Google speichert alle Eure Suchanfragen.
Google speichert alle Eure Suchanfragen.Foto-Quelle: Screenshot Google

Gigantischer Datensammler: Was Google alles über Euch weiß

News Team
Beitrag von News Team

11.855 Begriffe habe ich bei Google nachgeschlagen. Gestern wollte ich wissen, wer die Musik für den Film komponiert hat, den ich am Abend gesehen habe. Vor vier Wochen habe ich gegoogelt, welches die beste Reisezeit für Vietnam ist. Und vor einem Jahr habe ich die Suchmaschine gefragt, was auf Japanisch „Tschüs“ heißt. Warum? Das weiß ich auch nicht mehr. Trotzdem hat Google meine Anfrage noch präsent. Und weiß damit alles Mögliche über mich. Denn die Suchmaschine speichert jede einzelne Suchanfrage jedes Nutzers.

Was habt Ihr wann gesucht?


Wenn Ihr ein Google-Konto besitzt, etwa weil Ihr Gmail als Mailprogramm nutzt oder ein Android-Handy habt, könnt Ihr all Eure Suchanfragen noch Monate später chronologisch sortiert anschauen. Voraussetzung ist, dass Ihr eingeloggt gewesen seid, als Ihr die Suchmaschine benutzt habt. Google schlüsselt sogar auf, an welchen Tagen und zu welchen Uhrzeiten Ihr besonders häufig sucht (ich offenbar dienstags und mittwochs gegen 10 Uhr am Vormittag). Ihr könnt Euch Eure Suchanfragen sogar nach Typ anzeigen lassen – also alle Bilder oder alle News, nach denen Ihr gegoogelt habt.

Ruft dazu einfach die Google-Seite „Account History“ auf, wählt „Ihre Suchbegriffe“ und startet eine ziemlich gruselige Reise in die eigene virtuelle Vergangenheit. Gruselig ist das deshalb, weil es ja nicht nur um die Suche an sich geht. Ihr findet so auch etwas über Euer Leben und eure Interessen heraus. Vor einem Jahr habt Ihr Euch vielleicht erstmals mit einer schweren Krankheit beschäftigt – weil Ihr Angst hattet, selbst betroffen zu sein. Ihr könnt auch sehen, nach welchem Begriff Ihr am meisten gesucht habt. Auf der Übersichtsseite seht Ihr außerdem, wo Ihr Euch aufgehalten habt (das weiß Google zum Beispiel, wenn Ihr ein Android-Handy nutzt) und was Ihr Euch bei YouTube angesehen habt.

Was Google alles über Euch weiß


Gruselig ist das alles aber auch aus einem anderen Grund. Zwar könnt nur Ihr selbst auf Euer Suchprotokoll zugreifen, nicht aber andere Internetnutzer. Aber es gibt noch jemanden, der alles über Euch weiß: Google selbst. 18 Monaten lang speichert der Konzern alle Anfragen in seinen zahlreichen Diensten zentral in einem riesigen Pool, ob Suchmaschine, Android-Handys, Videodienst YouTube, Kartendienst Maps oder Maildienst Gmail.

Wenn Ihr ein Google-Konto besitzt und eingeloggt seid, dann kann Google die Daten einem Nutzer – also Euch – zuordnen. Aber auch ohne Google-Konto kennt der Konzern Euch gut: Immer, wenn jemand nach einem Begriff sucht, speichert Google die IP-Adresse. Mit ihr kann jeder Computer, der ins Internet geht, eindeutig identifiziert werden – und sie macht den Rechner im Netz überhaupt erst erreichbar. Außerdem speichert Google die Browserversion (also zum Beispiel Firefox 30.0), das Betriebssystem und das Datum sowie die Uhrzeit. Das wird auch auf dem Rechner des Nutzers in einem sogenannten Cookie gesichert.

Warum will Google alles wissen?


Aber warum will Google das alles wissen und merkt sich alles? Die meisten Dienste des Konzerns sind kostenlos – dafür „zahlen“ wir mit Informationen über uns. Google möchte möglichst nutzerfreundlich sein. Mit jeder Suche kann die Firma herausfinden, für welche Themen sich jemand interessiert, und die Suchergebnisse so an den User anpassen. Noch wichtiger ist für das Unternehmen aber: Mit jedem Suchergebnis werden Anzeigen eingeblendet, die zum Suchbegriff passen. Damit verdient Google sein Geld.

Google weiß aber nicht alles: Den Namen eines Anwenders kann das Unternehmen nicht zuordnen. Und wenn jemand beispielsweise von verschiedenen Rechnern aus im Internet surft, weiß Google nicht, dass es der gleiche User ist. Bei beiden Punkten gilt die Einschränkung: außer, Ihr seid mit dem Google-Konto eingeloggt.

Wie Ihr Googles Datensammelwut verhindert


Wenn Ihr nicht wollt, dass Google Eure Suchanfragen anderthalb Jahre lang speichert, dann könnt Ihr dies auch verhindern. Wenn Ihr auf der „Account History“-Seite auf das Feld „Pausieren“ klickt, öffnet sich ein zusätzliches Fenster. Klickt jetzt auf „Verlauf pausieren“ klickt, dann werden Eure Anfragen nicht mehr gespeichert. Etwas versteckter steht hier auch, dass Ihr den vorhandenen Suchverlauf verwalten könnt – also löschen. Klickt darauf und anschließend auf das Zahnrad oben in der rechten Ecke. Unter „Einstellungen“ findet Ihr den Punkt „Alternativ können Sie alte Google-Suchaktivitäten vollständig löschen“.

Damit Google weniger über Euch erfährt, solltet Ihr außerdem
• ohne Anmeldung im Google-Konto suchen
• alternative Suchmaschinen mit mehr Datenschutz nutzen, so wie DuckDuckGo
• für verschiedene Dienste verschiedene Anbieter nutzen, nicht nur Google – also zum Beispiel einen anderen Mail-Service

Übrigens versucht Google bei jedem Nutzer, das Geschlecht und eine Altersgruppe zuzuordnen. Dazu beobachtet die Firma, auf welchen Seiten sich jemand aufhält und ordnet dem Nutzer Kategorien und Interessen zu. Ob Google richtig liegt, könnt Ihr ebenfalls nachprüfen.


Wie findet Ihr das, dass Google so viel über Euch weiß?
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