Frühschoppen oder früh shoppen

Beitrag von wize.life-Nutzer

Der Unterschied zwischen Frauen und Männern ist unter anderem auch an den unterschiedlichen Lieblingsbeschäftigungen der Geschlechter erkennbar. Nehmen wir einmal die Herren: Sie lieben ihren Frühschoppen. Meistens am Sonntagvormittag, in einer reinen Männerrunde. Da können die Herren der Schöpfung in Ruhe über Politik, Fußball, Sport im Großen und Ganzen, Frauen, Wetter oder andere Katastrophen diskutieren. Oder auch mal Dampf ablassen oder einfach nur schweigend da sitzen. Männer können das, sie verstehen sich auch ohne Worte. Die Bedienung der Stammkneipe kennt ohnehin die bevorzugten Biersorten ihrer Stammgäste und schenkt nach, wenn sich ein Glas zu leeren droht. Das ist Frühschoppen. Ganz anders bei den Frauen: „früh shoppen“ ist da die Devise. Was bedeutet, dass nach endlosen Telefonaten mit der Lieblingsfreundin endlich Uhrzeit und Treffpunkt vereinbart werden, um auf Schnäppchenjagd zu gehen. Vorzugsweise am Samstag Vormittag.
Zuerst wird bei einem Latte oder einem Capuccino die Shopping-Route festgelegt. Wo gibt es die neuesten Trends? Wer hat die coolsten Klamotten? Dann geht es endlich los. In bequemen Schuhen, versteht sich, denn es wird ein langer Tag... So geht es von einem Geschäft in das nächste, Kleiderständer werden inspiziert, Umkleidekabinen bevölkert, es wird an- und um- und ausgezogen. Kräfteraubend und nervenzehrend! Die beste Freundin schleppt einen Arm voll Kleider nach dem anderen zur Umkleide und zurück. Frustattacken sind bei solchen Unterfangen an der Tagesordnung, wenn die ausgewählte Hose in Größe 38 nicht passt. Das liegt nicht etwa daran, dass ein paar Kilo mehr als beim letzten mal shoppen gehen, sondern daran, dass die Hersteller einfach unmöglich zuschneiden. Dann endlich kommt der Höhepunkt des Tages: Schuhgeschäfte... Auch wenn man kein passendes Kleidungsstück gefunden hat, weil erst noch ein paar Pfunde purzeln müssen: Schuhe passen immer! Das ist sehr tröstlich. Schuhe sind das reinste Heilmittel, sie helfen gegen Frust, Ärger, Liebeskummer, schlechte Laune und viele andere Unbillen des Lebens. Eigentlich müssten sie von den Krankenkassen bezahlt werden, denn sie sind auch gut gegen Herzschmerzen und Depressionen. Möglicherweise ist der Himmel für Frauen und Männer getrennt. Für Frauen besteht er wahrscheinlich aus einer endlos langen Shoppingmeile mit vielen, vielen Schuhgeschäften.

(c) Inga Scheer-Ruhland