Das Dornröschen-Schloß
Das Dornröschen-Schloß

Radfahren im Land der Gebrüder Grimm. E-Biken ist märchenhaft

Hans-Herbert Holzamer
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Es war einmal... So beginnen Märchen. Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange vergeblich ... Ist das nicht das Märchen der Gebrüder Grimm? Ist das nicht Rapunzel? Ja, richtig. Aber wer weiß, wo das Märchen spielt, wo es geographisch verankert werden kann? Dem Interessierten kann geholfen werden. Denn das Land Hessen, genau genommen die HA Hessen Agentur GmbH hat sich der Aufgabe gestellt, eben diese Bezüge herzustellen. Und so lässt Rapunzel auf der Trendelburg ihr langes, blondes Haar hinunter. Noch heute, bei einer der zahlreichen Aufführungen, kann man das hübsche Kind in Fleisch und Blut bewundern. Tourismus geht eben so, ohne Marke, ohne Ehrgeiz ist es schwierig unter den vielen Angeboten zu bestehen. Wälder wie den Reinhardswald gibt es in Deutschland viele, aber die Trendelburg mit Rapunzel gibt es nur dort, nördlich von Kassel im Wald. Das Dornröschenschloss, die Sababurg, ist nur 13 Kilometer entfernt, gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar.

„GrimmHeimat NordHessen“

Da lag es nahe, dass sich die Region Nordhessen gemeinsam als Urlaubsregion unter der Dachmarke „GrimmHeimat NordHessen“ präsentierte. Denn die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm gehören zu den herausragenden Deutschen, und ihre Kinder- und Hausmärchen sind neben der Luther-Bibel das bekannteste und weltweit am meisten verbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte. Nicht minder achtungsgebietend sind ihre Leistungen auf den Gebieten der Sprach- und Literaturwissenschaften, der Rechts-, Geschichts- und Mythenkunde sowie ihr politisches Wirken für Deutschland und Europa.

Sich ihnen über eine touristische Reise zu nähern, ist ein gewaltiges Vergnügen. Nun gibt es die Deutsche Märchenstraße, die einen großen Bogen vom Main bis zum Meer schlägt, die sich daher für eine Erkundung mit dem Pkw empfiehlt, aber wir wollten uns den Märchen der Gebrüder Grimm behutsam nähern - und wählten die Form einer Fahrradtour.

Natürlich mussten wir da Abstriche machen, denn alle nordhessischen Landkreise sind „grimm-aktiv“, und viele Feste und Projekte können hier nur genannt, aber nicht abgeradelt werden. Bad Wildungen und sein Schneewittchen-Projekt, die Märchenwoche in Bad Sooden-Allendorf, Bad Hersfeld und sein Science Center, das die Brüder Grimm als Pioniere der Sprachwissenschaften vorstellt, der Grimm-Steig im Landkreis Kassel, in der Stadt das neue Museum, die Grimm-Welt, das Brüder-Grimm-Festival, im Rahmen des Kultursommers Nordhessen das Europäische Märchen- und Sagenfestival. Und es gibt noch vieles mehr. Wer also sich den Brüdern Grimm und ihrer Heimat nähern will, ist gut beraten, sich über die Veranstaltungen ebenso genau zu informieren wie über die Unterkünfte, um Erholung mit Wissensgewinn und emotionaler Aufwärmung zu verbinden.

Hessen ist ein Fahrrad-Land

Auch bei der zu wählenden Fahrrad-Route ist Sorgfalt angebracht, denn Hessen ist ein Fahrrad-Land, trotz seiner Hügel und wegen seiner Flüsse. Insgesamt über 3300 km lang, verbindet das Netz der Hessischen Radfernwege idyllische Flusstäler mit den Höhenzügen von Rhön, Odenwald, Vogelsberg und Taunus. Neun Radfernwege, ergänzt durch die hessischen Abschnitte von Eder-, Lahn-, Rhein-, Main-, und Werra-Radweg erschließen ein Land, das einem trotz zahlreicher Durchquerungen und Besuche mit dem Auto weitgehend unbekannt geblieben ist. Nimmt man die Verbindungen zu den Nachbarländern hinzu, spürt man, im Herzen Deutschlands zu sein. So führt der Herkules-Wartburg-Radweg durch die eindrucksvollen Fluss- und Tallandschaften von Losse, Wehre und Werra, über den Ringgau bis in die märchenhafte Landschaft am Fuße des "Frau-Holle-Berges", des Hohen Meißner und schließlich zur Wartburg. Der 180 km lange Rhönradweg verbindet die Länder Thüringen, Bayern und Hessen. Er erschließt das Biosphärenreservat Rhön und führt von Bad Salzungen an der Werra bis nach Hammelburg.

Rapunzel hält nichts von Bigamie

Wir haben, den Gebrüder Grimm zu Ehren, den Diemelradweg unter die Fahrrad-Reifen genommen, von Warburg aus der Grenze zu NRW entlang über Liebenau bis zur Trendlburg, wo wir im romantischen Hotel übernachteten. Man hätte dort auch auf dem Standesamt heiraten können, aber Rapunzel hält nichts von Bigamie. Von dort schlugen wir uns in den Urwald, in dem sich Hänsel und Gretel verliefen, zur Sababurg. Dort hätten wir auch heiraten können, die Hoteliers der Familie Koseck wollten auch bei Dornröschen ein gutes Wort einlegen, die Kirchenscheune im Tierpark stand bereit, aber gegen den Prinzen hatte dann doch keiner von uns eine Chance.

Vielleicht hat Dornröschen auch gesehen, dass wir mit E-Bikes durchs Burgtor fuhren. Wir haben zwar gesagt, dies sei eine Frage der Recherche für unsere verwöhnten Leser, aber sie hat es nicht geglaubt. Jedenfalls eröffnet das leichtere Radfahren einen neuen Spaß am Fahrradfahren. Und in der GrimmHeimat existiert ein gutes Netz von Verleih- und Ladestationen. Da bleibt im Wald keiner liegen und wird ein leichtes Opfer irgendwelcher Hexen. Es gibt auch geführte Gruppentouren, die unter kabelitz@regionnordhessen.de
oder www.hm-ebike.de angeboten werden.

Auf dem Werra-Radweg

Bei Veckerhagen, einmal quer durch den Reinhardswald, stießen wir auf den Radweg D 9 der D-Netz-Route, den wir an der Weser entlang bis nach Hannoversch Münden, immer an der Grenze zu Niedersachsen, fuhren; bis zu dem Punkt "Wo Werra sich und Fulda küssen..." Der Werra-Radweg war erreicht, der ist insgesamt 300 Kilometer lang, und über Witzenhausen, Bad Sooden-Allendorf ging es nach Eschwege. Im Westen grüßte der Hohe Meisner, aber für Frau Holle war noch nicht die passende Jahreszeit. Aber man kann ja wiederkommen. An Hessen führt kein Weg vorbei, weiß die Tourismus-Werbung. Und was ist mit Tischlein deck dich? Ja, das findet man überall in Nordhessen. Wir waren in der Jausenstation in Weißenbach und fanden die Ahle Wurscht wunderbar. Den originalen Tisch will der Wirt vom Klausenhof in Thüringen besitzen. Aber gezeigt hat er ihn uns nicht. Märchen muss man einfach glauben.

www.hessen-tourismus.de
www.grimmheimat.de