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Technik-Verweigerung – einfach abschalten! Geht das überhaupt noch?

Technik-Verweigerung – einfach abschalten! Geht das überhaupt noch?

Christine Kammerer
07.03.2014, 09:32 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Es gilt derzeit als schick, darüber zu lamentieren, dass das Internet seine Unschuld verloren habe. Doch hat es sie jemals besessen? Es war von Anbeginn an eine Schöpfung des Militärs und ist auch heute ein hart umkämpfter Spielball für strategische Operationen. Aber gegen die allgegenwärtige Überwachung im Netz ist trotz Datenschutzrecht und sämtlicher Sicherheitsmaßnahmen dennoch niemand gewappnet. Was vor nicht allzu langer Zeit mit einer nie dagewesenen Euphorie begann, erweist nun als Teufelswerk. Sind wir dem Fluch der digitalen Technik hilflos ausgeliefert? Und kann denn Technikverweigerung eine Lösung sein?

Das Internet wurde allseits bejubelt, die fortschreitende Digitalisierung als Heilsbringer gefeiert. Und das Konzept schien zunächst aufzugehen: Das Geschäft mit Computern, Software und mobilen Endgeräten bescherte der Wirtschaft einen gigantischen Boom. Die Gesellschaft veränderte sich in wenigen Jahren und mittlerweile hat die Schaltzentrale für unser ganzes Leben in einer Hosentasche Platz. Wir kommunizieren was das Zeug hält und sind total vernetzt – immer und überall. Mit einem kleinen Haken: Die Hintertür zu unserer Intimsphäre steht für beinahe jeden weit offen.

Zwischen blindem Fortschrittsglauben und Orwell

Das Internet überzieht wie ein Spinnennetz den gesamten Globus – seine klebrigen Fäden reichen bis in unser Allerheiligstes: Überwachungskameras und Drohnen spähen den öffentlichen Raum aus, unsere Häuser sind dank Google für Jedermann öffentlich sichtbar und unsere privaten Lebensäußerungen werden unbarmherzig digitalisiert. Selbst Fernseher und Auto zeichnen akribisch die kleinsten Bewegungen ihrer Benutzer, deren Gewohnheiten und Vorlieben auf. Mit Folgen, die aus Datenschutzrechtlicher Sicht derzeit noch vollkommen unüberschaubar sind. Ist es da ein Wunder, dass die Widerstände gegen digitale Technologien wachsen?

Mehr Schaden als Nutzen?
Das Misstrauen ist groß und in vielerlei Hinsicht berechtigt. Die Geheimdienste haben den Bogen deutlich überspannt. Facebook & Co. machen ihrem zweifelhaften Ruf als gierige Daten-Kraken alle Ehre. Sie sind, so scheint es, längst nicht mehr an technischer Innovation interessiert, sondern nur noch an Big Data - dem schwarzen Gold des Internet-Zeitalters. Denn aus diesen Quellen sprudeln die Dollars wie einst aus den Erdöl-Pipelines. Doch sie schneiden sich dabei tief ins eigene Fleisch: die Abneigung gegen eine unmenschliche Technik, die nur noch Machtgewinn und Profit im Auge hat, nimmt deutlich zu.

Technik-Verweigerung als Antwort?

Das Internet war nie „unschuldig“. Es ist einfach nur ein Werkzeug in der Hand von Menschen und wie immer in der Geschichte neigen einige von ihnen dazu, jedes Instrument für ihre Zwecke zu missbrauchen. Wenn ein solcher Missbrauch bekannt wird, ist das Vertrauen schnell verspielt. Die meisten wünschen sich humane Technologien, die dem Menschen dienen, ohne seine Rechte schmählich zu verletzen. Und viele würden sich einer Technik, die so viel Schaden anrichtet, gerne entziehen. Technik-Verweigerung als Antwort?

Doch ist das überhaupt noch möglich? Können wir den Computer einfach abschalten, auf das Handy verzichten, den analogen Fernseher aus dem Keller holen und wieder auf ein Auto umsteigen, dass ohne Internet und GPS auskommt? Oder wird die aufgeregte Diskussion über Daten-Sicherheit und Privatsphäre einfach wieder irgendwann verebben - wie so oft?

9 Kommentare

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Na klar, kann jeder abschalten, es sollte nur gelernt werden.
  • 23.03.2014, 20:45 Uhr
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Das Internet hat auch sein gutes, wie hätten wir denn da sonst geschrieben.
Handy und Fernseher muss man ja nicht haben, dass ist ja jedem seine eigene Sache. Daten wurden schon immer gesammelt, Ämter, Katalogversender, Post, Payback, Gewinnspiele usw. Den Fortschritt sollte man nicht aufhalten, sonst wären wir ja immer noch in der Steinzeit, oder? Aber das Bewusstsein der Menschen könnte sich ändern, sich nicht abhängig machen von Politik und Wirtschaft, einfach ich selber bleiben und mein eigenen Leben leben.
  • 14.03.2014, 09:33 Uhr
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Ja, damals in Neandertal.
Was war das doch für eine schöne Zeit.
  • 07.03.2014, 12:24 Uhr
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ja, geht - meine Frau gehört zu dieser Sorte Mensch - Sie hat den Stecker zum Internet aus Ihrem Rechner abgezogen – und, oh Wunder – Sie bekommt seither keine Spans mehr - sehr wohl aber immer noch Briefe per Post von äußert dubiosen Unternehmen wie z.B. "Regionales Branchenbuch" obwohl Sie nie ein Gewerbe hatte… und natürlich Content4you.
Da unsere Gesetzgeber offensichtlich mit wichtigeren Dingen beschäftigt sind als diesen Gaunern durch eine winzige Gesetzesänderung ein für alle mal das Handwerk zu legen, wird Sie den Stecker auch nicht wieder einstecken.
Eine Portion Angsthasigkeit ist dabei - klar, aber für Menschen die nicht ganztägig ihre Zeit im Internet verbringen und bei jedem Klick Angst haben sich strafbar zu machen, oder etwas gekauft zu haben, das sie nicht wollten wäre eine kleine Gesetzesänderung ein Segen. Wenn z.B. jeder Kauf handschriftlich per Brief bestätigt werden müsste, gäbe es diesen Ärger überhaupt nicht…
  • 07.03.2014, 12:15 Uhr
Hall Erwien, wie bei allem, gibt es immer zwei Seiten. Manchmal ist es Segen und manchmal Fluch. Aber du hast Recht, einige Gesetzesänderungen sind mehr als überfällig.
  • 07.03.2014, 12:39 Uhr
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Ich kann die derzeitige Aufregung über den derzeitigen Umgang mit Daten-Schutz gut verstehen. Natürlich erwachsen da Ängste. Doch ich persönlich könnte mir heute nicht mehr vorstellen ohne PC, Tablets, Navi, Smartphone aus zu kommen.
  • 07.03.2014, 12:02 Uhr
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Ich frage mich manchmal, was denn der Normalbürger zu verbergen hat, dass er so ängstlich aufs Ausspioniert-Werden reagiert
Ohne Handy kann man übrigens auch leben - ich hab schon länger keines mehr.
  • 07.03.2014, 11:56 Uhr
Der Film, das Buch - kenn ich! ich glaube aber nicht, ob es jemand interessiert, dass mir gerade der rechte Fuß wehtut und mein Enkel "Sch...." gesagt hat.
  • 07.03.2014, 13:15 Uhr
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Ich habe kein Handy und vermisse es auch nicht!
  • 07.03.2014, 11:55 Uhr
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