BRAUCHEN WIR EIN PROFILBILD IN SOZIALEN NETZWERKEN?

Beitrag von wize.life-Nutzer

PROFILBILD IN SB:
Immer wieder wird man angegriffen, wenn man in sb kein Foto seines Gesichts zeigt. Offenbar haben viele Leute noch nicht erkannt, dass man es nach Möglichkeit vermeiden sollte, sein eigenes Gesicht im Internet zu präsentieren. Das Gesicht jedes Menschen ist ein nämlich ein einmaliges, unverwechselbares Erkennungsmerkmal wie ein Fingerabdruck! Inzwischen gibt es sehr leistungsfähige Gesichtserkennungsprogramme, welche in Verkehrs- und sonstigen Überwachungskameras installiert und auch als App fürs Handy verfügbar sind. In USA sind bei vielen Supermärkten schon solche Kameras inklusive Gesichtserkennungsprogramm installiert, die ein Warnsignal abgeben, wenn eine Person den Laden betritt, welche schon mal etwas gestohlen hat. Und Besitzer von Handys mit Gesichtserkennungs- und Datenzusammenführungsprogramm können Sie unbemerkt aufnehmen und bekommen Ihren Namen, Wohnort, etc. angezeigt (und wissen, dass Sie zur Zeit nicht zuhause sind, nutzbar für Einbruchstipps)

Das Bild und die entsprechenden Programme machen uns an jedem Ort der Welt erkennbar, was die schon bisher erfassten Daten noch nicht ermöglichten. Unsere Namen und Adressen stehen ja auch bisher schon in jedem Telefonbuch (und damit auch im Internet). Aber erst das Gesicht vervollständigt die 'Sammlung'. Es gibt bereits Flughäfen mit Gesichtserkennungskameras. Im Hintergrund sind Teams tätig, welche alle Ihre Daten, Aussagen in Netzwerken zum Flugbetrieb, E-Mails, Google-Abfragen, etc. auswerten. Beim Einstieg ins Flugzeug werden Sie dann mit Ihrem Namen begrüßt, erhalten die Zeitschriften, die Sie interessieren und die Speisen angeboten, die Ihrem Geschmack entsprechen. Alles wird 'personalisiert', ein Horror!!!

Noch ein Gedanke zum oben genannten Beispiel der Gesichtserkennungskameras in Supermärkten:
Betritt jemand den Laden, der schon mal etwas gestohlen hat, erfolgt automatisch ein Signal an den Hausdetektiv. Durch den unbegrenzten Datenaustausch wird aber auch in jedem anderen Geschäft ein entsprechendes Signal an den Hausdetektiv gesendet. Das heißt, die betreffende Person wird überall schon im Vorhinein verdächtigt bzw. stigmatisiert. Und das kann jedem passieren, der vielleicht nur mal aus Versehen etwas nicht bezahlt hat und somit unschuldig in Verdacht geraten ist.

Wenn man verfolgt, welche Möglichkeiten heutzutage die computer- bzw. algorithmengestützte Gesichtserkennung bietet, werden vielleicht in Zukunft noch viel mehr Leute eine Burka - und nicht aus religiösen oder macho-erzwungenen Gründen - tragen. Kameras mit Gesichtserkennungsprogrammierung können mittels des Programmes Emotient bereits erkennen, was zum Beispiel der Kunde in einem Supermarkt denkt und fühlt. Das Programm misst anhand der Mimik der beobachteten Personen sieben sogenannte Primärgefühle: Ärger, Geringschätzung, Ekel, Angst, Freude, Traurigkeit und Überraschung und Mischungen dieser Emotionen. Wenn man also am Shampoo schnuppert und wegen des schlechten Geruchs das Gesicht verzieht, können es die Supermarkt-Mitarbeiter aus den Regalen nehmen. Oder wenn man über den niedrigen Preis eines Produktes frohlockt, kann der Laden die Preise erhöhen.

Für einen Wissens-, Erfahrungs- und Meinungsaustausch - was anfangs von Seniorbook als Leitlinie definiert war - braucht man kein Foto des Kommunikationspartners. Wer einen Partner sucht oder sexuelle Interessen verfolgt, dagegen sicherlich. Aber sb ist ein Kommunikationsnetzwerk, keine Partnervermittlung. Wer eine Zeitung liest, braucht ja auch kein Foto des Authors, der Textinhalt und die Textaussage sind maßgebend. Und wer eine Mail an irgend jemanden schreibt, muss dazu auch kein Bild des Empfängers vor Augen haben. Zumal man ja auch nie sicher sein kann, dass das angezeigte Profilbild aktuell ist und nicht aus der Jugendzeit des Betreffenden stammt (oder gar eine ganz andere Person darstellt).

Aber, wie man ja an der hohen Leserzahl der Bildzeitung und vieler Boulevardblätter erkennen kann, einfache Gemüter reagieren mehr auf Bilder als auf das geschriebene Wort. Zudem führt die immer mehr um sich greifende, elektronisch unterstützte Volksverdummung zu einer wachsenden Bildlastigkeit der Print- und anderer Medien. Selbst seriöse Zeitungen lockern ihre Texte durch großformatige Farbbilder auf und verschwenden so viel Platz, den sie besser durch geistvolle Texte füllen würden. Kochbücher enthielten früher ausführliche Beschreibungen von Kochrezepten, Bilder oder Zeichnungen waren eher schmückendes Beiwerk. Heute ähneln die meisten Kochbücher eher Bilderbüchern mit Zutatenlisten. Garten- und Wohnzeitschriften zeigen heute eine Vielzahl von Bildern, brauchbare Tipps oder Wissenswertes findet man nur noch ganz selten.
EIN BILD SAGT MEHR ALS TAUSEND WORTE, dieser 1921 von dem englischsprachigen Werbefachmann (!) Fred R. Barnard verfasste Spruch wird leider von vielen allzu wörtlich genommen.