absatz wieder in den Präsens. Bleibe einfach in der Gegenwart, dann wirken die Vorgänge auch unmittelbarer. Vorschlag: "Ich mache Feuer, bereite mir einen Tee und sinke in den Sessel."
hallo martin, danke für deinen kommentar und deine anregungen, die ich in der zukunft im auge behalten werde.
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Schöne Geschichte!
Danke Annette für Deinen Kommentar und auch für Dein lesenswert.
Dir noch einen schönen Sonntag!
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Cara, eine sehr schöne Geschichte!
Sie gefällt mir ausnehmend gut - die Parallele zwischen Deinem gemütlichen Heim und den ärmlich lebenden, aber herzensguten Frauen.
Gelungen!
Danke Inga für Deinen Kommentar und auch Dein LW. Ich bin auch und immer für konstruktive Kritik dankbar.
Einen netten Gruß am sonnigen (endlich) Montagnachmittag,
Cara!
Danke Cara!
Leider hatte ich nicht viel von dem herrlichen Wetter, ich war arbeiten. Das sieht dann so aus: um 7:00 gehe ich aus dem Haus, gegen 20:00 komme ich nach hause zurück.
Dann gibt's nur noch Essen und SB, mit Beinen hoch auf dem Sofa und Laptop auf den Knien...
Dir einen schönen Abend, liebe Grüße
Inga
Hallo Inga,
nun ja, das sind ja Arbeitstage. Ich merke auch so hin und wieder nicht mal, was draußen für Wetter ist (heute war auch mal wieder so ein Tag).
Ich gehe um 5 Uhr aus dem Haus () und komme gegen 17 Uhr zurück....ich nehm abends immer gern malden Laptop auf die Knie...im Bett...lieben Gruß und eine gute Nacht, Cara
Hallo Cara,
da haben wir wohl etwas gemeinsam - mit SB ins Bett....
Was machst Du beruflich, dass Du noch früher raus musst als ich???
Ich wünsche Dir einen wunderschönen Tag (ich hätte heute frei, aber eine Kollegin ist krank, also springe ich am Nachmittag ein - bei DEM Wetter!!!!
liebe Grüße, Inga
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