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Wie ich frei lebende, wilde Tiere filme

Wie ich frei lebende, wilde Tiere filme

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 16.06.2015 - 15:48 Uhr

Tiere haben mich schon immer fasziniert. Noch vor wenigen Jahren war es sehr schwierig hinaus in die Natur zu gehen und dort wilde Tiere zu filmen. Die Technik war teuer, sperrig und schwer. Außerdem war man stets auf gutes Licht angewiesen und nach der Aufnahme wusste man nicht genau ob man die Szene wirklich gut im Kasten hatte. Erst wenn der Film entwickelt war, konnte man sich freuen oder man war enttäuscht.
Heute ist es sehr viel einfacher. Man kauft sich eine Videokamera mit einem gewaltigen Zoom und einem Bildstabilisator und schon ist man gut ausgerüstet. Der Bildstabilisator macht aus den Wackelbildern, von denen jeder Zuschauer Kopfschmerzen bekommt, herrlich ruhige Bilder und der große Zoom holt auch das weit entfernte Eichhörnchen aus den obersten Zweigen der Bäume.
Jetzt bleibt nur noch eine Hürde die jeder Tierfilmer überspringen muss. Man muss die Tiere erst einmal finden, bevor man sie filmen kann.

Jeder von uns hat schon einmal Vögel beobachtet oder einen Hasen gesehen, wie er über die Wiese rennt. Hin und wieder sieht man auch mal ein Reh in der Ferne. Manch Einer hat auch schon ein Wildschwein oder einen Fuchs gesehen, aber waren alle diese Tiere nah genug für eine gute Aufnahme? Haben sie sich natürlich verhalten oder waren sie auf der Flucht?
Wie kommen wir den Tieren so nah, dass wir sie unbemerkt filmen können, ohne dass sie sich gestört fühlen? Auf den Hochsitz eines Jägers sollte man sich nicht setzen. Denn Jäger sind nicht gut zu sprechen auf Tierfilmer, die "ihre" Tiere vergrämen.

Ich habe bisher nur wenige Stunden auf dem Hochsitz eines Freundes verbracht und war doch jedes Mal enttäuscht von der schrecklichen Langeweile die mich dort oben befallen hat. Viel interessanter ist es, wenn ich mich wie ein Buschmann in der Kalahari im Pirschgang langsam und vorsichtig durch die Natur bewege. Beim Gehen versuche ich keine Geräusche zu machen und so wenig wie möglich aufzufallen. Bevor ich losgehe achte ich darauf, dass meine Kleidung nicht raschelt und die Reißverschlüsse nicht klappern. Ausgerüstet mit Proviant, Wasser, einem Messer, mehreren Kameras und viel Geduld, gehe ich ganz früh am Morgen los. Bereits vor Sonnenaufgang bin ich im Wald. Ein Stativ benutze ich eher selten. Meistens filme ich aus der Hand oder mit einem schnell geschnitzten Einbeinstativ. Ich warte also nicht passiv auf einem Hochsitz bis die Tiere zu mir kommen, ich suche die Tiere aktiv in der Natur. Im Wald bewege ich mich ganz langsam und vorsichtig. Ich versuche so wenige Geräusche zu machen, wie nur möglich. Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den Anderen und achte auf jedes Geräusch und jede Bewegung im Geäst und am Boden. Immer wieder bleibe ich stehen und lausche in den Wald. Auf der Pirsch ist es nicht wichtig wie viele Kilometer ich zurückgelegt habe. Viel wichtiger ist, dass ich die Tiere nicht vergräme und nicht frustriert, mit langen Schritten voran stapfe, nur weil ich gerade keine Tiere sehe.
Immer wieder bleibe ich stehen, mache nie mehr als zehn kleine Schritte am Stück, schaue mich um und achte auf alles um mich herum. Vögel sind oft gute Anzeiger für andere Tiere. Zetern sie aufgeregt in den Zweigen, kann es sein dass ein Marder oder ein Greifvogel in der Nähe ist. Dann heißt es, sich noch langsamer und vorsichtiger bewegen und die Augen und Ohren offen halten! Viele Vögel halten sich in der Nähe von Gewässern auf. An wilden, unberührten Bächen oder Flüssen ist die Chance besonders groß, auf Tiere zu treffen. Wenn ich eine Lichtung oder gar eine frisch gemähte Wiese im Wald entdecke, bin ich wie elektrisiert und freue mich. Dann bleibe ich hinter einem Busch oder einem Baum in Deckung und beobachten die Lichtung erst einmal für eine Weile. Sehe ich ein Tier auf der Wiese, bleibe ich in Deckung und bewege mich nicht. Steht der Wind günstig, kann es sein, dass noch nicht einmal der scheue Fuchs mich bemerkt. Habe ich genug gefilmt oder hat das Tier die Lichtung verlassen, ohne dass ich von ihm entdeckt wurde, ziehe ich mich langsam und vorsichtig zurück, ohne die Lichtung zu betreten. Die Stelle merke ich mir, für die nächste Pirsch. Oft kehren die Tiere zurück und so kann ich sie erneut beobachten. Auf Wiesen die lange nicht gemäht wurden, bin ich besonders vorsichtig. Oft liegen Rehe oder Hasen im hohen Gras und schrecken erst dann auf, wenn ich ganz nah bin und fast auf sie trete. Wiesen und Lichtungen sind auch gute Beobachtungsplätze für Vögel. Besonders wenn Eichen, Erlen, Buchen und andere Laubbäume in der Nähe stehen. Wo Spechte leben, da gibt es viele Löcher in den Bäumen. In diesen Löchern brüten auch andere Vögel. Haben ich ein solches Loch entdeckt, behalte ich es für eine Weile im Auge. Manchmal entdecke ich eine Meise oder einen anderen Vogel beim Brutgeschäft. Dann ist es wichtig genügend Abstand zu halten, um die Vögel nicht zu beunruhigen. Wenn ich bemerke, dass die Vögel immer noch aufgeregt sind, obwohl ich bereits sehr weit weg bin, dann stelle ich mein Dreibeinstativ auf und lasse die Videokamera einfach laufen, während ich mich so weit entferne, dass ich die Vögel nicht mehr störe. Zu hause freue ich mich dann an meinen Aufnahmen, aber im Wald benehme ich mich so, als wäre ich zu Gast bei Freunden.

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