Datenkrake auf der Demonstration "Freiheit statt Angst" 2009. Ein Werk des K ...
Datenkrake auf der Demonstration "Freiheit statt Angst" 2009. Ein Werk des Künstlers Peter EhrentrautFoto-Quelle: Matthias Hornung, http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/images/Mho_-198-r.jpg

Technik-Verweigerung – einfach abschalten! Geht das überhaupt noch?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Es gilt derzeit als schick, darüber zu lamentieren, dass das Internet seine Unschuld verloren habe. Doch hat es sie jemals besessen? Es war von Anbeginn an eine Schöpfung des Militärs und ist auch heute ein hart umkämpfter Spielball für strategische Operationen. Aber gegen die allgegenwärtige Überwachung im Netz ist trotz Datenschutzrecht und sämtlicher Sicherheitsmaßnahmen dennoch niemand gewappnet. Was vor nicht allzu langer Zeit mit einer nie dagewesenen Euphorie begann, erweist nun als Teufelswerk. Sind wir dem Fluch der digitalen Technik hilflos ausgeliefert? Und kann denn Technikverweigerung eine Lösung sein?

Das Internet wurde allseits bejubelt, die fortschreitende Digitalisierung als Heilsbringer gefeiert. Und das Konzept schien zunächst aufzugehen: Das Geschäft mit Computern, Software und mobilen Endgeräten bescherte der Wirtschaft einen gigantischen Boom. Die Gesellschaft veränderte sich in wenigen Jahren und mittlerweile hat die Schaltzentrale für unser ganzes Leben in einer Hosentasche Platz. Wir kommunizieren was das Zeug hält und sind total vernetzt – immer und überall. Mit einem kleinen Haken: Die Hintertür zu unserer Intimsphäre steht für beinahe jeden weit offen.

Zwischen blindem Fortschrittsglauben und Orwell

Das Internet überzieht wie ein Spinnennetz den gesamten Globus – seine klebrigen Fäden reichen bis in unser Allerheiligstes: Überwachungskameras und Drohnen spähen den öffentlichen Raum aus, unsere Häuser sind dank Google für Jedermann öffentlich sichtbar und unsere privaten Lebensäußerungen werden unbarmherzig digitalisiert. Selbst Fernseher und Auto zeichnen akribisch die kleinsten Bewegungen ihrer Benutzer, deren Gewohnheiten und Vorlieben auf. Mit Folgen, die aus Datenschutzrechtlicher Sicht derzeit noch vollkommen unüberschaubar sind. Ist es da ein Wunder, dass die Widerstände gegen digitale Technologien wachsen?

Mehr Schaden als Nutzen?
Das Misstrauen ist groß und in vielerlei Hinsicht berechtigt. Die Geheimdienste haben den Bogen deutlich überspannt. Facebook & Co. machen ihrem zweifelhaften Ruf als gierige Daten-Kraken alle Ehre. Sie sind, so scheint es, längst nicht mehr an technischer Innovation interessiert, sondern nur noch an Big Data - dem schwarzen Gold des Internet-Zeitalters. Denn aus diesen Quellen sprudeln die Dollars wie einst aus den Erdöl-Pipelines. Doch sie schneiden sich dabei tief ins eigene Fleisch: die Abneigung gegen eine unmenschliche Technik, die nur noch Machtgewinn und Profit im Auge hat, nimmt deutlich zu.

Technik-Verweigerung als Antwort?

Das Internet war nie „unschuldig“. Es ist einfach nur ein Werkzeug in der Hand von Menschen und wie immer in der Geschichte neigen einige von ihnen dazu, jedes Instrument für ihre Zwecke zu missbrauchen. Wenn ein solcher Missbrauch bekannt wird, ist das Vertrauen schnell verspielt. Die meisten wünschen sich humane Technologien, die dem Menschen dienen, ohne seine Rechte schmählich zu verletzen. Und viele würden sich einer Technik, die so viel Schaden anrichtet, gerne entziehen. Technik-Verweigerung als Antwort?

Doch ist das überhaupt noch möglich? Können wir den Computer einfach abschalten, auf das Handy verzichten, den analogen Fernseher aus dem Keller holen und wieder auf ein Auto umsteigen, dass ohne Internet und GPS auskommt? Oder wird die aufgeregte Diskussion über Daten-Sicherheit und Privatsphäre einfach wieder irgendwann verebben - wie so oft?