Mein Wort zum Sonntag: Warum ich die olympischen Spiele ablehne
Mein Wort zum Sonntag: Warum ich die olympischen Spiele ablehne

Mein Wort zum Sonntag: Warum ich die olympischen Spiele ablehne

News Team
Beitrag von News Team

Die olympischen Spiele der Antike (hauptsächlich der Griechen) waren keine "Sportveranstaltung" in unserem heutigen Sinne, sondern ein religiöses Fest zu Ehren des Göttervaters Zeus und des göttlichen Helden Pelops. Und was ist heute daraus geworden?

Neben den Wettkämpfen gab es auch musische Wettbewerbe. Bekannt ist, dass der bei den Griechen beliebte römische Kaiser Nero (er hatte den Griechen die Freiheit gegeben) auch mal einen Lorbeerkranz erwarb, also erster wurde. Nicht der Sport als solcher stand im Mittelpunkt, sondern die religiöse Komponente.

Und vor allem: Zur Zeit der Spiele gab es keinen Krieg.

Olympische Spiele als Völkerverständigung

Das ist heute natürlich anderes. Die olympischen Sommer- und Winterspiele wurden zwar zum Zwecke der Völkerverständigung gegründet, doch Kriege haben sie nicht verhindert, Terrorakte auch nicht. Warum ich dann dagegen bin? Ich will nicht von der allgemein bekannten Korruption sprechen, die wohl erwiesen ist und eine gerechte Zuteilung von Veranstaltungsorten verhindert. Es geht auch ohne - und umgekehrt gibt es jede Menge Korruption jenseits der Spiele. Ich will nicht von den Knebelverträgen sprechen, die es dem IOC ermöglicht zu behaupten: Wir kommen nicht für die Kosten auf, haben aber alle Rechte und kassieren alle Profite und einen nicht unerheblichen Anteil an allen Sponsoren- und Medieneinnahmen. Es ginge auch ohne.

Ich will nicht von der Umweltzerstörung sprechen, die beispielsweise gerade jetzt die Schwarzmeerstadt Sotschi heimsucht. Es ginge auch ohne. Ich will nicht von den ebenso bombastischen wie langfristig nutzlosen Projekten sprechen, die gerade hier wieder sichtbar werden. Die gibt es auch anderswo. Nein, mir geht es um den Geist der olympischen Spiele (und nebenbei um den Geist aller Sport-Wettkämpfe), der unsere Werte und Vorstellungen zwar nicht beeinflusst, aber verstärkt. Denn dieser Geist besteht nun mal nicht darin: Siegen ist nicht wichtig, Hauptsache dabei gewesen. Im Gegenteil: Wer keine Medaillen mitbringt, wird zur Schande des Landes. Das war schon bei den antiken Olympioniken so. Was den Geist dieser Wettbewerbe ausmacht, ist genau das, was uns, die Menschen und die letztenendes die Erde, ruinieren wird.

Der wahre olympische Geist

Nämlich:
(1) Nur wer sich rücksichtslos durchsetzt, wird anerkannt.
(2) Die anderen sind Feinde, bitte keine Zusammenarbeit (außer mit den Mitgliedern der eigenen Mann/Frauenschaft, so vorhanden).
(3) Wenn möglich, steigere den bisherigen Weltrekord, sei noch schneller.

Das sind genau die Qualitäten des modernen Kapitalismus, die sich besonders krass in der Finanzwelt spiegeln und dort besonders gefährlich sind.
Zum Vergleich:
(1A) Nur der Banker, der die Kunden am meisten übers Ohr haut, wird anerkannt.
(2A) Alle anderen sind Feinde, auch die eigenen Kollegen.
(3A) Steigere tunlichst den letztmonatlichen Gewinn, sonst verlierst du deinen Status und Bonus.

Ellbogen contra Zusammenarbeit

Wohin uns diese Einstellung führt, ist allgemein bekannt. Schade, dass in unserer neoliberalen Gesellschaft die Werte von Zusammenarbeit und sozialer Gesinnung unbekannt sind. Ein gesunder Wettbewerb ist wichtig und hat die Evolution vorangebracht. Doch der entscheidende Faktor für den Fortschritt der Menschheit und des Lebens ist die Kooperation. Und die geht dabei verloren.