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Dresden, Bühlsche Terrasse
Dresden, Bühlsche TerrasseFoto-Quelle: hhh

Dresden.de: In die Elbe gefallen

Hans-Herbert Holzamer
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

"Sie haben das Zimmer in Kenntnis der Stornierungsbedingungen gebucht, wir haben es für Sie freigehalten und Sie haben dann storniert. Wir konnten das Zimmer nicht anders vergeben. Eine Gutschrift ist leider nicht möglich. "

Das war leider sehr ärgerlich. Denn Wohnungen zu mieten, eine noch privatere Unterbringungsform als Bed and Breakfast, ist en vogue. Ist also ein guter Grund für eine Recherche. Und da gerade Wohnungen an der Elbe in Dresden sehr chic sein sollen, buchte ich eine Wohnung in einer "Elbvilla" über das Internet-Portal der sächsischen Landeshauptstadt dresden.de. Und wurde verwiesen an dresden-pension.net und bekam in der Therese Malten Villa Dresden das Elbblickzimmers 1. Der Vermieter Stefan Scharfe, der mir dann fast den vollständigen Zimmerpreis abverlangte, obwohl ich die Recherche absagen musste, schwärmte in höchsten Tönen: "Unseren Gästen stehen die komplett ausgestattete Küche im Souterrain mit Ausgang zu einer Terrasse mit Blick zur Elbe, das Kaminzimmer und der große Garten zur Verfügung. Der Parkplatz auf dem Grundstück und Fahrradunterbringung sowie DSL-Internetzugang (WLAN) sind kostenlos." Und so weiter, und so weiter. Es gab Hinweise zum Besuch der Oper und des Grünen Gewölbes, und bei einer
Stadtführung durch Herrn Hoch gäbe es einen Preisnachlass von 10 % "für unsere Gäste".

Stornierung acht Tage vor Reisebeginn

Einen substantiellen Nachlass wegen meiner Stornierung, die acht Tage, also mehr als eine Woche vor dem geplanten Reiseantritt erfolgte, gab es nicht.

Das ist völlig unverständlich. Buche ich eine Reise bei HRS oder Booking.com kann ich bis zum Vortage des Reiseantritts noch kostenlos stornieren, auch wenn ich Zimmer und Pensionen anmiete. Wie kann das beim offiziellen Portal der Landeshauptstadt ungünstiger sein?

Wir haben uns bei Wimdu informiert, einer Onlineplattform, die Reisende mit privaten Besitzern von Wohnungen und Zimmern zusammenbringt.
Und fanden dort, dass die "Stornierungsbedingung vom Gastgeber gewählt" werden. Dem Gastgeber, wohlgemerkt, nicht dem Gast, stehen drei Alternativen zur Verfügung: „Kostenlose Stornierung“, „Moderat“ oder „Streng". Lieber Gast, ich wähle Strenge! Das ist mindestens so seltsam wie bei Dresden.de und der Therese-Malten-Villa.

Nicht einmal einen Gutschein

Ich forderte Herrn Scharfe auf, mir für die bezahlten 128,25 Euro wenigstens einen Gutschein zu geben, damit ich die Recherche zu einem anderen Termin realisieren könnte. Denn wenn er schon eine finanzielle Bereicherung ohne eine entsprechende Gegenleistung hat, besteht für ihn die vertragliche Pflicht, meinen Schaden zu mindern. Das hat er aber abgelehnt, nachgewiesen, dass er die Wohnung nicht doch vermietet hatte und er so doppelt kassierte, hat er allerdings auch nicht. Aber er schrieb:
"Wenn Sie nicht so unangenehm auftreten würden, wäre die Anrechnung eines Teilbetrages für eine Umbuchung aus Kulanz möglich gewesen…" Ja, wenn. Ich fand das Auftreten so unangenehm nicht, hätte ich bei HRS gebucht oder Booking.com, wäre das alles kein Problem gewesen. Und 128,25 Euro schmeiß ich nur ungern zum Fenster raus. Und die "Gebühren", seit wann setzt ein Privatanbieter Gebühren fest? Sie waren so happig, dass man sie publizieren muss:

"Wir bitten um Überweisung der Rücktrittsgebühr (bis 46 Tage vor dem vereinbarten Anreisetermin 10 % des Übernachtungspreises, ab 45 Tage vor dem vereinbarten Anreisetermin 25 %, ab 30 Tage vor dem vereinbarten Anreisetermin 50 %, ab 15 Tage 75 %, ab 7 Tage vor dem vereinbarten Anreisetermin 90 % des Übernachtungspreises)."

Eine Information zum Trost war angefügt: "Wenn es uns gelingt, das Zimmer anders zu vergeben, schreiben wir Ihnen den Betrag abzüglich eines Betrages von 30 EUR gut für einen späteren Aufenthalt."

Wohnungsbewirtschaftung

Also in jedem Fall eine Strafe von 30 Euro. Und wie kann ich die "Vergabe" überprüfen? Gar nicht. Auch hier die Sprache verräterisch: Hier wird nicht vermietet, hier wird vergeben. Als wären wir im Ordnungsrecht oder bei der kommunalen Wohnungsbewirtschaft, und die Kulanz ein Erweis obrigkeitlicher Gnade. Herr vergib ihnen, und mir eine Wohnung. Also, so schön die Villen an der Elbe sein mögen. In den Fluss fallen mag ich nicht zum zweiten Mal. Wenn ich mich denn nach Dresden zum Nachholen der Recherche begebe, buche ich irgendwo, aber bestimmt nicht bei dem Portal der Landeshauptstadt.


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