Streng vertraulich
Streng vertraulichFoto-Quelle: D. Braun / www.pixelio.de

Nur ein Drittel liest die Datenschutzbestimmungen - aber alle wollen Sicherheit ihrer Daten

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Schnell gemacht, mit nur einer Minute sind Sie drin, im digitalen Netzwerkparadies. So werden doch mehr oder weniger alle Umsonstonlineservices, Mailservices, Sozialen Netzwerke eifrig beworben. Nur ein kleiner Klick, und schon sind Sie drin im Paradies. Und ja, das Kleingedruckte lesen war ja schon bei jedem Vertrag mühselig. Und so unerfreulich!

Also lesen aus Unlust und anderen Negativempfindungen schon mal die wenigsten Menschen, die sich neu bei einem Onlinedienst anmelden, die Geschäftsbedingungen.

Der Branchenverband Bitcom wollte es genauer wissen und hat eine Umfrage unter 811 Usern durchgeführt. Ergebnis: Zwei Drittel lesen die Geschäftsbedingungen nicht. (69 Prozent) Und nur 11 Prozent gehören zu den Menschen, die die Datenschutzbestimmungen immer lesen, bevor sie einen neuen Vertrag eingehen.

Zu den akuten Unlustfaktoren, die Menschen daran hindern, die Datenschutzbestimmungen durchzuackern, gehört auch die mehr oder minder gewollte schwierige Sprache der Texte. Sie sind für NichtjuristInnen häufig kaum zu verstehen.

Dementsprechend wünschen sich die User von den Onlinediensten zweierlei:
verständliche Datenschutzbestimmungen, die Sie auch beim Durchlesen verstehen können,
und "strenge Voreinstellungen beim Datenschutz", denn die Verunsicherung durch die bekannt gewordenen Skandale massenhafter Datenabschöpfung durch Firmen, anonyme Hacker und nicht zuletzt die eigenen westlichen Geheimdienste ist sehr groß.

Die Stimmung schwankt zwischen großer Empörung über die jüngsten Fälle von US-Spionage bis zur Scheißegalhaltung: habe nichts zu verbergen, ist doch harmlos, was ich poste, die haben doch eh schon alles abgeschöpft, keine Daten sind sicher, nirgendwo. Der NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages will nun schon wieder zu Schreibmaschinen zurückgehen, um die Geheimhaltung seiner Untersuchungen zu gewährleisten. Und in einem abhörsicheren Raum tagen. Denn wie praktiziert die Handys der BesprechungsteilnehmerInnen einzusammeln und in einer Kiste mit Klassik zu beschallen, das ist ja auch nur eine groteske Verlegenheitslösung. Die Verunsicherung und der Vertrauensverlust sind wirklich riesig. Die Lösung dafür wird nicht zuletzt aber auch eine politische sein müssen. Ein Leben ohne Vertrauen ist nicht möglich, weder unter Personen noch unter Staaten.

Q: Umfrage Bitkom, referiert in einer Meldung von dpa vom 14. Mai 2014, 12.08 Uhr
http://www.sueddeutsche.de/news/poli...14-99-03794