Ehrwürdig
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Beitrag von wize.life-Nutzer

Wer hoch hinaus will, steigt auf das Cityhochhaus. Das heißt, er lässt sich mit hoher Geschwindigkeit und beinahe unbemerkt über 29 Etagen im Lift nach oben bringen und nimmt nur die letzten Stufen zu Fuß. Ich stehe und staune. Leipzig- Meine Stadt.

In nördlicher Richtung ist unschwer der Hauptbahnhof zu erkennen. Faszinierend die unzähligen Schienenstränge, die Schnüren gleich sich aus dem Gebäude ziehen. In fast alle Richtungen; nach Norden und im Osten und Westen, um sich herzförmig um die Stadt zu legen und sich im Süden fortzusetzen. Meine Aussicht von 120 Meter Höhe bietet mir in Minutentakt eine Vielzahl von Diesel- und Elektrozügen im Miniaturgestalt. Für Liebhaber auch alte Dampflokomotiven, die aber vor Ort, auf Gleis 24.
Der flächenmäßig größte Kopfbahnhof Europas. Im Wechsel der Zeiten, auf mehr als 3000 Gründungspfählen gebaut, einen Krieg widerstanden, mit Diktaturen gehadert, vor Beginn des neuen Jahrhunderts im neuen Glanz erwacht. Seit November 1997 stolziert der alte Herr aufgehübscht mit einer Bahnhofspromenade einher, bietet nicht nur mehr als 120 000 Reisenden ein gutes An- und Wegkommen, sondern auch Lustwandeln auf zwei Ebenen unter der Erde.
Ich stehe und staune. Der alte Herr tut als wäre nichts geschehen. Und doch. Er ist in die Jahre gekommen und ohne Bypass ging es auch bei ihm nicht mehr. Drei Jahre länger als geplant hat sich Leonie durch Leipzig gequält, um den alten Herrn ein zeitgemäßes Leben zu ermöglichen. Leonie, ein riesiger Bohrer fraß sich dezimeterweise unter der Stadt hindurch in Richtung Süden. Er ließ die Stadt erschüttern und sich wieder beruhigen. Die Menschen in ihr auch.

Dem alten Herrn geht es gut, er hat nun eine Hauptbahnhof- Tief- Station, drei auf der Strecke in der Tiefe von 22 Metern unter dem Herzen der Stadt bieten das Auftauchen der Passagiere. Menschen erreichen schneller ihr Ziele von Norden, Osten und Westen nach Süden und umgekehrt. Er beschleunigt die Zeit zum Reisen, zum Arbeiten, zum Shoppen und Chillen in der Stadt. Wer hätte das erwartet von einem mit knapp 100? Den Status allerdings, der Größte Europas zu sein, hat er verloren. Was soll`s? Mit der Zeit und nicht im Stillstand. Chapeau!


Text: Connie B.
Fotos: pixelio.de

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