Anyonymität im Internet: Gut oder schlecht?
Anyonymität im Internet: Gut oder schlecht?Foto-Quelle: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Radikale Kehrtwende bei Google+: Klarnamen sind keine Pflicht mehr

News Team
Beitrag von News Team

Katha Rina, Aidualc Relleum oder Daisy Duck: Nicht alle Nutzer melden sich bei Online-Netzwerken mit ihrem echten Namen an, sondern verwenden Pseudonyme. Die Netzwerke gehen unterschiedlich damit um: Facebook verlangt von seinen Mitgliedern die Angabe des echten Namens. Zwar gibt es viele User, die sich daran nicht halten – ihnen droht aber theoretisch jederzeit eine Sperre durch das Netzwerk. Seniorbook schreibt Usern nichts vor, bittet sie aber, sich mit Klarnamen anzumelden.

Bei Google+ gab es bisher wie bei Facebook eine Pflicht zu echten Namen. Der Mutterkonzern Google hatte sich jahrelang stur gegen anderslautende Forderungen gestellt – um nun plötzlich umzukippen. Nutzer dürfen sich jetzt auf Google+ nennen, wie sie wollen. Aber wieso knickt Google ein?

Das Recht auf Anonymität in Deutschland


Der Hauptgrund ist natürlich die Konkurrenz zu Facebook. Bis jetzt hat es Google+ nicht geschafft, eine echte Alternative zum übermächtigen Netzwerkgiganten zu schaffen. Google hofft wohl, für die Nutzer interessanter zu sein, wenn diese auch unter einem Pseudonym auftreten können.

Die Debatte um Klarnamen und Pseudonyme im Netz wird schon jahrelang geführt. Im Kern geht es um zwei spannende Fragen: 1. Diskutieren Menschen weniger aggressiv und erwachsener, wenn sie mit ihrem echten Namen identifizierbar sind? 2. Dürfen Menschen gezwungen werden, mit ihrem realen Namen aufzutreten, wenn sie Angst vor Nachteilen oder Ächtung haben?

Tatsächlich gibt es in Deutschland sogar ein Recht auf Anonymität im Internet. Das Telemediengesetz schreibt in Paragraf 13, Absatz 6 vor, dass Dienste anonym genutzt werden dürfen. Dafür gibt es auch gute Gründe. Manche wollen nicht erkannt werden, weil sie sich vor Stalkern oder Anmache fürchten – gerade Frauen. Andere möchten nicht, dass die Netzwerk-Betreiber Daten über sie sammeln können. Und wieder andere fürchten sich vor Mobbing in Diskussionen – etwa, weil sie Mohammed heißen und deshalb als Islamisten beschimpft werden. Manche Menschen wollen sich über schwerwiegende Probleme oder ihre politische Meinung austauschen, ohne dass sie identifiziert werden können.

Was Befürworter und Gegner der Anonymität sagen


Pseudonyme haben außerdem eine lange Tradition im Internet. In Foren und Newsgroups meldeten sich User schon immer eher mit Nicknames an. Erst damit hat sich die rege Diskussionskultur im Netz erst entwickeln können, glauben die Befürworter der Anonymität.

Die Kritiker gehen dagegen davon aus, dass die Verwendung von Klarnamen zu besseren Debatten führt - und die Umgangsformen höflicher sind. Das kann jeder auch selbst überprüfen: Oft – aber nicht immer! – stammen aggressivere, obszönere, beleidigende Kommentare von Usern, deren Namen offensichtlich nicht echt ist. Sie verstecken sich hinter der Anonymität, und das ist bei allen Netzwerken so. Natürlich heißt das nicht, dass die Nutzer, die mit echten Namen angemeldet sind, nicht auch mal erbittert debattieren.

Und wie ist es bei Seniorbook?


Bei Seniorbook haben zehn Prozent der Mitglieder einen offensichtlich falschen Namen. Aber von diesen zehn Prozent stammen 30 Prozent der Verstöße gegen die Netikette. Daran sieht man: Auch Klarnamen bedeuten zwar nicht, dass Menschen erwachsener miteinander umgehen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist größer.

Klarnamen haben weitere Vorteile:

  • Mit dem echten Namen findet man Freunde schneller
  • Andere Mitglieder wissen, mit wem sie diskutieren
  • • Es ist einfach höflicher, sich vorzustellen – so, wie man das im echten Leben ja auch tut, wenn man sich trifft.
Was meint Ihr – was spricht für Klarnamen, was für Pseudonyme?