Umfrage
Online-Petitionen: Wofür oder wogegen sind Sie?
Online-Petitionen: Wofür oder wogegen sind Sie?Foto-Quelle: https://www.openpetition.de/petition/online/raus-mit-markus-lanz-aus-meiner-rundfunkgebuehr

Online-Petitionen: Wofür oder wogegen sind Sie?

News Team
Beitrag von News Team

Wie finden Sie eigentlich Markus Lanz? Wenn Sie den Moderator nicht leiden können, haben Sie vielleicht schon Ihre Stimme abgegeben, damit das ZDF den Mann rauswirft. So wie immerhin mehr als 226.000 andere Menschen, die eine Online-Petition gegen Lanz unterzeichnet haben. Was das bringt? Wahrscheinlich gar nichts. Irgendwann ist die Zeichnungsfrist zu Ende, das ZDF kann das Ergebnis zur Kenntnis nehmen, und das war’s. Wahrscheinlich gibt es bald eine Gegenpetition für Lanz – viele kritisieren die Aktion gegen ihn schon jetzt als „digitales Mobbing“.

Online-Petitionen sind gerade in im Netz. Ein Realschullehrer aus Baden-Württemberg startete Ende November eine Petition gegen einen Bildungsplan. Das Kultusministerium will darin das Wissen über "sexuelle Vielfalt" im Lehrplan verankern, fächerübergreifend. Der Lehrer fürchtet eine „Umerziehung“ – und rief die Petition ins Leben. Bis Montag, dem letzten Tag, unterzeichneten sie 192.238 Menschen. Die Gegenpetition dazu finden bis jetzt 85.880 Menschen unterstützenswert, sie läuft noch 40 Tage.

Petitionen für und gegen alles

Es gibt diverse Seiten im Internet, bei denen man an digitalen Unterschriftenaktionen teilnehmen kann. – zum Beispiel bei change.org oder avaaz.org. Jeder kann eine solche Petition starten, mit ein paar Klicks, kostenlos. Dann muss man nur noch trommeln, um genug Unterstützer zu finden. Gedacht ist das eigentlich, um auf Missstände aufmerksam zu machen, gerade von Leuten, die sonst keine Stimme haben. Die Themen, die den Initiatoren und Unterstützern auf den Nägeln brennen, sind vielfältig: von ernsthaft bis Quatsch. Hunderte von Petitionen stehen bei change.org, die Anliegen reichen von „Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter“ (200.000 Unterzeichner) über lokale Aktionen wie „Jetzt Radfahrstreifen in der Rosenheimer Straße“in München (900) bis zu „Verwenden Sie bitte mehr Schokoladen zwischen den Keksen, gerichtet an den „Prinzenrolle-Hersteller“ (25).

Ziel: Aufmerksamkeit und Druck erhöhen

Dank der digitalen Vernetzung kann man viele Gleichgesinnte finden. Und so zwar niemanden zwingen, eine Entscheidung zurückzunehmen oder einen Moderator rauszuwerfen, denn eine rechtliche Auswirkung haben sie nicht. Man kann aber die Aufmerksamkeit für das Thema erhöhen - und vielleicht den Druck.

Etwas anderes sind die offiziellen E-Petitionen, die man beim deutschen Bundestag einreichen kann. Wenn eine bestimmte Anzahl Unterzeichner für ein Thema gefunden wird, muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages damit beschäftigen. Das klappte zum Beispiel beim Aufruf für ein Gesetz zur Netzneutralität, das 50.000 Menschen unterstützenswert fanden.

Die inoffiziellen Petitionen allerdings nehmen gefühlt derzeit überhand. Der Kabarettist Dieter Nuhr wollte den Hype auf die Schippe nehmen – und startete flugs eine eigene auf Online-Petitionen.de: „Gegen digitales Mobbing, binäre Erregung und Onlinepetitionswahn" nannte er sie. Doch das Portal löschte die Petition wieder – Nuhr hatte gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen. Begründung: Spaßpetitionen sind nicht erlaubt. Die Plattform verkündete zugleich: Petitionen gegen Personen sind ab sofort nicht mehr erlaubt, es handele sich schließlich um ein politisches Instrument und kein Meinungsportal. Die Petition gegen Markus Lanz bleibt aber trotzdem online.

Bei welchem Thema würden Sie eine Online-Petition unterschreiben?