Die Anmut des Veilchens
Die Anmut des VeilchensFoto-Quelle: Pixelio.de

Die Anmut des Veilchens

Beitrag von wize.life-Nutzer

Was ich so an dir liebe? Ich will es dir veraten. Du drängst dich nicht vor, bist nie auf Präsenz bedacht, liebst die Stille, wie auch ich. Um deine Schönheit zu kosten, muss das suchende Auge geschult sein, in der Wahrnehmung der kleinen, feinen Dinge. Versteckt, im letzten Winkel des Gartens, dort, wo das noch leicht feuchte Moos dir Gesellschaft leistet, hier finde ich dich.

Wie es leuchtet, dein tiefes Blau! Ganz in die Knie zwingst du mich, will ich deine zarte Schönheit bewundern. Viola...was für ein melodischer Name, den du zu Recht trägst! Ein altes Kinderlied kommt mir in den Sinn, es handelt vom "Ringelreihn" und plötzlich bin ich wieder ganz klein, auf Augenhöhe mit dir. Dein süßer, lieblicher Duft betört mich noch wie damals, einst als ich ihn roch, im alten Kristallflacon mit der langen Kordelquaste.

Wie damals bist du gut versteckt, der Vordergrund ist nicht dein Ding. Trotzallem prägnant genug, um dir meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Dein kleiner, samtig-gelber Blütenstempel setzt einen eigenwilligen, schrillen Akzent auf deine unvergleichliche, satte Bläue. Das klare Grün deiner Blätter rahmt dich ein, filigranes Kleinod aus alter Zeit.

Ein Relikt bist du mir, kostbares Gedankengut und wehmütige Erinnerung einer Zeit, die längst vergangen. Und plötzlich bekommt mein Heute Farbe, Couleur in Blau und schon im Gehen summe ich immer noch dieses alte Kinderlied.


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