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Die Welt ist bunt. Danke!

Die Welt ist bunt. Danke!

06.02.2014, 09:13 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Kürzlich hatte ich ein Erlebnis, von dem ich Euch erzählen möchte.

Ich hatte einen Termin bei meiner Frauenärztin. An der Anmeldung wurde ich schon vorgewarnt; "Die Frau Doktor wurde heute schon zu einem Notfall gerufen. Sie müssen deshalb mit einer etwas längeren Wartezeit rechnen."

Im Wartezimmer gings schon lebhaft zu. Durch die längere Wartezeit hatten sich die Damen anscheinend schon
etwas "angefreundet" und man unterhielt sich gut.

Es war schon einige Zeit vergangen, als eine junge Frau dazu kam. Sie grüßte auffallend freundlich und hatte in einem Tragekorb ihr Baby dabei. Sie stellte den Korb ab, brachte ihre Jacke zur Garderobe und setzte sich dann mit ihm auf den freien Stuhl gleich neben der Türe. Dann nahm sie das Kind aus dem Körbchen, setzte es zu sich auf den Schoß, lachte und scherzte mit ihm. Mir viel auf, daß es sich anscheinend um ein sehr fröhliches und zufriedenes Baby handelte.

Auch an unseren Gesprächen beteiligte sich die junge Frau sehr lebhaft und sie konnte dabei so herzlich lachen.
Nach einiger Zeit schlief das Kind auf ihrem Arm ein. Ich stand auf, um mir eine Zeitschrift zu holen und fragte:" Soll ich ihnen auch etwas Lesestoff mitbringen, dann müssen sie mit dem Kind nicht aufstehen?"
Freundlich erwiderte sie: "Das ist sehr nette von ihnen, aber ich kann nicht lesen, ich bin blind."
Es wurde plötzlich ganz still im Zimmer und wir sahen uns betroffen an.
Die junge Frau aber sagte:" Jetzt habe ich sie bestimmt erschreckt, aber ich bin seit meinem siebten Lebensjahr,
nach einem Unfall, erblindet. Ich komme mit dem Leben gut zurecht. Seit der Geburt meiner Tochter ist alles noch viel schöner und abwechslungsreicher geworden. Mir geht es wirklich gut.
Mein Mann hat uns mit dem Auto hergebracht und holt uns auch wieder ab."
Ich sagte ihr, daß man ihre Behinderung überhaupt nicht bemerke und daß ich sie sehr bewundern würde. Alle anwesenden Frauen stimmten mir zu.

Dann erzählte sie uns, daß sie schon viele Jahre hier in Behandlung sei und die Räumlichkeiten dadurch sehr gut kenne. Wenn sie an der Garderobe stehe, spüre sie genau, ob der Stuhl neben der Tür frei sei. Wenn ja, nehme sie immer dort Platz.
Mit der Versorgung des Baby's hätte sie keinerlei Probleme. Wenn sie aber Hilfe bräuchte, wäre ihre Schwiegermutter, die bei der jungen Familie lebt, gerne zur Stelle.
Das alles erzählte sie uns so fröhlich und nett und wir merkten dabei nicht, wie schnell die Zeit verging. Als ich
in den Behandlungsraum gerufen wurde verabschiedete sie sich ganz herzlich von mir.

Seit dieser Begegnung habe ich oft an diese Frau gedacht. Wie sie unglaublich tapfer ihr Schicksal meistert,
wie fröhlich und liebevoll sie mit ihrem Kind umgeht, wie ansteckend sie lachen kann.

Ich denke mir, ich habe wahrlich keinen Grund unzufrieden, oder undankbar zu sein. Ich kann täglich die Welt mit ihren bunten Farben sehen und nehme dieses Geschenk als selbstverständlich hin.

Ganz fest habe ich mir vorgenommen, mich öfter mal "dort oben" zu bedanken.

17 Kommentare

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Danke für diesen wunderbaren Beitrag , ich bin sehr ergriffen .
  • 22.02.2015, 11:05 Uhr
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Liebe Rosi - beim Lesen war ich mitten in diesem Wartezimmer und fühlte mich nach dem Lesen so, als ob ich es selbst erlebt hätte. Begegnungen mit anderen Menschen prägen und erweitern unser Leben! Du hast das Erlebte so klasse geschrieben, sodass ich danach sehr nachdenklich und still war! Danke!!
  • 19.02.2014, 17:29 Uhr
Danke liebe Hildegard
an diese Begegnung denke ich sehr oft, denn diese junge Frau ist mir seitdem ein Vorbild.
  • 19.02.2014, 18:38 Uhr
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Wunderbar und zu Herzen gehend. und von dir schön beschrieben.
Ich wünschte viele der ewig Unzufriedenen würden
dieser Frau begegnen und erkennen wie kleingläubig sie doch sind.
  • 07.02.2014, 03:40 Uhr
Ja Lore, Du siehst das richtig.Aber bei den manchmal Unzufriedenen nehme ich mich nicht aus .Ich bemühe mich zwar, aber es gelingt nicht immer.
  • 07.02.2014, 06:04 Uhr
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Ein wunderbar erzähltes Erlebnis, Rosi! Es ist gut, immer wieder mal an das viele Glück, das einem so selbstverständlich geworden ist, erinnert zu werden.
Ich werde demnächst auch deine anderen Beiträge lesen. Heute ist es leider schon spät.
Liebe Grüße Renate
  • 06.02.2014, 23:17 Uhr
liebe Renate. Es freut mich sehr, daß mein Beitrag zum Nachdenken angeregt hat. Das war auch der Grund meines Beitrages.
Danke, daß Du ihn gelesen hast und liebe Grüße.
  • 07.02.2014, 06:06 Uhr
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Rosi so etwas Positives habe ich schon lange nicht gelesen. Danke
  • 06.02.2014, 18:48 Uhr
Freut mich, liebe Eva, daß Du meine Geschichte so siehst.
  • 06.02.2014, 19:10 Uhr
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Beim Lesen Deiner Geschichte fühlte ich mich (wieder einmal ) direkt so, als wäre ich hautnah dabei!
Sie erinnert mich an einen Tag, den ich beim Blinden- und Sehbehindertenbund hier in München verbracht habe.
Sie machten mich dort "blind" für ein paar Stunden, verbanden mir also die Augen. Drinnen ging das gerade noch so. Ich lernte die Tricks kennen, die Blinden den Alltag erleichtern können. Dann ging es auf die Münchner Straßen...

Ich kann mich bis heute an das mulmige Gefühl erinnern, als mir richtig klar wurde, dass nicht nur ich, sondern auch meine Begleiter ausschließlich auf unsere anderen Sinne angewiesen waren. Keiner konnte sehen!
Überall Verkehr, Lärm und Gefahr... dachte ich. Mit viel Geduld und Humor brachten mich diese lieben Menschen dazu weiterzugehen.
Und dann:
Mitten auf einer Straßenkreuzung begann ich urplötzlich und vorbehaltlos zu Vertrauen ... und es haute mich total um!
  • 06.02.2014, 18:18 Uhr
liebe Barbara, es wäre ganz bestimmt sehr heilsam, wenn wir alle mal so einen "blinden Tag" erleben würden. Ich denke, dann würden wir ganz schnell umdenken und mit unserem Schicksal zufrieden sein.
Ich wünschte, Du hättest die junge Frau selbst kennenlernen dürfen
  • 06.02.2014, 19:03 Uhr
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Liebe Rosi, diese sehr schöne Geschichte erinnert mich an eine Zeit meiner Arbeit im Kindergarten. Da kam ein kleines blindes Mädchen in die Gruppe. sie hörte gleich, dass ich nicht so richtig bayrisch sprach und wollte unbedingt wissen warum. als ich ihr erzählte, dass ich in Rumänien aufgewachsen bin, wollte sie hören, wie die Sprache klingt, und bald schon begrüßte sie mich mit" Bunä ziua", oder rief
" La revedere". Das Mädchen war schon damals eine unglaubliche Bereicherung für die Gruppe. Sie könnte heute die junge Frau sein
  • 06.02.2014, 17:54 Uhr
Liebe Kunigunde, für mich ist diese Frau noch immer etwas ganz besonderes und ich kann die Begegnung mit ihr nicht vergessen.
  • 06.02.2014, 18:57 Uhr
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Liebe Rosi,
was für ein schönes Erlebnis, das Du da aufgeschrieben hast! Es hat mich schon nachdenklich gemacht und mich wieder einmal daran erinnert etwas dankbarer dafür zu sein, dass ich gesund bin.
Viele Grüße, Conny
  • 06.02.2014, 16:38 Uhr
liebe Cornelia, wenn ich einige Menschen zum Nachdenken anregen konnte, habe ich mit meinem Beitrag schon viel erreicht.
  • 06.02.2014, 18:47 Uhr
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Liebe Rosi, solche Dinge sehen wir als selbstverständlich an. Erst durch solche schönen Ereignisse wie bei dir oder andere drastische Ereignisse sehen wir diese Dinge mit andern Augen.
Es sind nicht nur das sehen, auch das hören, sprechen, fühlen ........
Man könnte die Reihe wohl noch sehr lang machen.
Liebe Grüße Renate
  • 06.02.2014, 09:21 Uhr
Danke Renate für Deinen Kommentar.
Wenn man gesund ist, schätzt man das meist sehr wenig.
  • 06.02.2014, 18:40 Uhr
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