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Jesus und Maria Magdalena
Jesus und Maria MagdalenaFoto-Quelle: hhh

Cranach-Jahr in Thüringen: Reise hinter die Mauer im Kopf

Hans-Herbert Holzamer
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

"Wir sind das Volk", 25 Jahre nach dem Fall der Mauer, denkt man an das Zusammentreffen der Menschen, an den Sturz der aus- und abgrenzenden Grenzen. Was die Menschen in den alten Bundesländer auch ausgegrenzt hatte, ohne dass man sich dessen immer bewusst war, das war der Verlust des Bezugs zu Altmeistern deutscher Kunst und Kultur. Wer sich interessierte, kannte italienische Renaissance und Barock. Dass es das auch in Deutschland gab, lag hinter einer Mauer im eigenen Kopf. Bach und Liszt kannte man aus Konzerthäusern und von der Schallplatte. Die beiden Maler Lucas Cranach der Ältere und Lucas Cranach der Jüngere kannte man aus Kathalogen. Wo sie lebten, wo sie arbeiteten, das war ewig weit weg. Jetzt kann man dies beenden, man kann sie besuchen und auch diese Mauer im Kopf einreißen.

Lucas Cranach, der Ältere wurde um 1472 in Kronach, Oberfranken, geboren, er starb am 16. Oktober 1553 in Weimar. Er war mit Marin Luther befreundet, druckte Flugblätter für die Reformation und hatte auch katholische Auftraggeber. Er war einer der spannendsten Künstler seiner Zeit. In Thüringen verliebte er sich in eine Gothaerin, hier heiratete er, hatte zwei Häuser. Hier starb er. Und bis heute kann man in Thüringer Kirchen und Museen Werke von Vater - und Sohn bestaunen. Dazu gehören großartige eigenhändige Gemälde, aber auch Bilder, die der Werkstatt und ihren Schülern zugeschrieben werden.

Seine Grabplatte findet man auf dem Weimarer Jakobskirchof. Neben zahlreichen Altarwerken und Gemälden wurde er vor allem durch Porträts seiner Dienstherren sowie der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon berühmt. Seine Werkstatt, die mutmaßlich rund 5000 Gemälde verlassen haben, wurde von seinem gleichnamigen Sohn Lucas Cranach d. J. fortgeführt.

Cranach-Jahr in Thüringen und Sachsen-Anhalt

Dieser wurde am 4. Oktober 1515 in Wittenberg geboren. Und diese Jahreszahl macht aus dem nächsten Jahr ein "Cranach-Jahr". Und die beste Möglichkeit, sich mit der deutschen, künstlerischen Renaissance zu befassen, bieten die Reise-Angebote der beiden Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Lucas Cranach d. J. verstarb am 25. Januar 1586 im Alter von 70 Jahren in Wittenberg. Seine Grabstelle in der Stadtkirche findet man vor der Empore beim letzten südlichen Pfeilers, wo heute ein Gedenkstein an ihn erinnert. Im Altarraum befindet sich sein Epitaph, das ihm und seinen beiden Ehefrauen von den Erben gestiftet wurde.

Thüringen widmet dem Maler, der entscheidende Abschnitte innerhalb seiner heutigen Landesgrenzen verbracht hat, im nächsten Jahr sogar eine Landesausstellung unter dem Motto "Bild und Botschaft". Mit wird an die Reformationsdekade angeknüpft, die den Titel "Bild und Bibel" trägt. Zugleich will man ein Versäumnis nachholen, dass man 2003 den 450. Todestag von Lucas Cranach d.Ä. mehr oder weniger verschlafen hatte. Immerhin verfügt das Land über 100 Cranach-Gemälde, die man vor 11 Jahren in den Museen der Welt als Leihgaben bewundern konnte.
Sein Leben lang stand er im Schatten seines Vaters. Noch heute ist Lucas Cranach der Jüngere trotz seiner bildgewaltigen Formensprache, die die Themen der Reformationszeit in beeindruckende Kunstwerke fasst, vielen unbekannt. Doch er war wie sein berühmter Vater, Lucas Cranach der Ältere, nicht nur ein virtuoser Meister seines Fachs, sondern auch ein wichtiger Wegbegleiter der Reformation und ein einflussreicher Kommunalpolitiker.

Landesausstellung im Format dreier Cranach-Themen

2015 wird es in Thüringen die Landesausstellung im Format dreier Cranach-Themen geben. Von Ende März bis Mitte Juli zeigen Eisenach, Gotha und Weimar den Maler Lucas Cranach, und beide werden vorgestellt: Vater und Sohn. Aber will man diese besuchen, lohnt es sich, eine Cranach - Rundreise durch das ganze Land zu planen. Denn überall finden sich Cranachs Spuren, vor allem auch in Erfurt und Neustadt an der Orla.

Gotha
"Cranach im Dienst von Hof und Reformation" heißt in Gotha das Thema. Als Hofmaler der sächsischen Kurfürsten und Freund Luthers war Lucas Cranach d.Ä. unmittelbar an den politischen und religiösen Umwälzungen seiner Zeit beteiligt. Wie seine Malerei und Grafik in den Dienst von Hof und Reformation gestellt wurde, wird die Ausstellung in Gotha anhand von bedeutenden Werken der eigenen Sammlung und internationalen Leihgaben veranschaulichen. Im restaurierten herzoglichen Museum in Gotha, einem der schönsten Deutschlands, wird Cranachs Wirken im Dienste der Reformation und der sächsischen Fürsten gewürdigt. Dabei sollen vor allem 24 Gemälde aus dem Bestand der Stiftung Schloss Friedenstein gezeigt und der umfangreiche Bestand an Gemälden und Grafiken der Malerfamilie Cranach in ein ganz neues Licht gerückt werden. Im Ekhof-Theater im Schloss werden "Cranachs liebste Modelle" beim Ekhof-Festival zu "hören" sein, wenn Gemälde singen könnten. Konzerte lassen sich inspirieren von Motiven der Cranachs, aber vom genüsslichen Leben seiner Zeit.
29. März - 19. Juli 2015 Herzogliches Museum Gotha

Wartburg
"Die Luther -Portraits der Cranach-Werkstatt" präsentiert die Wartburg bei Eisenach. Es werden Gemälde sowie ein Tryptichon gezeigt. Zwischen 1520 und 1546 entstanden sieben verschiedene grafische und gemalte Porträttypen Martin Luthers in der Werkstatt Cranach d.Ä. und d.J. Alle diese Bildnisse dienten propagandistisch und dokumentarischen Zwecken. Dabei übernahm das Porträt Luthers als Junker Jörg als Botschafter des reformatorischen Programms eine wesentliche Funktion. Das Bild von Lucas Cranach d. Ä. thematisiert Luthers zehnmonatigen Aufenthalt auf der Wartburg unter fremdem Namen und hat damit eine klare Botschaft. Die Ausstellung stellt die Typologie vor und befasst sich mit der Organisation der Wittenberger Werkstatt.
2. April - 19. Juli 2015 Wartburg Eisenach

Weimar
"Cranach in Weimar" heißt die Ausstellung in Weimar, welche die neu bearbeiteten, reichen Bestände der Klassik Stiftung Weimar in den Mittelpunkt stellt. Sie veranschaulicht die neuesten Erkenntnisse von Kunsthistorikern und Restauratoren, Historikern und Theologen. Die Weimarer Fürsten und Landesherren förderten die Reformation. Und so hielt sich Luther mehrfach in Weimar auf. Im Oktober 1522 erklärte Luther seine Auffassung zu "Weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei". Dies war die Basis für eine seiner reformatorischen Hauptschriften "Von der Freiheit eines Christenmenschen".
Luther wohnte während seiner Aufenthalte in Weimar im Franziskanerkloster, das heute die Hochschule für Musik Franz Liszt beherbergt. Bei seinem letzten Weimarbesuch logierte Luther im Haus von Spalatins Bruder, heute Lutherhof.
1552 kommt Lucas Cranach d.Ä. nach Weimar. Der 80-jährige Hofmaler folgt seinem protestantischem Landesherrn ins Exil. Lucas Cranach d.J. vollendet schließlich den Altar, den sein Vater begonnen. Der Flügelaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul gilt als wichtigstes Zeugnis der Reformation.
Im Cranach Haus verbrachte Lucas Cranach d.Ä. sein letztes Lebensjahr. Er gründete vor seinem Tod noch eine Werkstatt und nahm zwei Schüler auf. Das Haus ist ein bedeutender denkmalgeschützter Renaissance-Bau und gehört zum UNESCO - Weltkulturerbe. Weimar wird unter kulturhistorischen und biografischen Aspekten als letzter Wirkungsort des älteren Cranachs vorgestellt. Dies geschieht mit einer Schau im Schiller-Museum, die vom Cranach-Altar der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar, dort ist Cranach neben Martin Luther selbst verewigt, ausgeht. Cranach-Altar und Cranach-Galerie im Schloss werden zudem mit einem gemeinsamen Medienguide erschlossen werden.
3. April - 14. Juni 2015 Schiller Museum-Weimar

Erfurt
Ohne Teil der Landesschau zu sein: "Erfurt liegt am besten Ort. Da muss eine Stadt stehen", urteilte einst der große Reformator Martin Luther, der in Erfurt Theologie studierte. Heute verfügt Thüringens Landeshauptstadt über einen eindrucksvollen Fundus einzigartiger Cranach-Gemälde: Zu den kostbarsten Kunstwerken gehört das vermutlich um 1520 entstandene Tafelbild „Die Verlobung der Heiligen Katharina“ von Lucas Cranach d. Ä. mit den Heiligen Katharina und Barbara. Dieses befindet sich im nördlichen Seitenschiff des Doms St. Marien und ist 1948 in einen barocken Altar eingefügt worden.

Im Angermuseum befinden sich zwölf Werke, die vorwiegend der Cranach-Werkstatt zuzuordnen sind. Zu den bedeutendsten Arbeiten gehört „Lasset die Kindlein zu mir kommen“. Das Gemälde entstand um 1537 und ist mit dem Schlangenzeichen signiert. Der Erfurter Dom zeigt Pfeilerbilder aus dem 16. Jahrhundert, die in einer Sonderausstellung im Angermuseum im Hinblick auf ihre theologische und kulturgeschichtliche Bedeutung beleuchtet werden.

Thüringen
Abgerundet wird eine Cranach-Reise nach Thüringen durch Besuche in:
Eichenberg (Saale- Holzland- Kreis): Apostelgemälde in der Pfarrkirche.
Gera: Kreuzigungstafel aus der Kirche Posterstein in der Orangerie.
Jena: In der Kirche St. Michael Bronzeteile einer Grabplatte für Luther. Die Vorlagen für das Familienwappen stammen von Cranach.
Sondershausen: Schlossmuseum mit fünf Porträts der Fürstenfamilie (Werkstatt).
In Neustadt an der Orla empfängt ein großer Flügelaltar in der Stadtkirche St. Johannis von Lucas Cranach d. Ä. den Besucher. Er gehört zu den ersten Aufträgen, die der Wittenberger Hofmaler von der Bürgerschaft einer Stadt erhielt. Nur weil Martin Luther sich 1524 schützend vor das Kunstwerk seines Freundes stellte, steht es bis heute unverändert an seinem Platz.

Sachsen-Anhalt
Weil Wittenberg in Sachsen-Anhalt liegt, muss sich Thüringen 2015 der Konkurrenz der Nachbarn erwehren. Die Vermarktung erfolgt gemeinsam über die Thüringer Tourismus GmbH und die Marketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt

Informationen
Tourist Information Thüringen
Willy-Brandt-Platz 1
99084 Erfurt
T. +49 (0) 361 37 42 0
service@thueringen-tourismus.de
www.thueringen-entdecken.de

Reiseland Sachsen-Anhalt
T. +49 (0) 391-56 28 38 20
www.sachsen-anhalt-tourismus.de


6 Kommentare

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Das ist eine interessante Reisebeschreibung von dir. Einge der hier beschriebenen Orte, die einen Zusammenhang mit Lucas Cranach haben, kenne ich schon. Andere sind sicher einen Besuch wert.
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Hans-Herbert Holzamer
Es gibt so viele Burgen, Schlösser und Ruinen in Thüringen. Ich würde mir zutrauen, eine Reise zu organisieren; nur von Schloss zu Schloss. Vielleicht würde ich die Kloster dazu nehmen. Die Wartburg ist sicherlich ein guter Auzsgangspunkt, zumal man dort übernachten kann.
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Was mich sehr reizen würde, wäre Thüringen und sein Burgen auf Burgentour im Thüringer Land, denn es gibt nicht nur die Wartburg, aber es wäre vielleicht ein Ausgangspunkt?????
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Thüringen ein Traum, war einmal auf der Wartburg......so toll!
Es wurde uns angeboten im Rahmen einer Reha - Mass - nahme von Bad Wildungen aus, jedoch nur für 1 Tag, Hin- und Rückfahrt insges. 4 Std., es war trotz langer Fahrt ein sehr schöner & interessanter Tag auf der Wartburg...ja vllt. & evtl. komme ich auch nochmal in dieses schöne Bundes - Land.
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Ein toller Artikel.Habe direkt Lust bekommen nach Thüringen zu reisen..
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