4 Tage in Paris im Sommer 2014
4 Tage in Paris im Sommer 2014

4 Tage in Paris im Sommer 2014

Thomas Bily
Beitrag von Thomas Bily

Als Schüler und Student war ich oft und viel in Frankreich unterwegs. Paris war meine Lieblingsstadt, auch wenn die Stadt ganz anders ist als der Rest des Landes. Nun würde Tobias in Paris studieren. Wir haben die Gelegenheit seiner Wohnungssuche genutzt für einen kleinen Familienausflug. Und ein paar Sachen sind mir besonders aufgefallen.

Bis auf den Flug beste Verbindungen

Wir sind geflogen, weil der Flug nur 120 Euro kostete. Und weil der Zug ab München ausgebucht war. Nach Reisezeit ist man von Haustür zu Haustür per Flieger rund 5 Stunden unterwegs. Mit dem Zug vielleicht 6 1/2, aber dafür kann man die Zeit mit Lesen oder Entspannen nutzen. Daran ist bei der Anreise per Flieger kaum zu denken. Allein die Fahrt zwischen Flughafen Charles de Gaulle und Stadt dauert mindestens 1 Stunde und ist nervig. Aber reden wir nicht mehr darüber.
Dafür war das restliche Erlebnis öffentlichen Nahverkehrs überwiegend positiv. Wir kauften eine Wochenkarte für 34 Euro und konnten damit tout Paris abfahren (ink. Flughafenfahrt). Und brauchten uns vor allem nicht mehr am Ticketautomaten anstehen. UBahn war ja immer schon gut in Paris. Aber mittlerweile ist auch das Bussystem ziemlich gut und Straßenbahnen verbinden die Tangentialen.

Überraschend freundlich

Egal ob Busfahrer, Supermarktkassiererin oder Postbeamte, fast alle Leute waren auffallend freundlich und hilfsbereit. So hatte ich die Einheimischen mehrheitlich nicht in Erinnerung. Gott sei Dank waren wenigstens die Bedienungen in den Bars noch einigermaßen mürrisch. Aber das gehört ja fast zum touristischen Leistungsversprechen so wie auch die Bedienungen in einem Münchner Wirtshaus grundsätzlich patzig sein müssen. Sonst würde man sich gar nicht zurecht finden. Ein paar stabile Faktoren braucht auch der Reisende.

Gleichbleibend teuer

Ich kann mich erinnern, dass ich schon vor 30 Jahren dreimal überlegte, ob ich mir eine Cola in einer Bar leisten wollte. Meistens habe ich mir das final mit "nein" beantwortet. Heute ist zwar meine finanzielle Grundausstattung besser. Das ändert aber nichts an der Absurdität der Preisgestaltung. Ein Beispiel: 2 Cola (0,3), ein Café Crème und ein Cappuccino: 16.30 Euro in einer sehr normalen Bar in Montparnasse. Hochgerechnet auf die Mietpreise bedetet dies: 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter sind völlig normal für sehr, sehr einfache Wohnungen nicht einmal direkt im Zentrum.

Volle Kirchen

Wie ewig rotierende Pilgerzüge muten die Besucherströme in Nôtre Dame und Sacre Coeur an. Draußen schon stehen lange Schlange, die sich dann durch die Portale zwängen und einmal die Runde drehen durch das Kirchenschiff. Jeder Pfarrer wäre froh, wenn nur ein Bruchteil davon zur Messe bliebe. Aber die meisten wollen nur mal "dagewesen" sein.
Die Kerzenpreise alleine dürften die Renovierungskosten für alle baufälligen Kirchen weltweit tragen. 2 Euro kostet ein Teelicht und 5 Euro der Typ "Grablicht groß". Bzw.: der Preis wird als Gabe vorgeschlagen. Kartonweise stehen die Kerzen neben den Leuchtern, so dass man davon ausgehen kann, dass sehr viele dieser Preisempfehlung folgen.

Essen wie Gott in Frankreich. Ja gerne, aber wo?

Die Convenience Welle macht auch vor dem Schlemmerparadies Frankreich nicht halt. In den Supermärkten sind fast alle Sachen abgepackt. Nur Gemüse und Obst wirken noch als frische Ware. Schinken, Oliven, Käse... alles sauber eingeschweißt. Und in zig Varianten. Hier ein Bruchteil des Schinkensprotfolios: dünn, sehr dünn, dick, mittel, saftig, traditionell, belgisch, echt französisch, nach Pariser Art, mit Pfeffer, bretonisch gesalzen, provencalisch gewürzt....
Das Baguette kommt meist aus Bäckerei Ketten wie Artisan Boulanger. Richtige Metzger und Bäcker muss man auch in Paris mittlerweile suchen. Angesichts des Preisniveaus (siehe oben) sind viele gezwungen, die einigermaßen günstige Supermarktkost zu kaufen. Viele kochen gar nicht mehr. Für wen auch, wenn man alleine ist. Da schnappt man doch lieber was auf oder kehrt ein. Aber wo?
Restaurantdichte herrscht beileibe nicht in Paris. Die Frage ist eher: wo bekommt man gutes Essen zu fairen Preisen? Touristenfallen, Fast Food Mutanten, Möchtegerns gibt es genug. Aber wo hat sich die traditionelle Küche Frankreichs versteckt? Die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen ist vergleichbar.

Ein einziger Zeitungsleser in 4 Tagen

Ganz am Schluß hab ich am Gate F34 noch einen gesehen, der den Figaro in der Hand hatte und las. Ansonsten sind Zeitungsleser noch schwerer zu finden als gute Restaurants. Zwischendrin waren wir mal in einem Zeitungskiosk und haben gefragt, ob es noch eine Zeitung gäbe speziell mit Wohnungsanzeigen. Nein, das gibt es nicht mehr. Das läuft nur noch im Internet. Na dann. Wenn die Megacities die Megatrends vorgeben, dann sehe ich endgültig schwarz für die nahe Zukunft der Tageszeitungen.

Berlin ist größer als Paris

Wenn man aus dem Fenster schaut oder vom Eiffelturm oder von Sacre Couer, dann ist kein Ende in der Stadt Sicht. Und trotzdem soll Berlin noch größer sein als Paris? Nur wenn man die "Agglomeration" nicht mitzählt. Die Orte um Paris sind mittlerweile zu einer großen Megacity verschmolzen. Irgendwann ist dann der Wechsel zu Landleben, aber bis man das erreicht, dauert es schon mal 1 Stunde vom Stadtzentrum. Der Großraum Paris hat 11 Millionen Einwohner und man bekommt nicht den Eindruck, dass das Ende der Fahnenstange schon erreicht sei.

Am letzten Abend umarmte uns noch die italienische Chefin einer Pizzeria mit den Worten: "Danke, danke, danke"... dass Deutschland gegen Frankreich bei der WM gewonnen hat. Weil sonst hätte sie sich das Geschwätz der Franzosen ewig anhören müssen. Und wer will das schon. Als Italienerin.

Übrigens hat Tobias eine Wohnung gefunden in Montparnasse. Die Vermieterin ist Italienierin.

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