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Das Mehrgenerationenhaus – Längst überholt oder ein zukunftsweisendes Konzep ...
Das Mehrgenerationenhaus – Längst überholt oder ein zukunftsweisendes Konzept?Foto-Quelle: Iakov Filimonov

Das Mehrgenerationenhaus – Längst überholt oder ein zukunftsweisendes Konzept?

Service Tipp
Beitrag von Service Tipp

Während es früher ganz normal war, dass mehrere Generationen zusammen unter einem Dach lebten, ist diese Wohnform heute nur noch selten anzutreffen. Diese Entwicklung ist insofern verwunderlich, als dass das gemeinsame Leben verschiedener Generationen in einem Haus allen Betroffenen zahlreiche Vorteile bietet. Welches diese sind und warum sich trotzdem so viele Menschen nicht für das Projekt „Mehrgenerationenhaus“ begeistern können, weiß der folgende Artikel.

Die Vorteile des gemeinsamen Lebens in einem Mehrgenerationenhaus

Entscheiden sich mehrere Generationen zusammen ein Haus zu beziehen, bietet das den Vorteil, dass sie sich die Kosten teilen können. Dies ist besonders dann interessant, wenn es sich um den Bau eines neuen Hauses oder den Kauf einer Immobilie handelt. Doch auch, wenn zur Miete gewohnt wird, können zum Beispiel die Nebenkosten geteilt werden.
Auch Dinge wie Einkaufen können alle gemeinsam erledigen. Wird dann noch für alle gekocht, was zum Beispiel die Großeltern übernehmen können, spart dies ebenfalls Geld und außerdem Zeit.
An diesen Aspekt schließt auch der weitere große Vorteil des Mehrgenerationenhauses an. Die Bewohner können sich gegenseitig unterstützen. So können die Großeltern auf die Enkel aufpassen und sich beispielsweise um die Gartenarbeit kümmern, wenn die Eltern an der Arbeit sind. Die Eltern und die Enkel wiederum unterstützen die Großeltern, wenn es ihnen gesundheitlich nicht gut geht oder sie Hilfe im Haushalt benötigen.
Gerade wenn die Großeltern bereits Rentner sind, gibt ihnen diese Verantwortung das Gefühl, gebraucht zu werden. Sie haben eine Aufgabe und können aktiv zum Wohl der ganzen Familie beitragen. Es ist erwiesen, dass die meisten Menschen, sowohl körperlich als auch geistig, länger fit bleiben, wenn sie täglich gefordert werden und sich einbringen müssen. Ein Beitrag auf Immobilienscout weist zudem darauf hin, dass Erdgeschosswohnungen sich vor allem für ältere oder eingeschränkte Personen eignen. In diesem Fall würden also die Großeltern das Erdgeschoss beziehen, während Eltern und Kinder im ersten Stock leben. Verfügt das Haus über eine weitere Etage oder kann der Dachboden ausgebaut werden, können die Kinder sich später dort ihr eigenes Reich einrichten.
Die Eltern wiederum werden in Punkto Kinderbetreuung und Haushaltsführung entlastet und können sich voll und ganz auf ihre beruflichen Ziele konzentrieren. Sie wissen ihren Nachwuchs in guten Händen und können so ihre ganze Aufmerksamkeit dem Beruf widmen.
Auch die Enkel profitieren von dieser Regelung. Sie können kostbare Zeit mit ihren Großeltern verbringen und von deren Erfahrungsreichtum profitieren. Eine Win-Win Situation für alle, wie es scheint. Warum aber entscheiden sich dennoch so wenige Familien für diese Art des Zusammenlebens?

Die Nachteile des gemeinsamen Lebens in einem Mehrgenerationenhaus


Der Hauptgrund, warum sich viele gegen ein Mehrgenerationenhaus entscheiden, ist wohl die fehlende Privatsphäre. Nicht jeder kommt dauerhaft gut mit den eigenen Eltern oder Schwiegereltern zurecht. Einmischung in Erziehungsfragen, unterschiedliche Auffassungen über die Haushaltsführung oder der Lebenswandel sind häufige Konfliktpunkte zwischen den Generationen.

Wichtig ist vor allem, dass jede Partei ihre eigene Wohnung hat. So besteht zumindest eine gewisse räumliche Trennung und die Eltern können sich auch mal mit ihren Kindern zurückziehen, ohne dass die Großeltern ständig anwesend sind. Gleiches gilt natürlich für die Großeltern, auch diese brauchen hin und wieder eine Pause von den lärmenden Enkeln.
Auch, wenn das Verhältnis zwischen den einzelnen Familienmitgliedern sehr innig ist und jeder seinen getrennten Bereich bewohnt, sind klare Absprachen unerlässlich. In einem ehrlichen Miteinader darf jeder auch mal sagen, wenn er sich von etwas gestört fühlt oder einfach mal seine Ruhe haben möchte, ohne dass ihm dies übel genommen wird. Die Ausgewogenheit zwischen Geben und Nehmen ist ebenfalls entscheidend. Hat eine Partei das Gefühl, mehr für die Familie zu tun, als diese ihr zurückgibt, kommt es schnell zu Unzufriedenheit und gegenseitigen Vorwürfen.

Fazit:


Nicht jeder ist für das Zusammenleben in einem Mehrgenerationenhaus geschaffen und deshalb ist es wichtig, diesbezüglich ehrlich zu sich selbst zu sein. Personen, die ihre Privatsphäre sehr schätzen und ein unabhängiges Leben bevorzugen, werden in einem Mehrgenerationenhaus wahrscheinlich auf Dauer nicht glücklich werden. Besteht hingegen eine enge Familienbande und sind alle Beteiligten freiwillig bereit, ihre eigenen Bedürfnisse hin und wieder dem Wohle der Gemeinschaft unterzuordnen, kann das Projekt Mehrgenerationenhaus sehr gut funktionieren und für alle Familienmitglieder eine echte Bereicherung sein.
Übrigens: Es muss nicht immer die eigene Familie sein, mit der ein Haus geteilt wird. Mehrgenerationenhäuser können auch aus einem Zusammenschluss verschiedener Familien bestehen. Dieses Modell verfolgt zum Beispiel das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und hat dazu eine eigene Website ins Leben gerufen, die unter http://www.mehrgenerationenhaeuser.de/ zu erreichen ist. Wer sich also nicht vorstellen kann, das Haus mit den eigenen Eltern zu teilen, dem Modell des Mehrgenerationenhauses grundsätzlich aber positiv gegenübersteht, kann sich auf diese Weise in eine Hausgemeinschaft einbringen.