Steirische Retrospektive
Steirische RetrospektiveFoto-Quelle: holidaycheck.at

Steirische Retrospektive

Beitrag von wize.life-Nutzer

Die schönsten Urlaube verbrachte ich vor vielen Jahren immer wieder in der Steiermark, genauer gesagt, in der Südost-Steiermark. Dort ist auch im Herbst noch das Klima recht mild und die hügelige, mit unzähligen Weinbergen gesäumte Gegend, erinnert zu Recht sehr stark an die Toskana. Es waren zwar immerhin jedes Mal 780 Kilometer zu fahren, doch die Mühe wurde belohnt durch den Anblick der herrlichen Landschaft, die noch nichts von seiner Ursprünglichkeit eingebüßt zu haben schien und den herzlichen Menschen, hatte man sein Ziel dann endlich erreicht.

Doch bis zur Ankunft ging es erst einmal durch unzählige Tunnel und war man dann nach Stunden endlich bis vor Linz, so hatte man den größten Teil schon geschafft. Hilde, unsere alte Wirtin, noch ein echtes „steirisches Madl“, sagte schon immer: „In Linz beginnt`s !“ Und so empfanden wir das auch immer, denn ab Linz freuten wir uns schon, dass wir endlich da wären, wir die uns schon so vertrauten Gesichter wieder sehen würden und unser Urlaub endlich beginnen konnte...

Müde, aber glücklich, endlich in der „Klöcher Perle“, unserem Ferien- domizil, angekommen zu sein, stand die ganze „Mannschaft“ schon zur Begrüßung bereit. Die bucklige Hilde, die sich sonst den ganzen Tag in der Küche aufhält, um den Gästen ihre legendären Backhendl zu bereiten, die Christl, ihre Tochter, fesch im steirischen Dirndlgewand, ihr Lebens- gefährte, der Jakob, der wie meistens, schon wieder etwas zuviel Traminer verkostet hat, was vielleicht daran liegt, dass er die Rebschule unter sich hat und man da halt leicht in Versuchung kommt. Das Enkerl, die Mathilde, freut sich auch, dass wir wieder hier sind und der Chef, der Gustl, ganz im Jagerlook, macht schon wieder Stielaugen in Richtung meines Dekolletes, denn er kann`s halt nicht lassen, das Stieren nach die „Weiberleit“. Er meints ja net bös`, der Gustl, er sieht halt gern mal hin, wenn eine a bisserl „Holz vor der Hüttn“ hat. Doch die Hilde dreht im ein paar Augen hin, so dass er schnell wieder die Blickrichtung ändert. Sogar die Lady, die Jagdhündin vom Gustl, ist mit von der Partie und bekundet mit lautem Gebell und Dauerschwanzwedeln ihre Freude. Zuletzt kommt auch noch der Hans, unser Lieblingskellner angesaust, um uns schnell die Hand zu schütteln, denn er hat wie immer viel zu tun, im gut besetzten Gastgarten.

Dort, in den Gastgarten, unter die schattigen Rebblätter, zieht es uns dann auch hin, so bald wir unser Gepäck in die vorbereiteten Zimmer verstaut haben. Wie immer, ist unsere erste Bestellung ein frisches, knuspriges Backhendl aus der Hilde ihrer „Kuchl“. Dazu einen würzigen Traminer, für dessen Qualität die „Klöcher Perle“ bekannt ist und für die Kinder gibt`s einen frisch gepressten, kühlen Apfelsaft. Zum Hendl serviert uns dann der Hans einen gemischten Salat, mit dem unver- gleichlichen Kartoffelsalat von der Hilde und den großen, braunen, mehligen Bohnen, die man dort auch „Saubohnen“ nennt. Nach unserer ausgiebigen Stärkung scheinen wir endlich angekommen zu sein und lehnen uns zufrieden zurück. Unter unserem Rebdach schauen wir hinaus auf die Weinhänge, die vor uns liegen und lauschen dem ratternden Geräusch des „Klapotetz“, einem Windrad, wie es nur in der Steiermark zu finden ist, aufgestellt als eine Art Vogelscheuche, um die hungrigen Vögel von den Weinreben zu vertreiben. Zum Abschluss des anstrengenden Tages serviert uns Hans dann noch einen „Verlängerten“, mit selbst gebackener Malakofftorte, auch eine Spezialität von der Hilde und mit einem schönen Gruß von derselben, wir sollten es uns schmecken lassen.

So lässt`s sich`s leben, in dieser herrlichen Landschaft, mit den urigen Menschen, ihren kulinarischen Köstlichkeiten, der wunderschönen Natur und der Ruhe, die man dort noch finden kann und die uns alljährlich wieder auftanken lässt, um den Rest des Jahres in der hektischen Arbeitszeit auch noch zu überstehen. Und jedes Mal stand für mich fest, dass ich wiederkommen werde, irgendwann, in "meine steirische Toskana“.

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