Libellen – Schillernde Flugakrobaten inmitten einer Eiszerfallslandschaft
Libellen – Schillernde Flugakrobaten inmitten einer EiszerfallslandschaftFoto-Quelle: (C) by RICOH R8 User

Libellen – Schillernde Flugakrobaten inmitten einer Eiszerfallslandschaft

Uschi T. vom Chiemsee Alpenland

Sie erreichen eine Fluggeschwindigkeit von bis zu 50 Kilometer pro Stunde, beherrschen als einziges Insekt den Rückwärtsflug und tragen poetische Namen wie Adonislibelle, Teichjungfer, Azurjungfer, gebänderte Prachtlibelle oder gefleckte Smaragdlibelle.

Im Volksmund auch Drachenfliege oder Teufelsnadel genannt, ist die Libelle ein Geschöpf der Urzeit und bewohnt die Erde seit über 250 Millionen von Jahren. In der Karbonzeit vor etwa 300 Millionen Jahren sah die Vegetation auf der Erde noch ganz anders aus. Damals ragten in den Wäldern meterhohe Schachtelhalme, Bärlapp und Farngewächs und durch die Lüfte brummten Riesenlibellen, deren Flügelspannweite bis zu 75 Zentimeter maß. Heute haben die Nachfahren der Urlibellen eine Körpergröße von nur noch maximal 20 Zentimetern.

Das grazile Insekt ist ein wahrer Verwandlungskünstler. So lebt die Libelle zwei Leben. Das erste Leben als unansehnliche Larve und das zweite als prächtig schillerndes Geschöpf mit hauchzarten Chitin-Flügeln. Doch die Pracht ist nur von kurzer Dauer. Schon nach wenigen Monaten ist ihr Leben verwirkt. Libellen sind auch Wächter der natürlichen Ordnung. So lässt das Vorkommen einer Prachtlibelle Rückschlüsse auf die Qualität der Gewässer schließen, denn nur dort, wo das Wasser rein ist, wählt sie ihren Lebensraum.

Und wo findet man diese anmutigen Wesen? Beispielsweise an der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte, die nordwestlich des Chiemsees liegt. Die Seenplatte mit insgesamt 17 Seen ist eine typische Eiszerfallslandschaft im bayerischen Voralpenland und ein Überbleibsel der letzten Eiszeit. Heute ist die Seenplatte ein wahres Biotopjuwel und zählt zu Bayerns ältestem Naturschutzgebiet. Hier, in einer unberührten Landschaft aus Seen, Sümpfen und Auwäldern findet die Libelle noch eine intakte Natur vor. Von insgesamt 80 mitteleuropäischen Libellenarten lebt allein an der Seenplatte etwa ein Drittel.

Begleitet von der Biologin und Naturpädagogin Ursula Grießer kann man auf verschlungenen Pfaden die Schönheit der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte erleben und in den Genuss kommen, die bunt schillernden Urgeschöpfe aus nächster Nähe zu beobachten. Die geführte Libellenwanderung dauert etwa drei Stunden und findet in der Zeit von Juni bis September an ausgesuchten Sonntagen statt.