Die Viecher stehen im Mittelpunkt
Die Viecher stehen im MittelpunktFoto-Quelle: Alta Badia

Leonardiritt: Treffunkt ab 6. November in Alta Badia

Hans-Herbert Holzamer
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Man hebt den Blick zu den bunten Blättern des herbstlichen Waldes, die Nase meint, schon den kommenden Winter erschnuppern zu können. Aber noch ist es Zeit, die Wärme des abklingenden Sommers auf der Haut zu spüren. Noch hält das Jahr inne, bevor der Winter mit Kälte und Schnee Besitz von Landschaft und Mensch ergreift. Und weil das alles so festgelegt ist, und weil es auch gut ist, darum will man ein Fest feiern, wenn das Jahr signalisiert, dass bald das Ende des Herbstes kommt. Das ist auch in Abtei so und der ganzen Hochabtei, die heute auch Alta Badia heißt. Deswegen kommen Feinschmecker, Törggelen- und Brauchtumsfans in diesen Teil Südtirols, sie kommen alle in diesen Tagen, wo die Zeit innehält. Sie besuchen das Erntedankfest, und es kommen auch die Reiter und Pferdeliebhaber, den am 9. November ist Leonhardiritt. Es ist eine Prozession zu Pferde, die zum Brauchtum in Altbayern, Westösterreich und Südtirol zählt. Sie findet zu Ehren des heiligen Leonhard von Limoges an seinem Gedenktag, dem 6. November, oder einem benachbarten Wochenende statt.

Leonard von Limoges

Wir laufen durch den herbstlichen Wald über den Piz la Ila, haben die Marmolata und den Sellastock im Blick, aber von Leonhard von Limoges wissen wir wenig. Er war ein fränkischer Adelssohn, der am Hof der Merowinger erzogenen wurde; später lebte er als Eremit. In der römisch-katholischen Kirche wird er als Heiliger verehrt. Seine Lebensgeschichte im 6. Jahrhundert ist durch eine im 11. Jahrhundert verfasste Biografie bekannt. Er setzte sich für Gefangene, für Kranke und Hilfsbedürftige ein. Die Legende besagt, dass er der schwangeren Frau König Chlodwigs I. im finstern Wald zur Hilfe eilte, und er dafür so viel Waldfläche, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne, geschenkt bekam. Leonhard gründete auf dem geschenkten Land das Kloster Noblat, das noch besteht. Ab dem 11. Jahrhundert wurde er in Altbayern als Nothelfer angesehen, vor allem aber als Schutzpatron für das Vieh, insbesondere für die Pferde.

Jedenfalls gehört der Leonardiritt seit vielen Jahrhunderten zu den Fixterminen im Jahreskalender von Alta Badia. Es ist ein besonders schönes Erntedankfest, bei dem man großen Wert auf althergebrachte Traditionen und Bräuche legt. Der Höhepunkt des Erntedankfestes ist am Sonntag, dem 09. November 2014, der große Umzug. Viele Musikkapellen aus der Region, bunt geschmückte Kutschen und Festwägen sowie Trachtenträgerinnen und -träger nehmen daran ebenso teil wie viele frisch gestriegelte Noriker- und Haflingerpferde mit ihren Reitern. Für Speis und Trank ist beim Leonhardiritt natürlich gesorgt. Am gastronomischen Stand des Bauernvereins Gadertal serviert man typische Schmankerln, und auch der Bauernmarkt bietet allerlei Köstlichkeiten und besondere Produkte.

Der Leonardiritt ist eine Zeitreise

Dass St. Leonhard, eine Fraktion von Abtei in Alta Badia, dem Heiligen besonders verpflichtet ist, versteht sich aufgrund des Namens von selbst. Wie gelebte Tradition sein soll, so ist auch heuer der Leonardiritt eine Zeitreise in die Bräuche vergangener Generationen, eine Entdeckungstour zu den Geheimnissen und Schönheiten der Dolomiten. Und so erlebt man am 9. November 2014 nicht nur authentisches Brauchtum, sondern auch schöne Klänge und echte Ladinische Küche. Die Bauern haben ihre schönsten Kutschen eingespannt und tragen die klassischen Trachten der Region. Aus vielen Dolomitendörfern kommen die Menschen zusammen. Auf den Ständen werden Butter, Käse und Speck präsentiert, die nach alten Rezepten hausgemacht sind. In Handarbeit gefertigt sind auch die Wollsachen, welche die Bäuerinnen zum Kauf anbieten. Gastwirte kochen nach alten ladinischen Rezepten die berühmten Turtres (mit Spinat und Quark gefüllten Teigtaschen) und Furtaies, die spiralförmige Süßwaren, welche traditionsgemäß die Mutter der Braut am Tag vor der Hochzeit für Freunde und Nachbarn herrichtet. Der Leonhardiritt beginnt um 10.45 Uhr in St. Leonhard. Ganz vorne ist der Wagen des Schutzpatrons, gefolgt vom Dekan und der Blumenkrone, dem Symbol der Musikkapelle. Danach folgt der Wagen mit den einheimischen Produkten, die am Schluss dann verkauft werden. Nach dem Umzug folgt die Segnung der Pferde durch den Dekan.

Zum ersten Mal wird dieses Jahr eine Pferdeshow mit dem Titel "Pferde und Musik" stattfinden. Begleitet von den Melodien der Musikkapelle Badia werden die Haflinger Pferde des Reitstalles Teresa den Zuschauern eine elegante Aufführung bieten.

Am Tag zuvor, am Samstag, dem 8. November, organisiert der Tourismusverband Alta Badia eine geführte Wanderung zum Runch Hof oberhalb von Badia. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit den Leonhardiritt hinter den Kulissen zu entdecken. Denn Enrico Nagler und seine Söhne zeigen wie Pferde und Wagen für den Fest am Sonntag vorbereitet und geschmückt werden. Eine Arbeit, die mit viel Sorgfalt und Leidenschaft durchgeführt wird.

In der Maso Runch in Pedraces

Wir wollen ein paar Details vorab wissen und finden uns in der Maso Runch in Pedraces ein. "Die Vorbereitung der Pferde und der Wagen für den Umzug fängt schon eine Woche vor der Veranstaltung an", sagt Enrico. "Die Pferde werden sauber gestriegelt und mit Zöpfen, Blumen und alten traditionellen Zügeln und Schirrungen geschmückt. Die Frauen kümmern sich um die Zubereitung der Wagen und verzieren sie mit Blumen und Schleifen. Am Leonhardiritt werden die Pferde in ihrem festlichen Aussehen bestens präsentiert. Kommt´s halt am 8. November wieder, dann könnt Ihr es selbst erleben. Selbst sehen ist allemal besser, als dass ich es Euch verzäll." Da hat er gewiss recht.

Information:
Anmeldung unter: 00390471 847037 oder: www.altabadia.org.