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Sennerin Barbara von der Weißalm im Großarltal.

Unterwegs zu unverfälschten Almhütten

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 26.06.2015 - 18:56 Uhr

Nach dem Wandern kommt der Durst. Und gleich nachdem wir uns auf der Weißalm am Tisch mit dem schönsten Blick über das idyllische Ellmautal niedergelassen haben, schaut auch schon Almbäuerin Barbara vorbei und fragt, was wir trinken möchten. „Einen Apfelsaft, bitte!“, sage ich. Die Bäuerin schüttelt den Kopf. „Des gibt’s bei uns heroben ned. Mir ham nur Sachen, die mir selber moachen: a Milch, a Buttermilch oder an Skiwasser mit Holler!“ Umso besser, also nehme ich ein frisches Quellwasser mit selbstgemachtem Holunder-(Holler)Sirup. „Ist eh gesünder“, weiß Karoline, die Senior-Chefin des Großarler Hofs, die unsere kleine Wandergruppe heute hier heraufgeführt hat. Auch das hat Tradition: Die Hotelliers des Großarltals lassen es sich nicht nehmen, ihren Gästen die schönsten Almen selber zu zeigen.

Das Ellmautal ist eines der vielen Seitentäler des Großarltals im Salzburger Land. Das Großarltal wird samt der Nebentäler wegen seiner mehr als 40 bewirtschafteten Almen auch „Das Tal der Almen“ genannt. Freunde ursprünglicher Almkultur finden hier auf überschaubarem Raum so viel Anschauungsmaterial und Ausflugsziele wie nirgends sonst in den Alpen: Von den vielen Almen ist eine oft uriger als die andere. Alle lassen sich gut zu Fuß oder mit dem Mountainbike erreichen. Wir haben einige der ursprünglichsten Almen besucht, die noch von den Bauern, denen sie gehören, selber bewirtschaftet werden.

Die Almwirtschaft im Großarltal hat seit jeher einen hohen Stellenwert

Als Ausgangsbasis für zahlreiche Wanderwege und Mountainbike-Touren dienen in Großarl gleich zwei hervorragende, aber recht unterschiedliche Hotels, die wir beide besucht haben: Das „Edelweiß“ und der „Großarler Hof“. Während das Edelweiß vor allem ein exzellentes und über Jahrzehnte innerhalb der Betreiberfamilie gewachsenes Wellnesshotel ist, steht beim Großarler Hof die Kulinarik im Vordergrund. Und auch die Architektur ist innen wie außen imposant. Der Hoteleigentümer, Professor Peter Draxler, ist selber Jäger und hat das Hotel 2009 im Stil eines überdimensionalen Jagdhauses bauen lassen. Beide Häuser pflegen Heimat und Tradition im Ort. Doch davon erst später mehr.

„Die Almwirtschaft hat im Großartal seit je her einen hohen Stellenwert. Galten die Hochalmen früher fast ausschließlich als Sommerquartiere für die Tiere, so kommt den Almbauern heute in ihrer Funktion als Landschaftspfleger eine immer höhere Bedeutung zu“, erklärt Thomas Wirnsperger, Direktor des Tourismusverbands Großarltal. Zudem stellen die Almen für die Landwirte eine wichtige Nebenerwerbsquelle durch die Vermarktung eigener Produkte dar. Wanderer und Mountainbiker freuen sich über die geballte Ursprünglichkeit sowie leckere regionale Spezialitäten zu kleinen Preisen.

Auf der Weißalm kommt nur Selbstgemachtes auf das Jausenbrettl

So kommt bei Almbäuerin Barbara auf der jahrhundertealten Weißalm nur das aufs Jausenbrettl, was ihr Sohn Gerald – von Beruf Metzger – auf dem eigenen Hof geschlachtet hat, oder was sie selber aus dem Ertrag von zwei Milchkühen für die Gäste und den Eigenbedarf herstellt. Die üppige Almjause für 7,50 Euro auf der Weißalm besteht aus Bündner Fleisch, Speck, Kilometerwurst, Knoblauchwurst, Käsewurst und getrockneten Kärntner Hauswürsteln sowie Frischkäse aus Vollmilchtopfen mit Schnittlauch, einem eingelegten Magermilchkäse und einer Portion Vollmilchkäse. Die Käspressknödel-Suppe kostet drei Euro und das Speckbrot 1,50 Euro, genauso viel wie der frische Bauernkrapfen. „Das Brot backen wir heroben selber, jeden Tag frisch!“, ist die Barbara zu recht auf ihre Produkte stolz. Nebenbei muss sie noch auf 35 Mutterkühe acht geben, die über den Sommer mit ihren Kälbern auf dem weiten Gelände der Alm unterwegs sind. Und Zimmer vermietet sie auch – 30 Betten stehen in mehreren Zimmern und Lagern für Übernachtungs-Gäste zur Verfügung. Hinter der Alm hat sie einen kleines Murmeltier-Gehege eingerichtet.

Mindestens so urig ist auch die Karseggalm in Großarl-Au – mit fast 400 Jahren eine der ältesten Almen im Tal. Sie ist eine der Lieblingsalmen von Hans Hetteger, dem Chef des Familien-Hotels Edelweiß, der mit uns hier hoch gewandert ist. Zweimal in der Woche nehmen Hans oder ein anderes Mitglied der großen Hetteger-Familie ihre Hotelgäste mit zu den schönsten Flecken ihrer Heimat – auf die sie mächtig stolz sind.

Auf der Karseggalm wird noch der traditionelle Knetkäse geräuchert

Auch im Sommer raucht der Schornstein auf der Karseggalm. Über dem offenen Feuer, das hier den ganzen Tag brennt, hängen zwei alte, verrußte Kupferkessel. „Das ist unser Warmwasserboiler“ scherzt Senner Willi Gruber, dessen Familie die Alm seit 200 Jahren gehört. „Da drin ist unser Wasser zum Abwaschen und zum Waschen. In dem anderen Kessel machen wir unseren Käse, genauso wie früher unsere Vorfahren.“ Hier wird auch der so genannte „Knetkäse“, eine Großarler Spezialität, geräuchert.

Von Anfang Juni bis Ende Oktober versorgt Senner Willi auf der Alm 50 Rinder, davon sechs Milchkühe. „Die kommen abends selber rein, weil sie die Milch loswerden müssen“, lacht er. Eine Kuh gibt 30 bis 40 Liter pro Tag, pro Kilo Käse werden elf Liter Milch benötigt. „Der Zuerwerb, den ich hier auf der Alm erwirtschaften kann, ist für unsere Familie sehr wichtig. Der Verkauf der eigenen Produkte ermöglicht es, dass wir hier in der Heimat überleben können ohne im Sommer Anderswo arbeiten zu müssen“, erzählt der Senner. „Die Direktvermarktung macht natürlich viel Arbeit, aber das ist ja auch der Sinn und Zweck der Alm, Butter und Käse zu machen und an die Wanderer zu verkaufen.“ Auf jeder Almhütte in Großarl und Hüttschlag bekommen interessierte Wanderer ein Rezept für ihr persönliches Almkochbuch.

Auch die Hotelliers in Großarl betreiben Heimatpflege

Eine andere, ebenso wertvolle Heimatpflege betreibt die Inhaberfamilie des Hotels Edelweiss.
Peter Hetteger, älterer Bruder von Hotelchef Hans, hat das Überleben des „Kösslerhäusl“ gesichert, als er in den 80er Jahren Bürgermeister des Dorfs war. Ihr Vater, Peter Senior, hatte über Jahrzehnte alte Exponate wie Dreschmaschinen, den größten Pflug des Tals und Heuschlitten zusammengetragen. Heute ist das Haus aus dem 16. Jahrhundert ein Heimatmuseum. Im Keller zeigt eine interessante Ausstellung das harte Leben im Tal in den vergangenen Jahrhunderten. Eine Besuch lohnt sich auf alle Fälle. Jeden Freitag im Sommer bewirtschaftet die „Edelweiss-Oma“ das urige Kösslerhäusl, bäckt dort frische Bauernkrapfen und singt bisweilen für ihre Gäste einheimische Gstanzln.

Im Hotel selber beeindruckt insbesondere der 2200 m² große Wellnessbereich inklusive großzügiger Saunalandschaft. Fünf verschiedene Saunen, ein Whirlpool und ein Tauchbecken im Freien erwarten passionierte Saunagänger. Auf 180 m² lädt das Hallenbad zum Schwimmen und Plantschen. In der Edelweiss-Kinderwelt regieren die jüngsten Gäste. Von der Kletterwand bis zu den Gokarts, von Kindermassagen bis zum Beauty-Package für die Prinzessinnen wird alles geboten, was Kinderherzen wünschen. Die Kinderbetreuerinnen in dem auf die Bedürfnisse von Familien eingerichteten Hotel, kümmern sich sieben Tage in der Woche ganztags intensiv um die Schützlinge.

Im Großarler Hof gibt's die beste Küche im Tal

Paare, die liebevolle Tage in einer romantischen Umgebung verbringen wollen, sind dagegen im Großarler Hof bestens aufgehoben. Der Wellnessbereich ist klein, aber fein - mit drei Saunen, Whirlpool und Dampfbad. Und im Beauty-Spa verwöhnt die Lomi-Lomi-Expertin Elke die Gäste mit wohltuenden Massagen.

Herzstück des Hauses ist der originelle Weinkeller. „Der ist weniger als Weinlager gedacht, er dient auch zum gemütlichen zusammensitzen, egal ob bei einem Willkommens-Abend, einer Weinverkostung oder einem privaten Dinner“, so Hotel-Chef Markus Andexer, der selber auch Sommelier ist. In weinselige Stimmung versetzen nicht nur der Wein und das Kerzenlicht sondern auch die 250 Jahre alte Weinpresse von 1755 aus Grinzing bei Wien, alte Maische-Fässer mit Abflussrinne und die Original-Ziegel, ebenfalls aus einem Grinzinger Weinkeller,

Das gesamte Hotel ist im Stil des traditionellen alpinen Lifestyle auf alt getrimmt. Die Gaststuben und insbesondere die komplett in Fichten- oder Zirbenholz gehaltenen Zimmer mit Schafwollteppichen und Lodenvorhängen sind extrem gemütlich und gewähren einen wunderbaren Schlaf. Und das auch nach dem Genuss der hervorragenden Küche von Küchenchef Walter Viehauser, der auf regionale Spezialitäten im Sinne der „Pongauer Genussregion“ setzt: Fisch sowie frisches Wild aus der Jagd der Inhaberfamilie stehen bei den Gästen hoch im Kurs. Neben dem Wein ist dazu das hauseigene Gebirgs-Quellwasser ein sehr gesunder Begleiter.

Romantische Nächte auf der Mosslehenalm

Die Großarler Romantik ist sogar noch steigerungsfähig: Das Hotel betreibt auch eine eigene Lodge – die Mooslehen Alm. Hier finden Gäste nicht nur Einfachheit und Ruhe, sondern können auch bei einem Hüttenabend die Sonne dabei beobachten, wie sie sich hinter die Berge verabschiedet oder gleich eines der vier rustikalen Zimmer mieten. Wer sich nicht unbesehen dafür entscheiden möchte, fährt am besten zuvor zusammen mit Hotelchef Markus bei einer entspannten Radl-Tour zur Alm - und spürt nach der überraschend flotten Auffahrt mit dem Elektro-Mountainbike die wohltuende Atmosphäre der Alm-Entschleunigung im Tal der Almen.

Beschaulich und besinnlich zugleich wandert es sich übrigens am Kapellen-Wanderweg im Großarltal. Bei jeder der elf Kapellen entlang des Weges wird eines der „Zehn Gebote“ des christlichen Glaubens thematisiert und in einen guten Wunsch für das Hier und jetzt abgeleitet. Start für den 17 Kilometer langen Wanderweg ist bei der wunderschönen barocken Pfarrkirche im Dorf.


Interessante Termine im Großarltal:

27.06.–04.07.15: Bergsteiger-Aktivwoche,
19.07.15: Musikantenroas,
23.08.15: Bergmesse auf dem Liechtensteinkopf,
23.–26.07.15: Internationale Musiktage,
13.09.15: Hoffest beim Lammwirt,
19.09.15: Schafabtrieb,
27.09.15: Erntedankfest.

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