wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?

Glückliche Zeiten

Von wize.life-Nutzer - Montag, 06.07.2015 - 07:00 Uhr

Lucy in the Sky With Diamonds
Picture yourself in a boat on a river
With tangerine trees and marmalade skies
Somebody calls you, you answer quite slowly
A girl with kaleidoscope eyes

Cellophane flowers of yellow and green
Towering over your head
Look for the girl with the sun in her eyes
And she's gone

Lucy in the sky with diamonds
Lucy in the sky with diamonds
Lucy in the sky with diamonds

Follow her down to a bridge by a fountain
Where rocking horse people eat marshmallow pies
Everyone smiles as you drift past the flowers
That grow so incredibly high

Newspaper taxies appear on the shore
Waiting to take you away
Climb in the back with your head in the clouds
And you're gone

Lucy in the sky with diamonds
Lucy in the sky with diamonds
Lucy in the sky with diamonds

Picture yourself in a train in a station
With plasticine porters with looking glass ties
Suddenly someone is there at the turnstile
The girl with kaleidoscope eyes

Lucy in the sky with diamonds
Lucy in the sky with diamonds
Lucy in the sky with diamonds

Es war damals in den Jahren als wir die Beatles hörten. Ich war privilegiert, ich hatte ein Zwei-Zimmer-Apartment angelehnt an ein Lager, keine Dusche, fließend kalt Wasser, Weckservice gegen 7 Uhr, wenn das Lager geöffnet wurde, aber am Wochenende große Ruhe im verwilderten Garten unter Kirschbäumen. Zur Uni konnte ich durch den Wald laufen. Ich schrieb gerade meine Diplom-Arbeit über die Synopse unternehmerischer Zielsetzungen. Es gab Literatur in Hülle und Fülle. Ingrid besuchte mich ab und zu, sie studierte Germanistik und Philosophie, hatte lange Beine und blonde Haare. Sie brachte auch im Sommer ihr Pelz-Cape mit, in das sie sich dann einhüllte und als ich sie fragte: darf ich dir ein Kopfkissen unter den Po schieben, sagte sie, dafür sind sie doch da. Lucy in the sky with diaminds. Es waren glückliche Zeiten.


Meine Lerngruppe zum Seminar Absatztheorie war begeistert ob der günstigen Lage meines Apartments. Nachdem wir In the year fifty-fifty, when you are still alive und Lucy in the sky with diamonds gehört hatten und Karlsberg Bier getrunken hatten ( die Mädchen tranken eher Cola oder Orangina, verließ ein Pärchen nach dem anderen die Runde und zogen sich ins Nachbarzimmer zurück. Es waren die Zeiten des sit-ins, des teach-ins und des love-ins (erinnert ihr euch?). Eines abend ließ Martin ein paar Joints kreisen und alle meinten schon nach ein paar Zügen etwas zu spüren – Lockerheit - Lustigkeit. Ich spürte nichts. Zum nächsten Treffen besorgte ich mir ein kleines Stück Löschpapier, das in der Mitte etwas dunler war – es war mit Lysergsäurediethylamid getränkt. So nach und nach passierte etwas. Zuerst wurde das Zimmer, insbesonders die Zimmerecken oben hell und heller. Ich setzte die Kopfhörer auf und der Song number nine der Beatles wanderte vom einem Ohr zum Anderen und wieder zurück. Ich ging in den Garten und blieb lange Zeit staunend vor dem in voller Blüte stehenden Kirschbaum, beschienen vom Vollmond stehen. Drinnen betrachtete ich einen Bildband von van Gogh und ich sah nicht nur die rotiernde Sonne und die züngelnden Zypressen, sondern hörte auch die Raben über dem Weizenfeld krächzen. Auf dem Boden lag ein von einem Locher ausgestanztes kreisrundes Schnipsel. Er bewegte sich, er wurde größer, er wurde kleiner, er kam auf mich zu, er wurde größer und größer und ich hatte Angst in ihn hineinzufallen. Ich weiß nicht wie lange ich von dem kreisrunden Schnipsel gefesselt wurde, Ingrid sagte etwas und zeigte auf ihr Pelzcape, ich verstand sie nicht. Die anderen waren auf der Couch und auf dem Boden eingeschlafen. Als es dämmerte, legte ich mich neben Ingrid aufs Bett und als ich aufwachte, waren alle weg, ich war allein. Meine Diplom-Arbeit gab ich zurück. Ich fuhr nach Karlsruhe, trug Morgens in der Waldstrasse die Post aus, putzte Nachmittags Treppen und übernahm am Abend den Nachtdienst an einer Tankstelle.

Zum Wintersemester holte ich mir ein neues Thema: Quantitative und qualitative Personaleinsatzplanung im Ladeneinzelhandel. Darüber gab es nur wenig Literatur. Ich löste das Problem der Warteschlangen vor den Kassen mit der Monte-Carlo-Simulation. Der Professor war begeistert, ich hatte das Diplom in der Tasche.

Erst viele Jahre später rauchte ich wieder einen Joint mit Cordula in ihrem Wohnwagen. Lucy in the sky with diamonds. Aber die Geschichte kennt ihr schon.

C: 07/15 JS

Mehr zum Thema

1 Kommentar

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Nun hatte ich eine Antwort auf die wunderschönen LSD Phantasien von Jürgen Schätzler geschrieben. Leider musste ich meinen Kommentar unterbrechen, weil ich ganz einfach müde geworden bin,
Ich ging einfach schlafen, ließ das Programm offen, speicherte das Programm auch nicht ab.
Als ich heute morgen aufwachte und den Kommentar weiter bearbeiten wollte, machte mir der Firefox einen Strich durch die Rechnung.
Ich konnte den Text zwar noch lesen, aber nicht mehr weiter bearbeiten.dwer Versuch, die Seite weiter zu bearbeiten, scheiterte kläglich.
Der Text wurde vom Firefox einfach aufgefressen.
Also beginne ich noch einmal von vorne.
Was waren das damals in den 1970er und 80er Jahren doch für wunderschöne Zeiten. Endlich waren wir der Kinderzeit entwachsen, wir hatten superliberale Eltern.
Um unsere Freiheit zu komplettieren, machten wir auch einen Führerschein und dann ging es ab. An den Wochnenden fuhren wir rundum im Kreis, alle Diskotheken wurden abgeklappert und wer sich Sonntag morgens vor drei ins Bett verabschiedete, war entweder ein Weichei oder krank.
Wenige Stunden Schlaf reichten an den meisten Wochenenden, denn wenn irgendwo eine Demo war, dann sind meine Freunde und ich da natürlich auch hingefahren.
Um dann natürlich auf der Demo noch bis zu Ende mitmarschieren zu können, musste man schon den einen oder anderen Joint "durchziehen."
Auf Diskussionsveranstaltungen, allenthalben, konnte man sich mehr oder minder profilieren. Jeder Intellektuelle war mindestens Juso.
Je linker, desto intellektueller.
Die Linkisradikalen erzählten zwar viel Quatsch, aber dieser Blödsinn wurde akzeptiert.
Zur Erinnerung: damals zog sich eine Mauer mit Todesstreifen quer durch Deutschland. Die Leute, östlich dieses "Schutzwalles", hatten aufgrund ideologischer Einschränkungen durch die allmächtige Einheitspartei und des dadurch hervorgerufenen ständigen Materialmangels ein wenig mehr
zu leiden, aber wirklich arm waren sie auch nicht.
Kein Zweifel, Aufbruchstimmung herrschte in beiden deutschen Staaten.
Irgendwie ging es damals ganz romantisch in Deutschland zu.
Diese Romantik wurde natürlich noch angetrieben durch ein neues Bewußtsein und durch neue Bewußtseinszustände, hervorgerufen durch psychodelische Drogen, wie z. B. LSD.
Diese Zustände zu idealisieren halte ich heute für gefährlich.
Viele meiner Freunde sind dadurch, dass sie die neuen ungwohnten Bewußtseinsänderungen voll auskosten wollten, entweder durchgedreht oder sie leben heute gar nicht mehr.
Genauso schizophren ist es, wenn jemand auf der einen Seite ein komplett bürgerliches Leben anstrebt, und auf der anderen Seite bewußtseinserweiternde Drogen- nicht nur still und heimlich konsumiert- sondern ihnen durch Idealisierung noch einen besonderen Status verleiht.
Mit der Vorbereitung auf ein - wie auch immer geartetes - Diplom bereitet man sich zweifelsohne auf ein bürgerliches Leben vor.
In vielen Fällen heißt das, Verzicht auf Emotionen, Weiterkommen auf jeden Fall und um jeden Preis. Dieses Leben fordert natürlich seinen Preis.
Wenn man dann auch noch heiratet, Kinder zeugt, oder als Frau austrägt, und ein "Häuschen im Grünen" baut, dann entwickelt man natürlich Abhängigkeiten und oft muss man sich einfach gegen Andere durchsetzen, ...auch gegen seine eigenen Ansichten....
Und dann ist es natürlich schön -und jetzt fällt der Groschen bei mir erst- wenn der strahlende Papa seinem Kindchen dann erklären kann: "Du, ich war nicht immer so ein angepasstes Arschloch wie heute, in den 1970er habe ich auch mal LSD ausprobiert,,, Das waren Zeiten..."
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren