Kotaro, ein an der Universität Tokyo entwickelter humanoider Roboter
Kotaro, ein an der Universität Tokyo entwickelter humanoider RoboterFoto-Quelle: Manfred Werner, http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Ars_Electronica_2008_Kotaro.jpg

Roboter – die Antwort auf den Pflegenotstand?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Die Deutschen werden zunehmend älter, die Anzahl pflegebedürftiger Menschen steigt und der ohnehin eklatante Mangel an Pflegepersonal wird sich in den nächsten Jahrzehnten weiter verschärfen. Können Roboter hier Abhilfe schaffen? Oder stellen sie uns nur vor neue Probleme, die heute noch weitgehend unter den Teppich gekehrt werden?

Entlastung und Selbstbestimmung

Den Robotern gehört die Zukunft. Schon in wenigen Jahren, so prophezeien Experten, sind „mobile Assistenzsysteme“ aus der Pflege nicht mehr wegzudenken: Ein intelligenter Rollstuhl könnte immer dann zur Stelle sein, wenn man ihn benötigt, der Rollator kann uns per GPS durch die Stadt lotsen und auch wieder nach Hause bringen. Monitoring-Systeme erfassen Blutdruck und Herzfrequenz, Sensoren überwachen uns auf Schritt und Tritt und lösen bei einem Sturz den Notruf aus. Ein Pflegeroboter animiert uns zum täglichen Fitness-Training.

Roboter haben durchaus große Vorteile, denn sie ermöglichen es vielen Menschen, so lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben. Und sie entlasten Angehörige: Die Technik nimmt den Pflegenden Routine-Aufgaben ab und verschafft ihnen so Zeit, sich den Pflegebedürftigen wirklich zuzuwenden.

Thema Sicherheit – wer beherrscht so viel Technik?

Doch schon beim Datenschutz scheiden sich die Geister, denn natürlich erstellen Pflegeroboter auch Nutzungsprotokolle. Wie lange dürfen die sensiblen Daten gespeichert werden? Wer darf sie einsehen? Eine eindeutige Klärung könnte zum Beispiel in Form einer Ergänzung zur Pflegevollmacht durch den Betroffenen selbst erfolgen. Doch kann der zu dem Zeitpunkt, zu dem er diese unterschreibt, die Möglichkeiten der Technik bereits erahnen, die dann bestehen, wenn die Notwendigkeit seiner Pflege eintritt? Kann er Schäden voraussehen, die zum Beispiel durch ein Technik-Versagen entstehen können?

Die Abschätzung möglicher Folgen, aber auch die Nutzung selbst setzt eine hohe Technik-Kompetenz voraus. Zudem haben viele Vorrichtungen auch Nachteile: Sie wiegen uns in falscher Sicherheit und können bei nicht sachgerechtem Einsatz sogar mehr schaden als nützen: Wird ein Rollator oder Rollstuhl ohne echte Notwendigkeit genutzt, kann das zur Rückbildung körperlicher Fähigkeiten führen.

Roboter statt Menschen?

Gegen eine sinnvolle Unterstützung durch technische Geräte wird wohl niemand etwas einzuwenden haben, doch Pflegeroboter dürfen keinesfalls zulasten zwischenmenschlicher Beziehungen eingesetzt werden. Zuhören, reden und trösten? Selbst wenn es praktisch machbar wäre, wird die Computer-Simulation von Sozialkontakten vermutlich niemals auf Akzeptanz stoßen. Ein Roboter kann keine Diagnose stellen und die Videokonferenz ersetzt keinen Arztbesuch. Der technische Fortschritt darf auch nicht dazu führen, dass in Pflegeeinrichtungen am ohnehin knappen Personal noch zusätzlich eingespart wird.

Linktipp: stiftung neue verantwortung: Mit Robotern gegen den Pflegenotstand