Eine Urlaubseroberung - Autor unbekannt -

Beitrag von wize.life-Nutzer

Wenn ich mich an die längst vergangenen urlaubstag erinnere, dann denke ich nicht an die Sehenswürdigkeiten auf Madeira, die herrlichen Parkanlagen oder die wunderschöne hotelanlage.
Nein, ein kleiner Mischlingshund ist der auslösende Grund, daß alle anderen Urlaubserinnerungen im Hintergrund verblassen.
Dabei handelt es sich nicht um einen gut gepflegten reinrasigen Hund. Man kann sagen, es war eher eine unscheinbare, nicht mehr feststellbare Mischung aller nur möglichen Rassen. Dunkelbraunes fell, kleinwüchsig, ein witziges Gesicht mit weißen Flecken verziert undüber den Augen große Schlappohren, wie eine Art Sonnenschutz.
Er sah zum schießen aus.
Auf dem Weg zum Kaffee auf der Promenade, etwas außerhalb des Ortes, fiel mir der kleine Geselle auf. Er döste auf einer Bank im Schatten einiger Eukalyptusbäume. Er blinzelte, zumindest hatte ich den Eindruck, unter seinen großen Ohren hervor und bat mich Platz zu nehmen und ihn ein wenig zu kraulen. Und mal ehrlich, wer kann solchen Hundeaugen widerstehen? Noch dazu, wenn man einTierfreund ist, wie ich es bin?
Also: ich unterbrach meinen Spaziergang und kam der freundlichen Aufforderung nach. Der Kaffee war erst mal vergessen. Lange blieb ich an diesem gemütlichen Ort sitzen und erst die hereinbrechende Dämmerung trieb mich ins Hotel zurück.
Meine Freunde, mit denen ich diese Urlaubsreise angetreten hatte, wunderten sich über meine Abwesenheit. Ich erklärte mein Abwesenheit mit der heutigen starken Hitze und bösem Kopfweh. Deshalb hatte ich ein schattiges Plätzchen gesucht. Aber grundsätzlich, so gestand ci, es gehe mir gut.
Das ich mich mit einem Hund getroffen hatte, ezählte ich natürlich nicht. Und da ich als alles andere als Einzelgängerin bekannt war, wunderte man sich tüchtig, als ich mich vom Höhepunkt der Reise, einem Folkloreabend, abmeldete. Ich beantwortete die Fragen nach meinem etwaigen Unwohlsein lächelnd. Es war mir noch nie so gut gegangen, erklärte ich. Aber die fetzige Musik und der Dunst so vieler lärmender Menschen und aufgeregtem Bedienungspersonal, das war nun ja doch nicht so mein Ding. Meine Freunde schüttelten mitleidvoll den Kopf. Was war nur los? Lag es an der Luft? Sobald sich die Gelegenheit ergab, verzog ich mich. Meine Freunde bemerkten mein Gehen meist gar nicht, so beschäftigt waren sie alle an der Hotelbar. Sie konnten nicht verstehen, sie bedauerten mich nur, weil ich mir dieses Urlaubsfreude entgehen ließ!
Doch das war ja gar nicht der Fall. Der Hund, bei aller Tierliebe, war nur Mittel zum Zweck. Anfangs hatte es mir wirklich nur der Hund angetan, doch mit den Streicheleinheiten hatte ich mir gleichzeitig die Sympathie eines nicht nur jungen, sondern auch sehr flotten Portugiesen erobert.
Dieser verbrachte täglich die heißen Mittagsstunden im Schatten der Eukalyptusbäume. Er war das beieindruckendste, was ich auf Madeira entdeckt hatte. Das Unterhaltungsprogramm interessierte michnicht mehr.
Nach wenigen Tagen durfte ich die Gastfreundschaft der Eltern meines flotten Protugiesen in Anspruch nehmen. Am Abend, nach vollbrachter Arbeit saß ich mit dem jungen Mann auf unserer Bank. Als "Anstandswauwau" war der kleine Mischlingshund natürlich mit von der Partie.
In gewissen Situationen gebot es ihm seine Höflichkeit, die großen Ohren über die Augen zu klappen.
Im nächsten Jahr, so ist noch zu vermerken, reiste ich wieder nach Madeira, in Begleitung eines jungen Mannes. Meine Urlaubsbekanntschaft hatte ich inzwischen geheiratet. Und Ehrentrauzeuge war, wenn man den Gerüchten glauben darf, ein kleiner listiger Hund mit sehr großen Ohren. Er hatte schließlich zu unserem Glück beigetrgen.

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