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Anklage im "Knöllchen"-Streit : Familie verprügelt Polizisten - Doch von wem ...

Anklage im "Knöllchen"-Streit : Familie verprügelt Polizisten - Doch von wem ging die Gewalt aus?

News Team
17.03.2017, 15:07 Uhr
Beitrag von News Team

Im November 2016 eskalierte ein "Knöllchen-Streit" in Düren. Ein Familienclan soll sich damals eine brutale Auseinandersetzung mit Polizisten geliefert haben, bei der zehn Polizeibeamte zum Teil schwer verletzt wurden.

Die Staatsanwaltschaft klagte die Familienmitglieder wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte an. Doch jetzt gibt es gibt es offenbar Zweifel an der Version der Polizei.

"Focus Online" sprach mit Thomas F., einem der Angeklagten. Dieser beteuerte, dass seine Familie keinerlei Gewalt gegen die Polizisten angewendet habe. Stattdessen sollen die Polizisten durch aggressives Verhalten, die Eskalation der Situation verursacht haben. Nun steht Aussage gegen Aussage.

Aussage der Staatsanwaltschaft


Ein Ordnungsmitarbeiter verteilte am Mittag des 12. November 2016, Strafzettel in einer Dürener Straße. Der 48-jähriger Ömer F., der gerade die Reifen seines Autos wechselte, soll den Ordnungsmitarbeiter übel beleidigt und massiv bedroht haben. Mehrere Söhne von Ömer F. seien hinzugekommen.

Aus Angst habe der Kontrolleur die Polizei um Verstärkung gebeten. Die herbeieilenden Polizisten seinen schließlich von F. und seinen Söhnen bedroht und angegriffen worden. Thomas F., der 28-jährige Sohn von Ömer F., soll mehrere Beamte mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Einem Polizisten soll er mit einem Radmutterschlüssel die Augenhöhle gebrochen haben.

Auch Ömer F. soll versucht haben, die Beamten mit dem Werkzeug anzugreifen. Nachdem Thomas F. im Haus verschwand, soll dessen Bruder Marko am Tatort erschienen und ebenfalls nach dem Radmutterschlüssel gegriffen haben. Der 27-Jährige soll drei Beamte verletzt haben. Anschließend wollte er flüchten. Die Beamten konnten ihn jedoch stellen, worauf hin Marko F. versucht haben soll, einen Beamten mit einem Kopfstoß zu verletzen.

Aussage des Angeklagten


Die Aussage des Beschuldigten Thomas F. beschreibt jedoch eine komplett andere Situation. Gegenüber "Focus Online" sagte der Angeklagte, dass sein Vater Ömer F. nur verhindern wollte, dass sein Nachbar einen Strafzettel bekomme. Der Sohn selbst sei nebendran gestanden.

"Mein Vater war überhaupt nicht aggressiv. Er hat gefragt: Ist das wirklich nötig, am Samstag wegen einer Lappalie einen Strafzettel zu verteilen", so Thomas F.
Daraufhin habe der Ordnungsmitarbeiter die Polizei gerufen. Warum dieser sich bedroht gefühlt habe, wisse F. nicht.

Ömer F. haben den herbeieilenden Polizisten die Situation erklären wollen. Die Beamten seien jedoch gleich sehr aggressiv aufgetreten und hätten Ömer F. angeschrien und überhart durchgegriffen. Die Polizisten sollen Ömer F. an die Wand gedrückt und mit Pfefferspray bedroht haben. Drei weitere Beamte sollen auf den 15-jährigen Bruder Lukas F. losgegangen sein, obwohl dieser völlig unbeteiligt gewesen sei.

Als Thomas F. seinem Bruder zu Hilfe kommen wollte, soll die Polizisten ihn mit Pfefferspray besprüht haben. Thomas F. habe sich dann in die Wohnung gerettet, sich gewaschen und sei über den Garten geflohen. Zu keinem Zeitpunkt will er einen Polizisten geschlagen, geschweige denn einen Radmutterschlüssel eingesetzt haben. Anwalt Christian Franz sagte zu "Focus Online": "Mein Mandant ist offensichtlich verwechselt worden."

Thomas F. sagte zudem, dass kein Familienmitglied die Polizei mit dem Radmutterschlüssel angegriffen habe. Vielmehr habe seine Mutter, das Werkzeug von der Straße aufheben wollen, um es aus dem Weg zu räumen. Ihr Sohn Marko habe ihr dabei helfen wollen, was die Polizei jedoch verbot. Obwohl sich Marko an die Anweisung gehalten haben soll, sollen ihn die Beamten mit Pfefferspray besprüht haben. Marko habe versucht zu fliehen, sich aber nach wenigen Metern ergeben. Dennoch sei er von den Polizisten verprügelt worden.

Doch woher kommen die teilweise schweren Verletzungen der Polizisten? Thomas F.s gab an, dass mehrere Beamte durch das viele Pfefferspray selbst die Orientierung verloren hätten und gegen Straßenschilder gerannt seien.

Hat die Polizei Zeugen beeinflusst?


Die Staatsanwaltschaft führt in ihrer Anklage zwar 60 Zeugen (Polizeibeamte und Anwohner) auf, die die Vorwürfe gegen den Familienclan bestätigten. Zudem gebe es Indizien, wie eine Sprachnachricht und ein medizinisches Gutachten, die die Familie belasten.

Der Anwalt von Thomas F. habe jedoch mit rund einem Dutzend weiterer Zeugen gesprochen, die alle die Version der Angeklagten stützen würden. Die Namen dieser Zeugen wolle der Verteidiger jedoch nicht preisgeben. Er befürchte eine Einflussnahme der Polizei.

Die hat es offenbar schon gegeben. "Focus Online" hat nach eigenen Berichten mit zwei Zeugen gesprochen, die zusahen, als Marko S. von den Polizisten angegangen wurde.

"Sechs bis sieben Polizisten sind auf ihn los. Sie haben auf ihn eingetreten, als ob er ein Fußball wäre. Einer der Polizisten hat ihn mit vollem Anlauf getreten. Sie haben Pfefferspray eingesetzt, mit Knüppeln geprügelt und ihn auf den Boden gedrückt. Er hat gewinselt: 'Hört auf, mein Kopf, mein Kopf'", so Zeuge Christoph R.

Christoph R. habe diese Aussage auch gegenüber der Polizei getätigt. Daraufhin soll die vernehmende Polizeibeamtin geantwortet haben. "Dann können wir sie ja von der Liste streichen." Der Zeuge vermutet, dass er beim Prozess nicht aussagen soll, weil seine Version der Polizei nicht passe.

Auf Anfrage von "Focus Online" sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, man nehme alle Zeugenaussagen ernst, gehe aber von einer "partiellen Wahrnehmung" aus.

Was wirklich geschah und welche Version der Wahrheit entspricht soll jetzt in einem Prozess geklärt werden. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Ömer F. und seine Söhne Thomas F. und Marko F. erhoben. Während die Söhne nicht mehr in Haft sind, sitzt Ömer F. seit November im Gefängnis.

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