Mini in Aktion
Mini in AktionFoto-Quelle: copy. U.M.K.

Tierische Schuhgeschichte

Beitrag von wize.life-Nutzer

Bei dem Reizwort Schuhe, kam mir spontan der Gedanke: „NEIN!“
Mehr war da nicht. Es gibt nur wenige Gegenstände in meinem Haushalt, die mir so gleichgültig sind wie Schuhe. Vielleicht noch die Geflügelschere in meinem Besteckkasten, die ein nutzloses Dasein führt, weil ich schon seit Jahren kein Geflügel mehr esse.
Ja sicher, ich besitze auch Schuhe, notgedrungen. Wo kann man denn bei uns noch barfuß gehen? Im Sommer auf den asphaltierten Straßen oder Fußwegen? Das kann unter Umständen sehr heiss für die Fußsohlen werden, sollte der Sommer einmal halten, was er verspricht. Davon abgesehen besteht die Gefahr versehentlich in einen Kaugummi zu treten, oder noch schlimmer, in Spucke. Es gibt tatsächlich noch immer Männer, die sich so unappetitlich Erleichterung verschaffen.
Natürlich wären da noch die Wiesen, hier auf dem Land, die zum barfuß gehen einladen. Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl von kühlem Gras an den Füßen. Aber was erwartet uns heute dort – Hundekot, Jauche und noch viel schlimmer Zecken, die nur darauf warten einen geeigneten Wirt anfallen zu können.
Den Winter will ich nur am Rande erwähnen. Die Jahreszeit, in der ich meine Füße in gefütterte Stiefel zwänge, die innerhalb von Gebäuden grundsätzlich zu warm und im Freien selten warm genug sind.
Während ich noch über dem Thema Schuhe grüble, sehe ich wie sich meine Katze Mini bemüht meine Hausschuhe zu beziehen. Sie schafft es nicht ganz. Obwohl sie so klein ist, verschwindet nur ihr Kopf in meinen Schlappen. Im Gegensatz zu mir liebt Mini Schuhe. Sie nutzt jede Gelegenheit herum stehende Schuhe für sich zu erobern und wehe sie werden gebraucht, da kann es schon mal vorkommen, dass Mini das mit ausgefahrenen Krallen zu verhindern sucht.

Hätte ich nicht vor vielen Jahren einmal einen Hund zu meiner Familie zählen dürfen, würde hier meine Schuhgeschichte abrupt enden. Aber es gab ihn, Bobby, ein Basset, mit langen Ohren und ausgeprägtem Familiensinn. Er kam zu uns, als er ein Jahr alt war. Der Vorbesitzer hatte mir vorenthalten, dass Bobby nicht gerne alleine in der Wohnung bleibt. Die Folge war, dass er herzzerreißend zu heulen begann, sobald er alleine in der Wohnung war. Mein Schwager, der die Wohnung unter uns bewohnte, beklagte sich jedes Mal. Das ging eine Zeit lang so weiter, bis er uns berichtete, dass der Hund an einem Abend, nach anfänglichem Geheule, plötzlich still war. Wir konnten uns den Wandel anfangs nicht erklären, bis wir auf dem Schlafplatz von Bobby, unter seiner Decke unsere Hausschuhe fanden. Offensichtlich hatte er Trost bei den Hausschuhen gefunden, die nach Herrchen u. Frauchen rochen. Nun ja, Hunde haben seltsame Vorlieben für exotische Düfte.
Danach war es selbstverständlich geworden, dass wir vor dem Weggehen unsere Hausschuhe an den Platz von Bobby stellten. Er hat zum Glück niemals an den Schuhen geknabbert, wie manche Hunde das gerne gegen die Langeweile tun.
In dieser Zeit bekamen wir Besuch von meinen Eltern. Bobby war begeistert, weil er von nun an noch zwei Personen mehr beanspruchen konnte.
Nach einem schönen Abend in einem gemütlichen Lokal, in das wir meine Eltern zum Essen ausgeführt hatten, kamen wir nach Hause und meine Eltern suchten vergeblich nach ihren Pantoffeln. Es war unglaublich. Bobby hatte sich auf seinen Schlafplatz Gesellschaft geholt. Jeweils ein Hausschuh von meinen Eltern und von uns lagen unter seiner Decke. Für ihn gehörten wohl meine Eltern nun endgültig zur Familie.
Mir graut schon vor dem Tag, an dem ein Schuhkauf wieder einmal unvermeidlich wird. Meine Füße werden anscheinend jedes Jahr breiter und mir bleibt nur noch der Weg in ein Geschäft mit orthopädischen Schuhen. Sündhaft teuer und nur bedingt schön. Ich werde wohl nie die Glücksgefühle verstehen, die bei manchen Frauen durch Schuhkauf hervor gerufen werden.
@ Ursula M. K.