Wegen der DSGVO können Kinder in Roth ihre Wunschzettel an den Weihnachtsman ...
Wegen der DSGVO können Kinder in Roth ihre Wunschzettel an den Weihnachtsmann nicht mehr am Christbaum auf dem Marktplatz hinterlassenFoto-Quelle: Pixabay

DSGVO sorgt für nächstes Chaos - Wunschzettel-Aktion für Kinder zu Weihnachten gestoppt

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Die Umsetzung der seit Mai geltenden Datenschutzgrundverordnung treibt mitunter merkwürdige Blüten. Dieser Fall gehört ganz sicher dazu: Kinder können in diesem Jahr keine Wunschzettel mehr an dem Weihnachtsbaum auf dem Christkindlesmarkt im fränkischen Roth hinterlassen.

Die Stadtverwaltung der Kreisstadt nahe Nürnberg hat diese beliebte Advents-Aktion in diesem Jahr abgesagt. Grund: die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die die Verarbeitung personengezogener Daten regelt. Genauer: Die Befürchtung der Stadt Roth, mit den Wunschzetteln dagegen zu verstoßen - und damit eine Strafe zu riskieren.

"Die Zettel waren offen für jeden einsehbar"

"Früher haben Kinder ihre ausgefüllten Wunschzettel einfach an den Christbaum gehängt", erklärt der städtische Veranstaltungsorganisator Andreas Kowohl. Dort hingen die Wunschzettel dann den Advent über, mitten auf dem historischen Marktplatz von Roth.

"Die Zettel waren offen für jeden einsehbar", sagt Andreas Kowohl. Darauf nicht nur der Wunsch des Kindes, sondern auch Name, Alter und Adresse. "Das sind sensible Daten, die können wir nicht einfach so weitergeben."

Denn genau das passierte in der Vergangenheit mit den rund 4000 Wunschzetteln, die in Roth jedes Jahr zusammen kamen: Die Stadt hat die Zettel an diejenigen Partner und Sponsoren weitergegeben, die bei der Erfüllung des jeweiligen Wunschs behilflich sein konnten. An die Buchhändler etwa, wenn ein Buchwunsch auf dem Zettel stand. Oder an die Polizei, wenn der Herzenswunsch eine Fahrt im Polizeiauto war.

"Wir wollen unkomplizierte Lösung"

Um in Sachen Datenschutz auch der neuen Verordnung gemäß auf Nummer sicher zu gehen, fragten die Marktveranstalter bei dem städtischen Datenschutzbeauftragten nach. Antwort: Um nicht gegen die Datenschutzgrundverordnung zu verstoßen, müssten die Kinder mehrere kleinbedruckte DIN A4-Seiten voller juristischer Formulierungen ausfüllen. "Das können die Kinder ja gar nicht", sagt Andreas Kowohl von der Stadt Roth. "Und das wollen auch wir nicht - wir wollen eine unkomplizierte Lösung."

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Doch die sei in der Kürze der Zeit nicht mehr auf die Beine zu stellen, der Christkindlesmarkt in Roth beginnt in der kommenden Woche.

Bis zum Advent 2019 soll nun eine neue, datenschutzkonforme Lösung her, damit Rother Kinder im kommenden Jahr wieder Wunschzettel an den Christbaum hängen können, sagt Andreas Kowhol: "Denn die Aktion hat ja auch den Reiz des Marktes ausgemacht."

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