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Da geht es ja ganz schön tief runter! VdK-Mitglied Thomas Fischer kurz vor s ...

Tarzan im Rolli – Neuer Waldseilpark macht’s möglich

Von Sozialverband VdK Bayern e.V. - Mittwoch, 29.04.2015 - 09:15 Uhr

Auch Gehbehinderte wollen Abenteuer erleben. In Rummelsberg können Rollstuhlfahrer sich von Baum zu Baum schwingen

Sich von Baum zu Baum schwingen und wie Tarzan fühlen – davon konnten Rollstuhlfahrer bislang nur träumen. Im Waldseilpark Rummelsberg bei Nürnberg können Rollifahrer seit einem Jahr einen eigenen Parcours erleben. Das einzigartige Angebot für Gehbehinderte wurde als inklusives Vorzeigeprojekt mit dem Bayerischen Miteinander-Preis 2014 ausgezeichnet. VdK-Mitglied Thomas Fischer hat den Waldseilpark für die VdK-Zeitung getestet.

Thomas Fischer parkt seinen Pkw auf dem Gelände der Rummelsberger Diakonie. Hier befindet sich seit Mai 2014 der bayernweit erste Waldseilpark, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Ob sich das Erlebnis lohnt, will der 44-Jährige aus Hersbruck heute ausprobieren. Er stemmt sich gekonnt vom Autositz aus hinein in den Rollstuhl, den er neben die Fahrertür gestellt hat.

Am Eingang des Rummelsberger Waldseilparks wartet bereits Sebastian Völklein. Er ist hier der Betriebsleiter, arbeitet aber in erster Linie als Erlebnispädagoge. „Teilnehmer mit Behinderung werden bei uns immer von einem Übungsleiter betreut“, erklärt der 30-Jährige. Der inklusive Waldseilpark, eine Initiative der Rummelsberger Diakonie und der Integrationsfirma Panini gGmbH in Nürnberg, spricht nicht nur Erwachsene an, sondern ist auch auf Kinder mit und ohne Behinderung eingestellt.

Als Nervenkitzel inmitten wunderschöner Natur wird die neue Attraktion auf der Webseite beworben. Keine Übertreibung, denn das Areal ist wirklich beeindruckend: Zwischen mächtigen Buchen und Fichten spannen sich Drahtseile in bis zu 15 Metern Höhe. Auch Holzstege und Hängebrücken führen von Stamm zu Stamm. Auf Plattformen können sich die Freizeitsportler um die Stämme herum bewegen. Doch nicht für das Naturschauspiel, sondern dafür, dass hier Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam am Freizeiterlebnis teilhaben, wurde das mittelfränkische Projekt mit dem Bayerischen Miteinander-Preis 2014 ausgezeichnet.

Fünfmal Nervenkitzel

Der Parcours für Rollstuhlfahrer bietet insgesamt fünf Stationen. Bevor es losgeht, muss Thomas Fischer in die Ausrüstung schlüpfen. Der Sicherheitsgurt mit den vielen Karabinerhaken könnte ebenso gut zu einer filmreifen Berg-Expedition gehören. Thomas Fischer schnallt sich den Gurt um. Damit sind nicht nur Brust, Bauch und Beine befestigt, sondern auch der Rollstuhl. Sebastian Völklein erklärt, wie man sich mit den Karabinern an den daumendicken Stahlseilen sichert: „Wir haben ein Konzept mit zwei Haken, das es praktisch unmöglich macht, sich versehentlich auszuhängen. Denn nur, solange ein Haken noch am vorherigen Seil eingehängt ist, öffnet sich der andere, mit dem man sich im nächsten Seilstück einklinken kann.“ So arbeiten sich die Besucher mit beiden Karabinern Stück für Stück vorwärts.

Thomas Fischer übt konzentriert und lässt die Haken schnell auf- und zuschnappen. „Das klappt ja schon ganz gut“, findet er. Doch auch wenn die Kniffe ein paar Minuten später in Fleisch und Blut übergegangen sind – beim ersten Höhenflug muss Thomas Fischer all seinen Mut zusammennehmen. Er blickt nach unten. Der Waldboden liegt mehr als fünf Meter unter ihm. Bis zum Landesteg am gegenüberliegenden Baum sind 30 Meter ohne sicheren Boden unter den Rädern zu überwinden. Der 44-Jährige bewegt sich langsam auf den Holzplanken vorwärts, atmet tief durch – und rollt über die Kante.

Am elastischen Stahlseil gleitet er schwungvoll durch die Luft. Während des Flugs dreht sich jedoch sein Rollstuhl leicht und kommt – schwupps – ungeplant seitlich auf dem Holzsteg an. Der Rolli kippelt leicht. Sebastian Völklein ist sofort zur Stelle und hält ihn fest. „Das Schwierigkeitslevel ist mit einer Querschnittlähmung viel höher. Denn Fußgänger können die Balance mit dem gesamten Bewegungsapparat halten“, erklärt der Pädagoge. Der sperrige Rollstuhl macht die Übungen nicht leichter. „Vielleicht sollten wir einige Rollstühle zum Verleih anbieten, damit Fußgänger den Flug mal anders erleben können“, lacht Völklein. Mit jeder weiteren Plattform wächst Thomas Fischers Erfahrung – und sein Selbstvertrauen. Als einen „Adrenalinschub, der Spaß macht“ beschreibt er sein erstes Tarzan-Abenteuer. (Elisabeth Antritter)

Info

Der Waldseilpark Rummelsberg (Rummelsberg 61, 90592 Schwarzenbruck) ist vom 27. März bis 1. November geöffnet. Besuchern steht das Angebot von Dienstag bis Freitag, 12 bis 19 Uhr, sowie am Samstag, Sonntag, Feiertag und in den Ferien jeweils von 10 bis 19 Uhr zur Verfügung. Erwachsene mit Behinderung (Schwerbehindertenausweis notwendig) zahlen 17 Euro Eintritt, Erwachsene ohne Behinderung 19 Euro. Rollstuhlfahrer zahlen 5 Euro, um Anmeldung unter Telefon (0171) 35 72 275 wird gebeten. Kinder von 6 bis 8 Jahren zahlen 9 Euro, von 9 bis 11 Jahren sind es 14 Euro und von 12 bis 17 Jahren 17 Euro.

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