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Katastrophenfall im Emsland - Landkreis macht klare Ansage zu Evakuierungen und Falschmeldungen

News Team
Beitrag von News Team

Ein verheerendes Feuer tobt auf weiten Landstrichen in Niedersachsen. Nahe Meppen haben Soldaten auf einem Bundeswehr-Übungsplatz Raketen abgefeuert. Das Feuer kann seit Anfang September nicht gelöscht werden. Jetzt spitzt sich die Lage zu.

Der Landkreis Emsland hat am Freitagmorgen den Katastrophenfall ausgerufen.


Dieser Schritt sei eine wichtige Voraussetzung, um beispielsweise auch mit überörtlicher Unterstützung planen und arbeiten zu können, insbesondere wenn sich die Situation nachhaltig verschärfe, erklärte Landrat Winter. Durch aktuelle Wetterprognosen sahen sich die Behörden zu dem Schritt veranlasst.

Am Samstag, 22. September teilte der Landkreis Emsland mit:

Insbesondere mit Blick auf diverse anderslautende Medienberichte möchten wir darauf hinweisen, dass keine wesentlichen Änderungen zur bisherigen Lage vorhanden sind. Eine eventuelle Evakuierung bei einer deutlich verschärften Lage würde nach wie vor nur die Gemeinde Stavern betreffen, die Gemeinde Sögel, die gesamte Samtgemeinde Sögel oder andere Gemeinden sind von den aktuellen Vorsichtsmaßnahmen derzeit nicht betroffen.

Lungenärzte warnen vor Gesundheitsgefahr

Die deutschen Lungenärzte warnten vor Gesundheitsgefahren durch den Großbrand. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" widersprach der Sprecher des Bundesverbandes der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner, Dr. Michael Barczok, der Einschätzung der Bundeswehr, von dem Brand gehe keine Gefahr aus. "Die Rauchwolke führt zu einer massiven Feinstaubelastung und ist eine Gefahr für die Gesundheit", sagte der Lungenarzt.

Je nachdem, wie der Wind gerade stehe, sei es für Anwohner so, als ob sie sich in einen komplett verräucherten Raum setzen, sagte Barczok. "Es ist, als ob sie fünf Zigaretten gleichzeitig rauchen - nur ohne Nikotin". Schleimhäute würden auf die Feinstaubbelastung reagieren, ein Kratzen im Hals oder ein Hüsteln sind die Folge. Dass junge, gesunde Menschen dadurch einen dauerhaften Schaden erleiden, glaubt der Lungenspezialist nicht. Jedoch sei die Rauchbelastung für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD ein "echtes Problem".

In einer Pressemitteilung am Donnerstagmorgen hatte der emsländische Landrat Reinhard Winter mitgeteilt, "dass unser Fachbereich Gesundheit aktuell keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm erkennt". Der Landkreis bezog sich dabei auf die Werte der Luftmessung einer Erkundergruppe des ABC-Zuges Leer, den die Bundeswehr beauftragt hatte. Zuvor hatte auch die Bundeswehr behauptet, dass der Rauch keine Gesundheitsgefahr darstelle.

Gelände seit 1876 militärisch genutzt

Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, liegen auf dem Truppenübungsplatz möglicherweise Munitionsreste von Waffentests. Laut dem Sender wird das Gelände bei Meppen nach Angaben des Umweltministeriums seit 1876 militärisch genutzt. "Das Brandgebiet gilt offiziell als blindgängergefährdet", heißt es. Wegen der Munitionsreste werde die Feuerwehr nur am Rand des Brandgebiets eingesetzt. Die Gefahr für die Einsatzkräfte sei daher laut NDR 1 Niedersachsen niedrig. Dies führe aber dazu, dass die Löscharbeiten länger dauern.

Plan zur Evakuierung wird vorbereitet

Das Land Niedersachsen trifft aktuell Vorbereitungen zur Evakuierung Hunderter Anwohner, wie FOCUS Online am Mittwochnachmittag berichtete. Derzeit gehen die Behörden davon aus, dass es noch ein bis zwei Wochen dauern werde, bis alle Glutnester auf dem Bundeswehrgelände in Meppen erstickt sind. Der Landkreis Leer hatte am Mittwoch um 9.21 Uhr eine Katwarn-Meldung ausgelöst. Sie gilt zunächst bis morgen Mittag, 13 Uhr. Es kommt auch in Teilen des Landkreises Leer zu vermehrten Rauch- und Geruchsbelästigungen, so die Kreisverwaltung.

Moorbrand: Im Kreis Leer wurde Katwarn ausgelöst
Kreis LeerMoorbrand: Im Kreis Leer wurde Katwarn ausgelöst
Empfindlichen Personen in den betroffenen Gebieten wird geraten, den Aufenthalt im Freien zu vermeiden.

Die entstehende Rauchwolke ist gewaltig und noch in Bremen so stark vernehmbar, dass Menschen den Notruf wählen. Die Bremer wurden aufgerufen die Fenster zu schließen. Der zunehmende Süd-West-Wind sorgte für eine Ausbreitung der Flammen, wie n-TV berichtet. Nun drohe der Brand auf ein Waldgebiet überzugreifen. Mehr als 1000 Einsatzkräfte kämpfen bei Stavern gegen die Ausbreitung des Feuers, wie der NDR berichtet. Einige Bäume haben demnach bereits gebrannt, die Feuerwehr habe eine Wasserwand eingerichtet, um angrenzende Wälder zu retten.

IM VIDEO: Hunderte Notrufe wegen Moorbrand bei Meppen

In der Nacht zu Mittwoch hat der Krisenstab eine Evakuierung der Ortschaften Stavern und Sögel erwogen. Nun sollen Messwerte klären, wie stark die Luft bereits mit Rauch durchsetzt ist.

Wie der DWD auf Twitter zeigt, ist das Riesenfeuer auch aus dem All zu sehen


Der Brand breitete sich aus, weil die Bundeswehr wegen defekten Geräts das Feuer nicht sofort löschen konnte. Bei einer Lageanalyse am Dienstagabend ist die Bundeswehr vom Krisenstab nach NDR Informationen aufgefordert worden, besser über den Moorbrand zu informieren.

Naturschützer kritisieren, dass dem Brand bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Zudem wurden 250 weitere Einsatzkräfte von der Kreisfeuerwehr Emsland angefordert, um den Brand endlich unter Kontrolle zu bringen. "Man muss nun vor allem verhindern, dass der Brand auf Waldstücke übergreift", sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch zu NDR.de.

Grüne halten Schießübungen für "äußerst fahrlässig"

Filiz Polat, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, forderte bereits am Dienstag von der Bundesregierung Auskunft über die Schießübungen, die zu dem Brand geführt haben. "Vor dem Hintergrund der monatelangen Trockenheit und Hitze halte ich die Schießübungen der Bundeswehr bei Meppen für äußerst fahrlässig", sagte Polat im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Seit zwei Wochen versuchen rund 800 Einsatzkräfte der Bundeswehr, mehrerer Ortsfeuerwehren und des THW, den Brand im Moor zu löschen, bisher vergeblich. "Das Moor schwelt unterirdisch, was ein Löschen extrem kompliziert und langwierig macht. Die Einsatzkräfte werden vermutlich noch länger damit zu tun haben", sagte Polat. Experten schätzen, dass durch den Moorbrand bisher rund 500.000 Tonnen klimaschädliches CO2 freigesetzt wurden.

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