Ein Leben mit dem Handy
Ein Leben mit dem HandyFoto-Quelle: © goodluz - www.Fotolia.com

Ein Leben mit dem Handy

Beitrag von wize.life-Nutzer

Natürlich habe ich ein Handy. Ich habe schon mobil telefoniert, da waren all die Tastenkünstler um mich herum wahrscheinlich noch im Kindergarten. Und schon damals habe ich nur mitleidige Blicke geerntet, als ich ein Gerät kaufen wollte, mit dem man nur telefonieren kann. Die eingebaute Kamera war schon in dieser Steinzeit obligatorisch.

Viele Jahre bin ich in Spezialgeschäfte gepilgert, um eine Ersatz-Batterie für mein Handy zu bekommen. Denn das war längst aus der Mode. Aber ich hatte mich daran gewöhnt. Und außerdem steckte es so praktisch in der Autohalterung. Es war ungefähr so groß heute der Apparat im Festnetz.
Irgendwann war auch das vorbei. Nicht einmal in Spezial-Spezial-Läden gab´s die Batterie mehr. Und schweren Herzens habe ich ein neues Gerät gekauft. Es hat Wochen gedauert, bis alle alten Telefonnummern übertragen waren. Denn auf der Sim-Karte selbst war gar nix gespeichert. Kaum waren fünf Jahre vorüber, war das neue Handy schon wieder veraltet und ausgelaugt. Mit den gespeicherten Nummern war das nun etwas leichter: Wenigstens 90 Nummern hatte ich auch der Speicherkarte, der Rest ging einfach verloren. Hat auch nichts gemacht, niemand hat die Nummern vermisst.

Wenn der Wecker um 4.30 Uhr klingelt

Neues Mobiltelefon, neue Gebrauchsanweisung. Ich habe sie alle gelesen – und nix verstanden. Als Tonbandgerät ist das Handy zu gebrauchen, man kann Videos damit drehen, Apps runterladen, eine Fotogalerie aufbauen – wenn man´s kann. Aber dafür bin ich zu alt, für mich lohnt sich das nicht mehr. Deshalb ignoriere ich auch die penetrante Aufforderung, ins Internet zu gehen. Fürs Internet nutze ich nur PC und Laptop. Und zum Fotografieren habe ich die Kamera dabei. Gut, wenn ich den Fotoapparat vergessen habe, zücke ich schon mal das Handy. Aber das Theater jedes Mal, bis ich die Fotos dann auf meinen PC fabriziere! Ein Drama. Sie kennen das bestimmt. Erst probiert man es nach Gefühl, dann wird die Gebrauchsanleitung gesucht. Aber wenn man sie findet, versteht man das alles nicht. Also weiter probieren, bis es plötzlich doch klappt.
Mein altes Handy hatte einen wunderbaren Wecker integriert. Hat das neue Gerät auch. 4.30 Uhr aufstehen? Kein Problem, die Zeit war schnell einprogrammiert und es hat auch gebimmelt. Nur leider hat mir keiner gesagt, wie man die verflixte Weckzeit wieder löscht! Stand nicht in der Gebrauchsanweisung.
Beim Klingelton sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Die einen lassen sich mit dem Defiliermarsch stören, bei anderen dudelt „Pour Elise“, der dritte hat die Internationale aufgespielt. Ich habe solange herumprobiert, bis ich den richtigen Ton hatte: Das klingt jetzt ganz genau so schrill wie vor 40 Jahren das ganz normale Telefon mit der Wählscheibe. Damit fühl ich mich wohl.

Eine SMS mit Smiley

Selbst mit meinen kleinen Händen tu mich schwer, auf den winzigen Touchscreen-Tasten eine Nachricht zu tippen. All die Damen und Herren um mich herum aber haben damit kein Problem. Egal, wo sie sind, sie verschicken im Sekundentakt SMSs und garnieren das Ganze mit bedeutungsvollen Smileys. Ich wage es kaum zu gestehen, aber bis heute weiß ich nicht, wo sich der Grinsekopf versteckt und was all die Klammern und die anderen Zeichen bedeuten, die man auf mancher SMS liest.
Im Winter habe ich eine MMS bekommen, ein Foto, das einen Freund auf der Skipiste zeigt. Er wird demnächst 95. Vielleicht lohnt es sich ja doch noch, dass ich mir die Gebrauchsanweisung noch mal vornehme…

Mehr zum Thema