Auch der Versuch ist strafbar
Auch der Versuch ist strafbarFoto-Quelle: Susanne Schmich / www.pixelio.de

Der beste Schutz ist eine wachsame Nachbarschaft

Sozialverband VdK Bayern e.V.

Wie sich Mieter und Hausbesitzer gegen Dämmerungseinbrüche schützen können – Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle gibt Tipps


Sie kommen im Schutz der Dunkelheit, spähen Häuser aus und hebeln Fenster und Türen auf: Dämmerungseinbrecher haben in den Herbst- und Wintermonaten Hochsaison. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Straftaten stark zugenommen. Die Polizei gibt Tipps, wie man sich vor Einbrechern schützen kann und wie man sich verhalten sollte, wenn man verdächtige Beobachtungen macht.

Seit 2009 ist in Deutschland die Zahl der Wohnungseinbrüche stark angestiegen. Im vergangenen Jahr wurde hierzulande fast 150.000-mal eingebrochen, das bedeutet eine Steigerung von 3,7 Prozent. Vor allem in der dunklen Jahreszeit haben es die Täter leicht, in ein Haus oder eine Wohnung einzudringen und ungesehen wieder zu verschwinden.

Über das Erdgeschoss

Einbrecher machen keinen Unterschied zwischen Ein- und Mehrfamilienhäusern. Allerdings spielt es eine große Rolle, ob die Nachbarschaft das Verbrechen beobachten könnte. „In den meisten Fällen dringen Täter über leicht erreichbare Fenster und Terrassentüren des Erdgeschosses in Wohnungen und Häuser ein“, erklärt Kriminalhauptkommissar Wolfgang Trespe, beim Bayerischen Landeskriminalamt zuständig für das Sachgebiet Prävention. Oft sei dieser Bereich des Hauses durch Bäume und Sträucher schlecht einzusehen.

In Mehrfamilienhäusern würden Einbrecher auch über das Treppenhaus kommen und die Wohnungstür aufbrechen, so Trespe. Das könne auch Wohnungen in oberen Stockwerken betreffen. „Schon einfache Verhaltensmaßnahmen können das Einbruchsrisiko erheblich reduzieren“, weiß der Fachmann. Selbst wenn man nur kurz unterwegs ist, solle man vor Verlassen der Wohnung alle Türen und Fenster schließen. „Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, warnt Treske.

Riskant sei es, den Wohnungsschlüssel außerhalb des Hauses zu verstecken, beispielsweise im Garten oder unter dem Treppenabsatz. Auch ein verloren gegangener Schlüssel dürfe nicht einfach ersetzt werden. Stattdessen solle man den gesamten Schließzylinder austauschen, rät der Kriminalhauptkommissar. „Der wirksamste Einbruchschutz sind nach wie vor wachsame Nachbarn“, weiß Christoph Reichenbach von der Pressestelle des Polizeipräsidiums München. Er empfiehlt, vor einer Reise vertrauenswürdige Nachbarn zu informieren und sie zu bitten, auf die Wohnung oder das Haus aufzupassen. Zudem sei es hilfreich, die Räume mit Zeitschaltuhren auszustatten, die die Lampen in den Zimmern an- und ausknipsen: „So macht Ihre Wohnung einen bewohnten Eindruck, und die Gefahr eines Einbruchs wird verringert.“

Laut Polizei seien Einbrecher erfahrungsgemäß in den wenigsten Fällen gut ausgerüstete Profis. Meist handle es sich um Gelegenheitstäter, die sich oft schon durch einfache, aber wirkungsvolle und sichtbare technische Sicherungen abhalten ließen. Denn je besser ein Haus oder eine Wohnung geschützt sei, desto länger dauere die „Arbeitszeit“ und damit steige das Risiko, entdeckt zu werden.

Türen und Fenster sichern

Türen können zum Beispiel durch Einsteckschlösser mit Profilzylindern oder Querriegelschlössern gesichert werden. Auch Fenster und Rollläden lassen sich einbruchsicher ausstatten. Kostenlose Tipps erteilt jede kriminalpolizeiliche Beratungsstelle. Im Rahmen der Beratung sind Adressen von Herstellern, die geprüfte einbruchhemmende Fenster und Türen anbieten, sowie von Fachfirmen für die Nachrüstung erhältlich.

Wenn bereits eingebrochen wurde, so Reichenbach, haben die Besitzer, die eine Liste und Fotos ihrer Wertgegenstände erstellt haben, größere Chancen, dass diese wiedergefunden werden. Wenn eine dazugehörige Seriennummer oder sonstige individuelle Kennzeichnung vorhanden sind, sei es wichtig, diese ebenfalls zu notieren und der Kripo mitzuteilen. Da nach einem Einbruch auch immer die Spurensicherung kommt, darf man am Tatort auf keinen Fall etwas anfassen oder verändern, warnt Reichenbach. Auch ein aufgebrochenes Fenster oder eine Wohnungstür sollten nicht wieder geschlossen werden, um eventuelle Spuren nicht zu verwischen.

Doch soweit muss es erst gar nicht kommen. Einbrecher benehmen sich oft schon im Vorfeld verdächtig, beobachten die Umgebung oder fahren sehr langsam am Haus vorbei. Wird eine Tür oder ein Fenster gewaltsam geöffnet, sind auch oft Klirr- oder Bohrgeräusche zu hören oder eine Alarmanlage wird ausgelöst. „Sollten Sie eine verdächtige Wahrnehmung in Ihrer Umgebung, am eigenen Haus oder in der Nachbarschaft machen, zögern Sie nicht und alarmieren Sie unverzüglich die Polizei. Rufen Sie sofort die Notrufnummer 110 an und teilen Sie Ihre Beobachtungen mit“, betont Reichenbach. Bekannte oder Freunde solle man erst anschließend informieren, denn sonst verstreiche wertvolle Zeit. Sollte sich herausstellen, dass an den Beobachtungen nichts dran war, ziehe ein Notruf keinerlei Konsequenzen nach sich, versichert Reichenbach. „Die Polizei kommt lieber einmal umsonst als einmal zu spät.“

Infos

Weitere Infos gibt es auch im Internet. Die kostenlose Broschüre „Ungebetene Gäste. Sicher wohnen – Einbruchschutz“ etwa hilft Bürgerinnen und Bürgern, sich vor Eindringlingen zu schützen. Leicht machen sollte man es den Einbrechern nämlich nicht. Doch wie lassen sich Wohnung oder Haus am besten sichern? Auf 40 Seiten erfährt man knapp und verständlich, welche sicherheitstechnische Ausstattung für Türen, Fenster und Rollläden sowie für Innenräume empfohlen wird. Auch landläufige Irrtümer über typisches Verhalten von Einbrechern werden ausgeräumt. Erhältlich ist das Infoblatt als Download im Internet unter www.polizeiberatung.de/themen-und-tipps. Die Druckversion der Broschüre kann per E-Mail bestellt werden: info@polizei-beratung.de (Annette Liebmann)

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