Waren frühere Fußball-Weltmeisterschaften anders?
Waren frühere Fußball-Weltmeisterschaften anders?Foto-Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=Uy31pdfntUw

Waren frühere Fußball-Weltmeisterschaften anders?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Mein erstes WM-Finale fand statt, als ich noch gar nicht geboren war. 1954. Da mein Vater mit Herz und Seele Fußballer war, aktiv und vor dem TV, habe ich das Wunder von Bern kennengelernt, lange bevor es dann kongenial verfilmt wurde.

Was für ein Finale und was für ein Siege, was für eine Begeisterung!


Dann kamen die Weltmeisterschaften in England mit dem Tor in Wembley, Kaiser Franz, Gerd Müller, Paul Breitner & Co., Mexico und viele Jahre, in denen zumindest das deutsche Fußballherz bei Europa- und Weltmeisterschaften blutete. Mit Klinsi und dem Weltmeister der Herzen ging es wieder nach oben. Und jetzt? 2014?

Irgendwas ist anders.


Das fand auch ein Freund, der - als Mann - natürlich noch mehr von Fußball versteht. Der Fußball sei, sagt er, athletischer geworden, die Spieler seien viel durchtrainierter, die Strategien ausgefeilter. Das Wichtigste aber sei: die Globalisierung mit dem Spieler-, Trainer- und dem daraus resultierenden Know-how-Transfer. Per Mertesacker habe es treffend pointiert: Unter den letzten 16 gibt es keine "Karnevalstruppe". Die Folge: Weltfußball heute bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau, so hoch, dass auch die großen Fußballnationen früh ausscheiden und kein Anrecht darauf haben, ganz vorne mitzuspielen.

Hat er damit recht?


Mir ist noch etwas anderes aufgefallen. Es war unübersehbar. Ich spreche von der Beißattacke gegen einen italienischen Spieler und davon, dass keinerlei Reue, gar Einsicht seitens des Chilenen zu erkennen war. Weder im Spiel noch danach. Im Gegenteil. Es gab viele hochrangige Stimmen, die den Täter und seine Tat in Schutz nahmen, bagatellisierten, andere beschuldigten.

Dieses Fehlen von Reue und einem echten, ehrlichen "Sorry" für ein Foul ist mir des öfteren aufgefallen. Ein Schiedsrichter rügt, zieht Gelb und der Kritisierte protestiert, selbst wenn er - wie die Zeitlupe beweist - eindeutig gegen die Regeln verstoßen hat.

Früher zeigten Spieler in aller Regel Reue, ein Nicken, das Haupt wurde gesenkt, eine Verbeugung angedeutet.

Fehlende Reue auf dem Fußballplatz - ein Spiegel unserer Gesellschaft?


Rüpeleien und Verfehlungen ohne Entschuldigung prüfen zunehmend unseren Alltag. Das Klima ist auch in Deutschland rauher geworden. Eine Entwicklung, die nicht gut tut. Weder dem Einzelnen noch allen.

Unrechtsbewusstsein ist, wie ich finde, eine Tugend, egal wie hoch der Leistungsdruck und Wettbewerb ist. Gerade dann sollte diese Tugend hoch gehalten werden. Von jedem Einzelnen, auch auf dem Fußballplatz, auch am Rande des Turniers. So könnte König Fußball (wieder) Vorbildfunktion gewinnen. Und nicht nur über Tore und Siege begeistern, sondern durch ehrenhaftes Verhalten.