60 Lichter

Beitrag von wize.life-Nutzer

60 Lichter


Das Klingeln des Telefons reißt mich aus meinem Traum. Gerade in dem Moment, in dem ich die letzte Leine gelöst habe um dem Wind zu folgen ohne zu fragen, wohin er mein Boot wehen wird………………

Die erste Gratulation an meinem Geburtstag. „Ja natürlich,………. toll dass Du angerufen hast………….. Klar ich freue mich riesig……………. Ein schöner Tag. …………….Danke für Deine guten Wünsche…………“


Ich sitze am Kopfende der langen Tafel an der alle versammelt sind, die mir lieb und teuer sind. Alle habe ich eingeladen, die Kinder und deren Partner, die Enkelkinder, die Freunde und auch einige Nachbarn….eben die Menschen, die mir am Herzen liegen. Alle sind sie gekommen, alle die, die schon Monate und Tage im Voraus immer wieder gemahnt haben, diesen wichtigen Tag nicht aus den Augen zu verlieren.
Hinten auf dem Tisch mit den vielen Geschenken steht ein Rosenstrauß….60 Rosen, in allen Farben, bunt wie mein Leben. Er ist von meinen Kindern….Darunter liegen viele wohlverpackte Geschenke, hübsch an zu sehen, die vielen kleinen „60“en…..wenn sie nicht gerade mich betreffen würden, wenn sie nicht allesamt eine Anspielung auf mein Alter wären……60……..
In der Mitte der Kaffeetafel eine richtig schöne Geburtstagstorte. Ja das muss man der Torte lassen, sie ist schön…..aber auf ihr brennen 60 Kerzen. Meine 60 Geburtstagskerzen. Und ich, die ich Kerzen und deren Schein so sehr mag, ich kann gar nicht hinsehen. Mir wird heiß und kalt und ich frage mich ganz entsetzt….Was mache ich hier inmitten dieser Menschen? Warum habe ich mich dazu nötigen lassen diese Feier aus zu richten? Für wen tu ich das?
Schon Monate denke ich mit gemischten Gefühlen an diesen Tag. Schon Wochen habe ich Angst genau vor diesem Tag. 60 Jahre. Schon Tage wünsche ich mich ganz weit weg. Schon Nächte träume ich davon die Leinen los zu machen und mein Boot dem Wind zu überlassen, um zu sehen, wohin er mich wehen wird.
Die 60 Lichter verschwimmen vor meinen Augen zu einem einzigen hellen Schein. Tränen…………….

Langsam stehe ich auf. Wortlos drehe ich mich um und laufe ganz langsam hinunter zum See. Hinter meinem Rücken wird das Stimmengewirr immer leiser.
Auf meinem Boot angekommen löse ich die Leinen und lasse mich hinaustreiben auf den stillen See. Aus der Kabine hole ich eine Kerze. Im warmen Schein der untergehenden Sonne sitze ich still bei einem Glas Wein und denke über die 60 Lichter zu meinem Ehrentag nach.
Kein Lüftchen weht, dass meinem Boot eine Richtung weisen will.