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4 Tage Angst

4 Tage Angst

16.02.2014, 21:33 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Seit einiger Zeit hatte Sabine unter der Fusssohle einen braunen Fleck, der sich veraenderte. Er machte ihr ein wenig Angst. Man hoerte so viel ueber Hautkrebs. Sie ueberwandt sich und vereinbarte endlich einen Termin beim Dermatologen, besser gesagt einer Dermatologin.

Es war ein wunderschöner, warmer Maitag. Freitag Nachmittag. Wochenende. Leider hatte sie aber noch um 16.00 Uhr diesen Termin wegen des bloeden Flecks unter ihrer Fußsohle
Es war eine moderne Praxis in einem Einfamilienhaus und machte einen guten Eindruck. Sie musste nicht lange warten. Die Aerztin fragte sie nach ihrem Anliegen. Sie erklaerte ihre Besorgnis ueber den braunen Fleck unter der Fußsohle. Sabine zog ihre Sandaletten aus. Die Aerztin holte sich eine Lupe und schaute diesen Fleck sehr genau an, schuettelte dabei den Kopf. Ihr gefiel das Ganze gar nicht. Sie hatte einen braunen Fleck in so einer Form noch nie gesehen. Sabines Herz fing an zu klopfen. Ein Schwindelgefuehl ueberkam sie. Die Angst kroch in ihr hoch. Die Dermatologin konnte ihr nicht weiterhelfen und verwies sie an die Uniklinik. Sie vereinbarte dort gleich fuer Sabine einen Termin. Wie Sabine aus der Praxis in ihr Auto kam, wusste sie nicht mehr. Sie war vor Angst gelähmt und fix und fertig. Zu Hause angekommen, erzählte sie ihrem Mann von der angeblichen schlimmen Diagnose. Er beruhigte sie erst einmal damit, dass es doch kein endgueltiges Ergebnis sei. Ein langes fuerchterliches, angstvolles Wochenende stand ihr bevor. Die Angst, Hautkrebs zu haben, ließ Sabine nicht mehr los. Sie versuchte sich mit allem moeglichen abzulenken. Sie machten eine Radtour mit Picknick. Aber immer wieder hatte sie nur einen Gedanken, was ist, wenn es Krebs ist? Sie stellte sich Krankheit und Tod vor. 3 lange Naechte ueberlegte Sabine, wie sich ihr Leben veraendern würde. Vor ihrem innerlichen Auge lief ab, von welchen schoenen Dingen sie sich verabschieden sollte. Die Angst beschlich sie staendig. Sabine versuchte sie zu unterdrücken. Bei allem was sie tat, kreisten ihre Gedanken, nur über Krankheit, Verfall und Tod. Ihre liebste Kollegin war vor einem Jahr an Lungenkrebs gestorben.

Es war das laengste und schlimmste Wochende, dass sie je erlebt hatte. Sabine hatte den Montag herbei gesehnt, um endlich Gewissheit zu haben, was es mit diesem elendigen braunen Fleck auf sich hatte. Es war ein grauer, verregneter Morgen. So wie sie sich innerlich fühlte. Um 7 Uhr fuhr sie in die Uniklinik. Der Warteraum war total ueberfuellt, bedrueckend auch diese alten Gemaeuer. Hatten so viele Menschen schlimme Hautkrankheiten? Sabine zog die Nummer 28 und richtete sich auf eine laengere Wartezeit ein, ca zwei Stunden, unendlich lange Stunden. Sie war wie betäubt. Endlich war ihre Nummer dran. Wie eine Schlafwandlerin folgte sie der Assistentin. Sie sollte sich hinlegen und den Fuss freimachen. Ihr Herz klopfte und waehrend sie auf den Arzt wartete, schaute sie den braunen Fleck an. Ohnmacht und Angst beschlich sie. Sollte gleich das Urteil dieser grausamen Krankheit kommen? Der Professor und eine Schar angehender Ärzte kamen in den Untersuchungsraum und begutachteten den Fussfleck mit einer Lupe. Sie hielt vor Angst den Atem an und beobachtete die Mine des Professors. Er schaute zuerst in die Runde der angehenden Aerzte und dann Sabine an, lächelte leicht, weil er die Angst in Sabines Augen sah." Sie brauchen sich nicht zu beunruhigen. Es ist nichts Bösartiges. Es ist ein Naevus, ein Leberfleck. Damit nichts gefaehrliches entsteht, sollten sie ihn entfernen lassen, da die Fußsohle einer Dauerbelastung ausgesetzt ist." Er verabschiedete sich von Sabine und entschwand mit dem ganzen Tross angehender Ärzte und Aerztinnen. Sabine war ganz schwindelig und das Herz klopfte ihr vor Freude bis zum Hals. Die Angst fiel wie ein großer Stein von ihr. Sie hätte jeden umarmen können. Sie ging leicht beschwingt zu ihrem Auto. Es war ein wunderschoener Maitag und jetzt schien auch fuer sie wieder die Sonne. So schön konnte das Leben sein.

© Eva V.

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31 Kommentare

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Danke Inge, ich weiss ja wie schwer Du es hast. LG Eva
  • 05.05.2014, 11:07 Uhr
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Liebe Eva, ich habe deine Geschichte nun 3 mal gelesen, toll geschrieben, eine Situations Angst mit Happy End
  • 25.02.2014, 19:15 Uhr
Peter danke, freut mich sehr
  • 25.02.2014, 19:32 Uhr
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Eine Geschichte, die schöner nicht zeigen könnte, wie unser Gemütszustand mehr von der Interpretation einer Situation geprägt wird, als von der Situation selber (der Leberfleck ist sowohl anfangs da als auch am Ende...der Gefühlsumschwung wird nicht durch eine Änderung der Situation bestimmt, sondern durch die veränderte Sichtweise darauf. De Umschwung der Gefühle wird nachvollziehbar und anschaulich geschildert und ist wohl für jeden nachvollziehbar.
  • 18.02.2014, 00:35 Uhr
Annette danke
  • 18.02.2014, 16:06 Uhr
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Liebe Eva,
Du nimmst die Leser mit in die Situation, er fühlt, was
Du fühlst, teilt Deine Angst.
Klasse!
  • 17.02.2014, 20:18 Uhr
Danke Inga, es macht auch sehr viel Spass. Das war eine sehr schöne Idee mit der Schreibwerkstatt
  • 18.02.2014, 16:06 Uhr
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Danke, Eva, für deine Geschichte. ich konnte mich sehr gut hineinversetzen. Die Zeit, bis es ein endgültiges Resultat gibt, habe ich immer als die Schlimmere angesehen. Hoffen und Bangen liegen so weit auseinander und die Gedanken schwanken zwischen Welten. Erst die Klarheit lässt aktiv werden und handeln. Auch, wenn es ein negatives Ergebnis gibt. Du hast genug Hinweise bekommen. Schreib weiter, ich finde es spannend.
  • 17.02.2014, 19:39 Uhr
Danke, liebe Gisela. Es macht auch sehr viel Spass
  • 18.02.2014, 16:05 Uhr
  • 18.02.2014, 16:29 Uhr
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Eine sehr passende Geschichte zu diesem Thema. Gefällt mir gut..
  • 17.02.2014, 19:16 Uhr
Danke Brigitte
  • 18.02.2014, 16:04 Uhr
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Wieder eine sehr gute Arbeit, Eva. Die Angst sehr realistisch beschrieben. Mir geht es eventuell ebenso, habe einen dunkelbraunen Fleck (ungefähr eine Größe von 1 € Stück ) am Schienbein, die Hausärztin meinte aber nicht gefährlich und er geht wieder allein weg. Leider bis heute noch nicht passiert. Werde wohl doch noch einen Facharzt aufsuchen.
  • 17.02.2014, 16:57 Uhr
Danke lieber Günter. Ich gehe alle 2 Jahre zusammen mit meinem Mann zum Dermatologen. Das ist wichtig, tue es auch.
  • 17.02.2014, 17:43 Uhr
Günther hallo, ich habe auch so einen dunklen Fleck, deshalb war die Geschichte von Eva mit meinem Vornamen schon heftig. Wie lange hast du den Fleck denn schon?
  • 17.02.2014, 18:01 Uhr
Bemerkt habe ich den Fleck, als er ca.1 Cent Größe hatte. Es war irgend wann im Oktober vergangenen Jahres. Durch die Krankheit meiner Frau zur Vorsicht geboten,war ich auch sehr skeptisch . Er wurde immer größer und dunkler, darum bin ich echt erschrocken und hatte das der Ärztin beim Hausbesuch gezeigt. Aber wie gesagt, sie ist der Meinung es ist harmlos und es gibt keine Gefahr. Hoffentlich hat sie recht. Werde demnächst einen Dermatologen konsultieren. muß erst mal sehen wo in meiner Gegend einer praktiziert.
  • 17.02.2014, 18:16 Uhr
Hallo Eva, mit Deinem Beitrag hast Du mir wieder Mut gemacht, werde die Ängste während der Kriegszeit doch noch in Angriff nehmen.
  • 17.02.2014, 18:20 Uhr
Günter, ja es macht auch Spass. Gerade die Kriegserlebnisse sind gute Beispiele. Konnte mit meinem Vater nie so richtig darüber reden. Er hatte ein kleines Tagebuch. Er hat das alles nieder geschrieben. Leider ging es verloren.
  • 17.02.2014, 18:27 Uhr
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Eva, diese Geschichte gefällt mir richtig gut, nix langweiliges, flüssig und spannend zu lesen, einfach gelungen!
  • 17.02.2014, 13:42 Uhr
Danke Sabine
  • 17.02.2014, 17:46 Uhr
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ja Eva ich selbst kenne es aber nur etwas anders da selbst noch nicht alles weis
was mit mir wird aber habe auch einen punkt wo nur was es ist werden mir denke ich die Ärzte erst im März sagen können
wenn du mehr wissen möchtest schreibe ich des dir mal per PN
  • 17.02.2014, 13:42 Uhr
Horst, ja wenn Du magst, gerne
  • 17.02.2014, 17:47 Uhr
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Hallo Eva, mir gefällt die Geschichte sehr gut. Die Angst ist gut beschrieben und alles löst sich im Guten auf. Gut nachvollziehbar.
  • 17.02.2014, 08:58 Uhr
Danke Maddin
  • 17.02.2014, 13:30 Uhr
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