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Erdogan schaltet Twitter ab: Kann ein Land das Internet sperren?

Erdogan schaltet Twitter ab: Kann ein Land das Internet sperren?

News Team
25.03.2014, 12:41 Uhr
Beitrag von News Team

Twitter ist für Regierungen manchmal ein gefährliches Kommunikationsmedium. Über die Plattform können User schnell Nachrichten und Informationen austauschen – oder Proteste organisieren. In der Türkei nutzte die Opposition Twitter besonders intensiv: zwölf Millionen der 36,5 Millionen Internetnutzer des Landes haben ein Konto bei der Plattform – übrigens auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Ihm passt die Vernetzung der Bürger auf der Plattform nicht, vor allem nicht zehn Tage vor der Kommunalwahl. Am Freitag macht er die Drohung Ernst, das „Übel bei der Wurzel auszureißen“, und ließ Twitter in der Türkei sperren. Womöglich ist als nächstes die Videoportal YouTube an der Reihe. Erdogan hatte sich insbesondere daran gestört, dass Links zu YouTube-Videos auf Twitter geteilt wurden. Das wäre nicht das erste Mal: Bis 2010 war YouTube für die Türken zwei Jahre lang gesperrt.

Sperren ist einfach - das Umgehen aber auch


Damit ist die Türkei nicht das einzige Land, das seinen Einwohnern vorschreiben will, welche Seiten sie nutzen dürfen und welche nicht. Der Iran, Nordkorea, Russland und China zensieren regelmäßig oder dauerhaft bestimmte Seiten im Internet – vor allem soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter.

Aber wie geht das überhaupt? Wie kann eine Webseite für ein ganzes Land abgeschaltet werden? Technisch ist das relativ leicht möglich, aber ebenso einfach können die Internetnutzer die Sperre auch umgehen.

Nutzer werden auf andere Seiten geleitet


Meist werden Webseiten gesperrt, indem die Internet-Provider zu einer Manipulation der Internetadressen gezwungen werden. Dazu nutzen sie eine sogenannte DNS-Sperre. Das DNS („Domain Name System“) ist eine Art Adressbuch des Internets. Wenn ein Internetnutzer den Namen einer Webseite wie www.twitter.com ins Browserfenster eintippt, wird dies an einen DNS-Server weitergeleitet. Der DNS-Server kennt die genaue Adresse der Internetseite, die IP-Adresse. Jede Webseite hat eine eigene, von anderen unterscheidbare IP-Adresse.

Diese Adresse besteht aus einer längeren Zahlenreihe, zum Beispiel 199.16.156.70 für twitter.com. Der DNS-Server lädt dann die Seite, die der Nutzer aufrufen will. Soll der Zugang zu einer Internetseite gesperrt werden, ändert man die Anschrift der Seite im DNS-Server. Dann wird der Nutzer auf eine andere Seite geleitet. In der Türkei sahen die Nutzer dann statt der Twitter-Homepage eine Seite mit einer Nachricht einer türkischen Telekommunikationsfirma.

Twitter-Blockade bewirkt das Gegenteil


Aber Erdogans Twitter-Blockade hat wenig gebracht – im Gegenteil. Laut der Medienberichten nahm die Nutzung von Twitter sogar um 33 Prozent zu.

Der Grund: Die Sperren können recht einfach umgangen werden. Zum einen kann man Tweets, also Nachrichten bei Twitter, auch per SMS senden und braucht dazu die Webseite nicht. Zum anderen kann man mit sogenannten VPN-Servern den eigenen Standort verschleiern. Dann wird der Datenverkehr über Server im Ausland geleitet und die türkischen Nutzer können Webseiten aufrufen, als würden sie in einem anderen Land sitzen. User können auch nicht manipulierte DNS-Server im Ausland nutzen. Technisch versierte Nutzer erledigen das in ein paar Augenblicken über Netzwerkeinstellungen in Windows.

Was haltet Ihr von solchen Internetsperren, wie sie Erdogan in der Türkei durchgesetzt hat?

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