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BAUERNREGELN: Warum Vögel das WETTER ziemlich gut vorhersagen

News Team
Beitrag von News Team

Bauernregeln zum Thema Wetter gibt es unzählige. Eine der geläufigsten ist: "Siehst du die Schwalben niedrig fliegen, wirst du Regenwetter kriegen. Fliegen die Schwalben in den Höh'n, kommt ein Wetter, das ist schön." Weniger bekannt ist, dass viele dieser Eselsbrücken weit mehr sind als bloße Sprüche. Sie können häufig tatsächlich als Wettervorhersage dienen.

Dahinter steckt oftmals eine ganz plausible, naturwissenschaftliche Erklärung. Denn Tiere haben ein feines Gespür für anstehende Wetterumschwünge.

Wie im Beispiel mit den hoch- oder niedrig fliegenden Schwalben. Meteorologisch überhaupt nicht abwegig, erklärt Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn vom Deutschen Wetterdienst (DWD): "Schwalben ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Bei trockenen und warmen Bedingungen fliegen die Kleintiere weiter oben. Bei kühlerem und feuchtem Wetter sind die Insekten hingegen eher in Bodennähe zu finden. Was für die Schwalben bedeutet: Dass dann auch sie tief fliegen müssen, um ausreichend Nahrung zu finden."

IM VIDEO: Es gibt viele Bauernregeln - diese solltet ihr kennen


Meteorologisch betrachtet gibt es dafür laut Jacqueline Kernn diese Erklärung: "Starke Sonneneinstrahlung an mehreren Tagen in Folge findet man vor allem bei stabilen Hochdruckwetterlagen. Diese haben die Neigung, sich nicht so schnell aufzulösen. Man kann also davon ausgehen, dass auf einen schönen Tag ein weiterer schöner Tag folgt."

Ziehen die Gänse gen Süden, wird es bald kalt


Ähnlich verlässlich ist der Spruch "Ziehen die wilden Gäns' und Enten fort, ist der Winter bald am Ort", der sich auf den Zug der Vögel im Herbst gen Süden bezieht. Die Tiere haben ein Gespür dafür, wann der richtige Zeit zum Aufbruch gekommen ist. Genau dann nämlich, wenn der erste Kaltlufteinbruch kurz bevorsteht, weniger Futter als im Sommer vorhanden ist. "Dann setzt bei den Tieren so genannte 'Zugunruhe' ein", sagt die Meteorologin. "Sie bereiten sich auf den Flug in ihr Winterquartier vor, der unmittelbar bevorsteht."

Auch der Hahn gilt als tierischer Wetterbote. Natürlich nicht in dem sinnfreien Spruch "Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist". Das ist Blödsinn.

Durchaus Sinn ergibt aber diese weit weniger bekannte Bauernregel: "Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter, kräht er auf dem Hühnerhaus, hält das Wetter die Woche aus."

Warum hockt der Hahn auf dem Misthaufen? Dafür gibt es einen guten Grund
Warum hockt der Hahn auf dem Misthaufen? Dafür gibt es einen guten Grund

Dahinter steckt folgende Logik: Der Hahn hockt sich gerne auf den Misthaufen, wenn er dort ausreichend Nahrung findet. Das ist immer dann der Fall, wenn der Mist schön feucht ist, also Würmer und andere Insekten an die Oberfläche kriechen. Eine Art Schlaraffenland für Hähne.

Hockt der Hahn dagegen auf dem Dach des Hühnerstalls, gibt es für ihn in dem Misthaufen nichts zu holen – ist der Mist eher trocken, graben sich die Insekten in die tieferen, feuchteren Schichten. Das Festmahl für den Hahn fällt dann also aus.

Misthaufen als Wetterbote


Was all das mit dem Wetter zu tun hat? Ziemlich viel, erklärt Jacqueline Kernn: "Findet der Hahn auf dem Mist etwas zu fressen, gab es vermutlich gerade Regen oder es regnet aktuell. Aufgrund der eher kurzlebigen Tiefdruckwetterlagen steht ein Wetterwechsel bevor, zu welchem Wetter auch immer."

Findet der Hahn dagegen auf dem Misthaufen keine Nahrung, ist der Mist vermutlich trocken. Da sich stabile Hochdruckwetterlagen und somit meist schönes und trockenes Wetter länger halten als regnerisches Tiefdruckwetter, kann man davon ausgehen, dass es trocken bleibt.

Allzu wörtlich sollte man den Spruch dennoch nicht nehmen: Denn dass das Wetter dann tatsächlich exakt eine Woche stabil bleibt, dafür gibt es meteorologisch gesehen keine Erklärung. Der Teil ist vermutlich nur aus einem ganz banalen Grund Teil der Bauernregel: Weil es sich so schön reimt.

Eine Übersicht über Bauernregeln, nach Monaten geordnet, findet ihr bei wetter.de.