Einkorn mit Spelzen und entspelzt
Einkorn mit Spelzen und entspelztFoto-Quelle: CC BY-SA 2.0 de, aus wikipedia/BMK

Urkornzauber - Gutes aber teures Brot

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Ach du Schreck! Das kleine Brot kostet über 4 Euro! Meiner Freundin und Kollegin schmeckt es besonders gut, und so habe ich das heute eben geholt. "Urkorn", schmeckt auch ganz gut. Aber das ist schon teuer...

Was hat es denn mit diesem Urkorn-Zeugsel auf sich? Ein neuer städtischer Lebensmitteltrend? Die Bäckerei heißt ja auch nicht so, sondern "Brotmanufaktur". Da muss es ja gleich mehr kosten.
Also, das sind besondere Körner. Nicht der normale Brotweizen, auf den so viele schon allergisch sind, sondern eben "Ur"alte Kornsorten. Sie sind viel weniger ertragreich: Der Agrarinformationsdienst informiert darüber, dass Einkorn nur die Hälfte der Erntemenge von Brotweizen, Emmer sogar nur ein Viertel davon liefert. Zudem haben die alten Sorten auch noch die Spelzen, und sind langhalmig. Das widerspricht der Agarindustrie und ist dem herkömmlichen Brotweizen schon abgezüchtet worden. Wahrscheinlich kreuzen sie es dann entsprechend hin, damit es künftig weniger aufhält bzw. durch Langhalmigkeit erntegefährdend durch Unwetter und dabei eiweißreicher und ertragreicher ist. Wenn frau dann noch bedenkt, dass wir ohnehin in Zeiten der Vermaisung leben, wo überwiegend eben nicht Korn, sondern Mais für die Silage in den Ställen, aus denen die Rinder nie mehr rausdürfen, und für die großen runden Kessel der Biogasanlagen angepflanzt wird - na, da brauchen wir uns auch als Laiinnen nicht wundern, warum der Urbrotzauber so teuer ist.

Aber er ist auch gut. Stimmt doch, das Brot schmeckt irgendwie anders, frisch. Deswegen mag es wohl auch die Kollegin so gerne, die außerdem immer bemüht ist, auch einigermaßen ökologisch einzukaufen. Und die alten Sorten, sagt der aid, sind einfach im Anbau und brauchen viel weniger Kunstdünger, bzw. "müssen wenig gespritzt werden." Kann deswegen unser stets so geschundener Boden schon aufatmen? Das ist doch eine wahnsinnige permanente Vergiftung unserer Lebensgrundlagen zum Ziel der Ertrags- und Verkaufssteigerung. Nun also weniger Gift, ist doch schon mal ganz gut.

Fazit: Also nicht immer, aber immer öfter Urkornbrot kaufen.


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