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käufliche wilde Tiere

käufliche wilde Tiere

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 01.05.2015 - 18:08 Uhr

Damals kam ich mir vor wie ausgesetzt! Mitten in Berlin unter ganz vielen Menschen, abgeschnitten von der Natur und meinen geliebten Tieren. Meine Wohnung lag in einem Neubaugebiet, an einer großen Durchgangsstraße. Und doch! In dieser urbanen Einöde lebten Tiere! Meisen und Spatzen holten sich ihr Futter an meinem Fenster und eine Krähe leistete mir Gesellschaft. Sie holte sich Walnüsse von meinem Fensterbrett und flog damit zur Fußgängerampel. Dort ließ sie die Nüsse fallen und wartete darauf, dass die Reifen der Autos sie knackten. Wurde die Ampel grün für die Fußgänger, dann flog meine Krähe hinunter und sammelte die Krümel auf. Irgendwann bekam diese Krähe von meiner Tochter einen Namen verpasst. Seit dem hieß sie Rudi obwohl wir keine Ahnung hatten ob es sich tatsächlich um einen Hahn handelte. Rudi blieb scheu und ließ mich nicht an sich heran. Meine Tochter durfte sich ihm bis auf wenige Schritte nähern. Oft ließ er sich von ihr die Nüsse direkt vor die Füße werfen, wenn er über den Rasen spazierte. Wenn er keinen Hunger hatte, versteckte er die Nüsse für schlechte Zeiten. Dabei wurde er oft genug von Elvira beobachtet. Sie war eine diebische Elster und sie hatte noch weniger Vertrauen in die Menschen, als unser Rudi. Elvira machte sich einen Spaß daraus, seine Nüsse auszugraben und sie an anderer Stelle wieder zu verstecken.
Eines Tages konnten wir beobachten, wie ein Eichhörnchen die von Elvira geraubten und erneut versteckten Nüsse ausgrub und sie an anderer Stelle wieder verbuddelte. Dieses kleine rote Hörnchen war so witzig in seinem Eifer!
Irgendwann bemerkte es, dass Rudi zu uns hinauf schaute und auf neue Nüsse wartete. Es setzte sich neben ihn in Position, richtete sich auf, nahm die Vorderbeinchen hoch und schaute gemeinsam mit Rudi zu meinem Fenster hinauf. Ich warf die Nuss und war gespannt, was jetzt geschehen würde. Rudi war mit seiner langen Erfahrung dem Eichhörnchen weit voraus. Mit ein paar kurzen Sprüngen hatte er die Nuss erreicht, nahm sie in den Schnabel und flog davon. Das Eichhörnchen hatte das Nachsehen, aber ich hatte ja noch mehr Nüsse. Bereits die nächste Nuss wurde von ihm zwischen die Zähne genommen und fort geschleppt.
Am nächsten Tag waren beide Tiere zur selben Zeit wieder da und warteten auf ihr Futter. Ich sprang in den Fahrstuhl und fuhr hinunter, während meine Tochter ein paar Erdnüsse hinunter warf. Rudi kannte natürlich auch Erdnüsse, aber das Eichhörnchen machte sich nichts aus diesen komischen Dingern. Es schaute zum Fenster hinauf und wartete auf die “richtigen“ Nüsse. Ich hockte mich in seiner Nähe hin und hielt ihm eine Walnuss vor die Nase, doch es reagierte nicht auf mich. Erst als meine Tochter erneut eine Walnuss herunter warf, lief es hin – doch Rudi war schneller. Er schnappte sich auch diese Nuss, flog davon und rief dem Eichhörnchen ein höhnisches “Krah, Kraah“ zu. Ich probierte etwas anderes und ließ eine Walnuss in seiner Nähe fallen. Sofort reagierte das Eichhörnchen auf das Geräusch, kam näher, suchte mit der Nase nach der Nuss, fand sie und lief damit fort.
Wir waren fasziniert und warteten am folgenden Tag gespannt, ob das Eichhörnchen wieder kommen würde. Die Wartezeit nutzten wir mit der Suche nach einem passenden Namen. Als es dann so weit war und unser Eichhörnchen vor unserem Fenster auf Nüsse wartete, rief meine Tochter erfreut: “Flitzi sitzt unten!“ Sie öffnete das Fenster, während ich wieder in den Fahrstuhl sprang und nach unten fuhr. Dieses Mal ließ ich die Nuss direkt neben meinem Fuß fallen. Flitzi kam und nahm die Nuss, auch wenn er mich noch ein wenig misstrauisch betrachtete.
In den folgenden Tagen wurde unser Eichhörnchen immer zutraulicher. Flitzi nahm seine Nüsse aus unseren Händen und verschwand damit, so bald er sie in seinem Maul hatte. Rudi flog mit seinen Nüssen immer noch zu seiner Ampel, was mich auf die Idee brachte, die Nüsse für Flitzi zu öffnen. Ich wollte nicht, dass er einfach mit der ganzen Nuss verschwindet. Er sollte noch ein paar Sekunden in unserer Nähe bleiben. So zertrat ich die nächste Nuss, sammelte die Krümel auf und hielt ihm meine Hand hin. Er reagierte einfach wunderbar, legte seine Pfötchen auf meine Hand und machte sich genüsslich über die Krümel her. Seine “Hände“ fühlten sich ganz warm an und wenn der mit seiner kleinen Zunge über meine Hand leckte, musste ich lachen. Meine Tochter konnte ihn einfach hoch nehmen, wenn er in sein Fressen vertieft war. So bald er genug gefressen hatte, erwachte er aus seiner “Fress-Starre“, wie wir es nannten, und flüchtete vor uns auf einen Baum. Er ließ sich nie ohne Futter streicheln und meine Tochter meinte breit grinsend: “Er ist wie eine kleine Nutte! Gegen Bezahlung lässt er alles mit sich machen!“


Hier kann man Flitzi sehen

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