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Höchst friedliches Gucken

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Deutschland feiert die WM


Höchst friedliches Gucken. Das allein ist doch schon was wert. Die Fußball-Weltmeisterschaft (der Männer, wohlgemerkt) ist immer eine mediale Feierzeit, Party Party Party.

Und besonders schön ist Public Viewing. Etwa beim Wirt im Saal. Noch schöner im Biergarten, oder beim Kiosk am Badesee ein paar Kilometer weit weg. Am Flussufer, auf dem Marktplatz. Das sind schon Straßen- und Bürgerfeste. Super! Alles guckt, alle haben es nett. Alle freuen sich mit oder sperren sich zu Hause ein. Aber die nicht mitspielen, sind hoffnungslos in Unterzahl.

Es gibt auch kleinere, private Ableger des Public Viewing: Zwei Familien im Viertel haben in ihren Gärten bereits Großleinwände errichtet, einer einen Riesenbildschirm, und da können dann Freunde und Nachbarn kommen und gucken. Ist doch nett. Der Beamer des einen ist auf seinem Balkon aufgestellt, ist ein Kasten, riesengroß, wie ein Kinoprojektor, und die Leinwand geht entlang des Gartenzauns und ist so lang wie das Grundstück selbst. Nächtens huschen die von der Leinwand gespiegelten Lichtreflexe jetzt über den Reihenhäuserriegel, dass auch alle eine Freude daran haben. Macht nichts, die feiern ja alle mit.

Was ich auch besonders nett finde: Bei uns im Ort gibt es einen Pizzastand, wenn man da warten muss, bis die Funghi, Cappricciosa, Parma, Frutti di Mare fertig ist, kann man die Dekoration bewundern: Der Imbisswagen hat nämlich geflaggt, links schwarz-rot-gold, und rechts schön optimistisch gelb-grün mit dem schönen blauen Planeten im Zentrum die Farben des WM-Gastgeberlands Brasilien.

Wir haben uns die Fußballweltmeisterschaft seit der WM 2006 im eigenen Land schwarz-rot-vergoldet. Seither ist der Umgang mit den Nationalfarben fröhlich und lustig und nicht mehr so von der sonstigen politischen Verbissenheit als logische Folge des Zweiten Weltkriegs geprägt. Wir können jetzt auch ausgelassen feiern in Schwarz-Rot-Gold. Schminke, Sticker, abwaschbare Tattoos in Schwarz-Rot-Gold. Schirmmützen, T-Shirts, Fähnchen, Tröten. Der Baumarkt oder der Getränkemarkt haben das Nötige vorrätig. Wenn sich die Schweizer aus Jux einen Käse aufsetzen, dann wir einen Bierkrug. Ein bisschen Spaß muss kann darf sein. Trööt!

Geschäft muss kann darf natürlich auch sein. Nicht das Geschäft der FIFA und ihrer Partner, die alle Gewinne abziehen und wogegen in Brasilien im Vorfeld der WM ja heftig protestiert worden ist. Die Demonstranten in den Städten Brasiliens bemängeln, dass das eigene Land so viel in die WM investiert, so wenig in die Bildung und Armutsbekämpfung. Einige Sendungen und Artikel setzen sich durchaus kritisch damit auseinander, berichten aus dem Land. Denn aus Brasilien kann man, anders als aus Russland zur Olympiazeit, immerhin berichten. Aber die Proteste wie die journalistischen Hintergrundberichte scheinen während der Spiele doch zu verstummen, oder sie finden sich in Splittern in der Viertelstunde Nachrichten während der Halbzeitpause. Das störte sonst wohl auch beim Feiern.

Es ist auch ein ganz netter kommerzieller Wirbel und Markt um die WM herum. Es müssen fürs Fernsehenschauen doch auch unbedingt Leckereien eingekauft werden. Vielleicht fallen sie nicht so ausgeklügelt aus wie in den Magazinen, wo Schalen und Platten mit Snacks höchst aufwendig mit Fußballdekor versehen, als Spielfelder in Rasenoptik versehen werden. Wichtig sind irre Mengen an Getränken, vor allem schon Bier. Es gibt derzeit Spezialgläser mit WM-Aufdruck, da stößt es sich schöner mit an. Oder mit Cola-Extradosen für jeden Nationalspieler. So kann man seinen bevozugten Helden in kleinen zuckrigen Schlucken sich selbst einverleiben. Im Supermarkt gibt es stapelweise Jumbochipstüten. Die Nougatcreme kommt mit einem Überzug für den Autospiegel in den Nationalfarben. Da die andere Seite auch einen solchen Überzug, schlimmerweise auch manchmal Spiegelkondom genannt, braucht, wird halt am besten noch ein weiteres Glas Nougatcreme gekauft, die hält dann bis Weihnachten. Bei jedem Löffel oder Messerstrich kann man sich dann freuen: Wie schön war es doch im Sommer bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien!

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