Eine Geschichte vom Schuhschrank

Beitrag von wize.life-Nutzer

Damit der Schuhbesitz der Familie ordentlich untergebracht werden konnte hat der Hausherr, in der großen Diele im Eingangsbereich der Wohnung, einen Schuhschrank aufgebaut. Im Handel waren nur sehr kleine Schuhregale zu finden, und so hat er sich entschlossen selbst für Abhilfe zu sorgen. Deshalb plante er einen Schuhschrank in den Abmessungen 2,40m x2,40m x 0,40 tief, so wie es der Platz in der Diele erlaubte, vom Fußboden bis unter die Zimmerdecke aufzubauen. Unser Hausherr war handwerklich sehr geschickt und begabt, und das Material war auf dem Baumarkt problemlos leicht zu beschaffen.
Entsprechend seinen Vorstellungen wurde dann sofort die Aufgabe in Angriff genommen. Die Bretter wurden bestellt, gehobelt und nach seinen Angaben im Baumarkt zugeschnitten. Damit war es für den Heimwerker keine Schwierigkeit mehr, die einzelnen Schrankteile fachgerecht aufzubauen, Endlich konnten die vielen Schuhe der Familie problemlos verstaut werden.
Im ersten Drittel des Schuhschrankes waren vier Fächer mit einer Höhe von 60cm eingeteilt, dort sollten die etwas sperrigen Stiefel und größeren Schuhe abgelegt werden. In den restlichen 1,60m wurden 8 Regalreihen mit einer Höhe von 30cm eingerichtet. Die zwei untersten Reihen waren anfangs für die Kinderschuhe vorgesehen. Zwei weitere Reihen konnte der Schrankerbauer für sich reservieren ,und die übrigen vier Regalreihen in der oberen Schrankhälfte mußten der Damenabteilung zugeordnet werden. Naja, in der Familie gab es dazu keine Diskussion, denn die Menge der Schuhe waren ausschlaggebend für den Platzbedarf, der einzelnen Familienmitglieder. Zu dieser Zeit war das Platzangebot in Ordnung und reichte im Großen und Ganzen aus.
Im linken 4 Fächerteil des Schrankes wurden vor allem die Stiefel mit unterschiedlichen Schafthöhen in den Fächern untergebracht. In einem Fach 2 Kisten mit Bürsten, Lappen, Spray und Schuhcreme. Auch die Gästehausschuhe fanden hier ihren Platz.
Der Hausherr hatte zwei Paar robuste Winterstiefel, einmal mit Reißverschluß und einmal mit Schnürung. Da noch etwas Platz war konnten die wetterfesten Trekkingstiefel und die wasserabweisenden Schnürschuh und Freizeitstiefel mit untergebracht werden. Die beiden Fächer für die Damenstiefel sahen da schon etwas anders aus. Zu sehen waren sehr elegante Lederstiefel in verschiedenen Farbtönen mit unterschiedlichen Absatz- und Schafthöhen. Auch mit Lammfell oder Schurwolle gefüttert, welche mit Reißverschluß und andere mit Schnallenapplikation und anderes mehr. So ähnlich sah es auch im großen Schrankteil aus.
Im Laufe der Jahre ergab sich , als die Kinder aus dem Haus waren, das die Kinderabteilung von den Damenschuhen stillschweigend mit belegt wurde.
Der Schrankerbauer hatte in seinen zwei Regalreihen bequem Platz seinen Schuhbesitz unterzubringen. Neben den schicken Lederhalbschuhen zum Schnüren und mit Klettverschluß in braun und schwarz, lagen auch geordnet die sportlich eleganten Slipper in verschiedenen Farben, dazu weiter Mokassins und Klettslipper in Nappaleder. In der zweiten Reihe waren vor allem tolle Freizeitschuhe, Trachtenschuhe, die Hausschuhe, Pantoffeln und Badeschuhe abgelegt. Auch fanden für die Wanderungen noch die bequemen Outdoorschuhe mit gepolsterten Rand und ein Paar wetterfeste Wanderschuhe mit einer starken Kunststoffsohle, um eine gute Trittsicherheit beim Wandern zu haben.
Das Platzangebot in der Damenabteilung war doch schon etwas beängstigend und ständig überfüllt. Eine ganze Reihe war mit Lederpumps in allen möglichen Farben, mit unterschiedlichen Absätzen, mit Korkoptik, in Velourlederimitat untergebracht, so das die Lederspangenpumps bereits in die nächste Reihe mußten. Dort befanden sich schon die modischen Mokassins, die Slipper mit Applikationen und den sportlichen und leichten Freizeitschuhen. Die dritte Reihe war fast immer überfüllt mit eleganten klassischen Freizeitstiefeln, mit Stiefeletten verschiedener Art als Schnür-oder Klettstiefelette, mit Reißverschluß , verschiedenen Absatzhöhen und Applikationen., so das die vierte Reihe noch dazu gebraucht wurde. Hier war aber bereits schon eine Überfüllung mit Sandaletten, Pantoletten, Ballerinen jeglicher Art, Clogs, Sport- und Hausschuhen sowie ein paar Lederschnürschuhen angesagt.
Nun in diesem Jahr war mittlerweile die Zeit des Übergangs vom Sommer zum Herbst gekommen und etliche Sommerschuhe mußten nun wieder untergebracht und mit festem Schuhwerk ausgetauscht werden. Austausch ist gut, aber wenn man die Sprache der eingelagerten Schuhe verstehen würde, dann könnte man ihre Ängste und Panikzustände schon verstehen, denn meißt wurden es in jedem Jahr bei den Jahreswechseln immer mehr Schuhe. Deshalb mußte die ehemalige Kinderabteilung voll und ganz für den Damenbereich mit genutzt werden. Damit keine Schuhe in den Reihen doppelt und übereinander gelagert werden mußten. Auch auf dem Hausboden in einem alten großen Schrank wäre durchaus noch etwas Platz Schuhe unter zubringen. Dort lagerten schon lieb gewonnene Schuhe aus früheren Zeiten, auch die schwarzen Samtschuhe der Braut von der Hochzeit .Ein Andenken waren auch die herrlichen , dreimal randgenähten Kreppschuhe der fünfziger Jahre.
Die Moral von der Geschichte ist, : endlich sollten sich er und sie ein Herz fassen und alles was tatsächlich modisch unmodern und unansehnlich ist aussortieren und entsorgen. Viele Hilfsorganisationen wären über noch gute tragbare Schuhe dankbar, um notleidenden Menschen zu helfen.


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