Braune Augen
Braune AugenFoto-Quelle: Gisela Peter / www.pixelio.de

Maria

Beitrag von wize.life-Nutzer

Fast täglich, begegnen uns Menschen, Menschen mit denen wir einen oberflächlichen Dialog führen. Aber, es gibt auch Menschen, die faszinieren, uns zuhören, uns begeistern, und für immer in unseren Herzen bleiben.
Im Winter 2012, traf ich auf eine junge Frau, sie hieß Maria, war 19 Jahre jung, ich begegnete ihr zum ersten Mal, in einem Warte Raum der onkologischen Abteilung in einer Klinik. Ihre jugendliche Art, ihr Verständnis, und besonders, wie sie ihre eigene, schwere Erkrankung annahm, berührte mich. Schnell kamen wir ins Gespräch, sie erzählte mir von einem Gehirntumor. Sie erzählte mir von ihrer Mama, sie verstarb, als Maria 11 Jahre alt war, ihren Papa hatte sie nie kennengelernt. Sie kramte in ihrer überdimensionalen Handtasche, und zeigte mir ein Foto, als sie 16 war. Ein bildhübsches Mädchen, mit strahlenden braunen Augen, und langem schwarzem Haar.
Es war nicht zu übersehen, dass diese Krankheit ihren Körper in Besitz genommen hatte.
Ich traf Maria jede Woche, in der Klinik. Unsere Gespräche wurden vertrauter, schließlich tauschten wir unsere Handynummern aus.
Irgendwann, zeigte sie mir ihre kleine Porzellan Spieluhr, ihre Mama hatte sie ihr, als sie 11 Jahre alt war, von einem Irland Besuch mitgebracht. Der Klang der Spieluhr, war wunderschön…..The Land of Dreams, ein altes irisches Volkslied. Das einzige Andenken, an ihre Mama, welches sie noch besaß.
Die Monate vergingen viel zu schnell, aus einer zufälligen Begegnung, wurde eine tiefe, vertraute Verbundenheit.
Anfang November, konnte ich Maria auf ihrem Handy nicht mehr erreichen, auch in der Klinik, traf ich sie nicht mehr.
Schließlich, begab ich mich zu ihrer Ärztin, sie hatte Maria, mehr als zwei Jahre lang begleitet, durch den langen Weg, ihrer Erkrankung.
Maria lebte nicht mehr, sie verstarb im Oktober. Aber warten sie mal, rief mir ihre Ärztin hinterher, ich habe hier etwas für sie. Sie übergab mir die kleine Spieluhr, die Maria über viele Jahre begleitete, ihr Kraft und Halt gab. Es war Marias Wunsch, dass ich diese Spieluhr als Andenken erhalte.
Ich fühlte mich in diesem Moment, als wäre mein eigenes Kind gestorben, und ich fühlte große Dankbarkeit, dass ich diesen jungen, wunderbaren Menschen kennenlernen durfte.
Die schöne Spieluhr, hat einen Platz in unserer Vitrine, Marias persönliche Worte, geschrieben, auf einem kleinen Zettel, trage ich für immer bei mir.
Nie vorher, habe ich so einen gesamtschönen Menschen getroffen, wie Maria, sie leuchtete von innen und von außen.
Eine Begegnung, die für mich mehr war, als ein kurzes aufflackern einer Kerze.

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