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Eisheilige sorgen im Mai oft für Abkühlung

Eisheilige - Was ihr über die Kalte Sophie und Frost im Mai wissen müsst

Von News Team - Freitag, 26.04.2019 - 19:48 Uhr

Frühlingsgefühle? Das war gestern. Selbst im Wonnemonat Mai verderben uns frostige Tage gerne mal das Wochenende - und den Spaß an der Gartenarbeit. Weshalb kommt es zu diesen Kälteeinbrüchen? Und was haben die Eisheiligen damit zu tun?

Fallen die Temperaturen nach schönen April-Wochen im Mai abrupt gegen Null, so ist das ein geradezu zwangsläufiges Wetterphänomen für die geografische Lage Zentraleuropas. Weshalb?

Die kräftige Frühjahrs-Sonne erwärmt den Boden des Kontinents. Warme Luft, wir wissen es vom Kochen, steigt nach oben. Westlich und nördlich umzingeln winterlich kalte Atlantikwasser den aufgeheizten Kontinent. Aus den Temperatur-Gegensätzen von Wasser und Erde formieren sich Tiefdruckgebiete.

Im Video | Woher kommen die Namen der Eisheiligen?

Nun kommt eine meteorologische Grundregel ins Spiel: Tiefs drehen sich auf dem Globus links herum. Sie wirken wie riesige Propeller, saugen an ihrer Westflanke frostige Polarluft an und blasen sie über Mitteleuropa. Prompt sinken die Boden-Temperaturen in den Keller. Im Prinzip läuft dieser Mechanismus während des ganzen Jahres ab, aber nicht so extrem wie im Mai, weil im Jahreslauf auch die Meere auf Temperatur kommen.

Praktische Bauernregeln 

Und was haben nun die Heiligen mit diesem Wettergeschehen zu tun? Lange vor den modernen Wetteraufzeichnungen beobachteten Generationen von Bauern, Lehrern, Priestern über Jahrhunderte die Wetterveränderungen. Und bemerkten tatsächlich, dass im Mai, um die Monatsmitte, die Temperaturen oft noch einmal deutlich abfallen, danach aber mit Frost kaum noch zu rechnen ist. Lesen und Schreiben war damals nicht jedermanns Sache - so merkte man sich Regeln oft in Versform und verknüpfte sie mit dem damals allseits vertrauten Heiligenkalender.

Mitte Mai befinden sich die Gedenktage für die Heiligen Mamertus (11.), Pankratius (12.), Servatius (13.), Bonifatius (14.) und Sophie (15.) - genau in jenem Zeitraum, wo's noch mal kalt werden kann. Verständlich, wenn man diesen christlichen Märtyrern aus dem vierten und fünften Jahrhundert irgendwann einmal den Beinamen "Eisheilige" gab und Sophie gar zur Kalten Sophie ernannte.

Der Landmann merkte sich:

- Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai.

- Vor Nachtfrost du nicht sicher bist - bis Sophie vorüber ist.

- Pflanze nie vor der Kalten Sophie.

Neuer Kalender von Papst Gregor

Nun kommt aber eine Komplikation ins bewährte Regelwerk. 1582 genehmigte Papst Gregor XIII. einen neuen Kalender. Er beseitigte die aufgelaufenen Fehler des vorherigen Julianischen Kalenders, indem in einem Jahr einfach 11 Tage gestrichen wurden. Mit gravierenden Folgen für unsere Eisheiligen: Ihre Gedenktage befanden sich nun elf Tage vor dem gewohnten Kälteeinbruch. Lange rechnete man im Römischen Reich mit beiden Jahreszählungen parallel; erst 1752 passten sich auch die letzten protestantischen Herrschaftsgebiete an Gregors dann nicht mehr neuen Kalender an.

Falsche Eisheilige

Seitdem sind unsere Eisheiligen eigentlich gar keine mehr und besonders der "Kalten Sophie" wird bis in unsere Zeit Unrecht getan; man sollte sie in den gewöhnlichen Heiligenstatus zurückversetzten. Die wahren Übeltäter finden sich die erwähnten 11 Tage später im Heiligenkalender: Julia, Aemilius, Servulus, Sara und Phillip. Tatsächlich sind laut Wetterstatistik Tage mit häufiger Nord- bzw. Nordostwetterlage, die Kaltluft bringen, etwa vom 21. bis zum 23. Mai.

Welche Schlussfolgerung muss der Hobbygärtner nun aus der Eisheiligen-Regel ziehen? Eigentlich keine, zumindest keine sichere. Bis in die letzte Mai-Dekade kann bei freiem Himmel schon mal eine milde Frostnacht über ungünstige Lagen hereinbrechen. Es ist also wie im Lotto: Wer an sein Glück glaubt, bepflanzt seine Beete und stellt auch schon die Balkonkästen auf, notorische Pessimisten dagegen warten noch etwas.

Tipp

Diese Pflanzen vertragen bis minus 3 Grad: Blattsalate, Kohlrabi, Radieschen, Zwiebeln, Schnittlauch, Pelargonien (Geranien), Surfinien. Anfälliger sind: Tomaten, Gurken, Zucchini, Bohnen, Basilikum, Dahlien, Begonien, mediterrane Kübelpflanzen.

Text: Gerd Spiegel

4 Kommentare

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Hier im äussersten Südwesten (Baden) haben wir seit ein paar Tagen höchst unangenehmes und unbeständiges Wetter. Heute waren es nur 12 Grad, etwas Sonne, VIIEL Regen und auch Hagel.
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Hallo Gerd, sehr guter Beitrag......Meinst Du dass es wirklich auch dieses Jahr noch einmal Nachtfröste gibt, hier bei mir im Raum Berlin/Brandenburg ? Schönes WE, Marion
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ach ja... die kalte sophie... mein garten und ich haben das für uns ganz gut geregelt, wir lassen der natur seinen lauf... da darf sogar sophie zu besuch kommen...
Bei unser am freitag in 5 minut mein gärten war wie eine urakan war da ,,die tomaten dahlie paprika war alles gekokte ,,nuhr disser ecke ist nicht passir,,
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