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Das enttarnte Christkind

Das enttarnte Christkind

05.12.2016, 08:53 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Das enttarnte Christkind.

Als meine Kinder klein waren, kam mein Mann regelmäßig als Nikolaus verkleidet ins Haus, solange bis sie fragten: „warum ist Papa nie da, wenn der Nikolaus kommt“ und dabei schon verschmitzt lachten.

„Na gut, wartet ab“, dachte ich mir, wartet was Weihnachten passiert.

Die Kinder glaubten damals noch an das Christkind, das ihnen die Gaben am heiligen Abend überbringe und so entschloss ich mich, ihnen als Christkind zu erscheinen.

Ich bastelte mir eine Perücke aus Watte mit Goldenem Stirnband und Stern vorne drauf, nähte in Windeseile ein Gewand aus weißen Bettlaken mit goldenen Bändern und Gürtel verziert. Überall Glitter und Flimmer drauf. Mein Gesicht schminkte ich christkindmäßig mit ganz roten Bäckchen (was in meinem Alter von 32 schon mehr Backen waren) , roter Mund, goldene Augenbrauen, kurz ich sah eher aus wie für Karneval vorbereitet, indes hoffte ich, die Kinder mögen mich nicht erkennen.

Heiligabend 16 Uhr klingelte das Glöckchen und die Kinder durften endlich ins Wohnzimmer, wo der Baum festlich geschmückt war. Sie freuten sich sehr über den schönen Baum, stellten aber fest dass kein Geschenk darunter lag. Die erste Frage an ihren Vater war „gibts keine Geschenke“?

Er antwortet „das Christkind hat heute viel zu tun und will euch selbst besuchen aberwenn ihr brav ward, bringt es euch auch Geschenke mit“.
Oje, hatten wir die Jungs auf die Folter gespannt bis endlich, 10 Minuten später, das Christkind klopfte und hereintrat.

Große Augen schauten mich an und konnten es kaum fassen, dass das Christkind selbst mal zu ihnen kam. Ich sprach dann mit verstellter Stimme zu den Kindern, fragte sie allerlei und dann mussten sie ein Lied singen, was sie auch mit unserer Unterstützung taten.
Ich, das Christkind, überreichte jedem dann endlich das heißersehnte Geschenk und verabschiedete mich, weil ich ja noch ganz viele Kinder besuchen musste.

Als ich mich umgezogen hatte und vom angeblichen Hundespaziergang zurückkam, sagte mein vierjähriger;“ Mama, das Christkind war hier und hatte deine Armbanduhr an und warum hast du denn so rote Flecken im Gesicht?!“
Wir lachten alle und von da an, kam weder der Nikolaus noch das Christkind persönlich bei uns vorbei.

Als ich vorschlug meinem Enkel als Christkind zu erscheinen, winkten seine Eltern dankend ab und meinten: „Wir belügen unser Kind nicht, wir sagen ihm, dass es kein Christkind und keinen Weihnachsmann gibt“. Schade, ich fand es eine spannende Zeit, als ich noch daran glauben konnte.

Ein fröhliches Weihnachtsfest für euch alle.

37 Kommentare

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Eine schöne Geschichte Dorothea, aber meine Jugend denkt genau so wie Deine.. einerseits verstehe ich sie, andererseit, schade drum..
nur der Nikolaus stellte trotzdem die Stiefel vor die Tür.. gut gelle..

Danke für diese Geschichte und einen schönen Tag
  • 08.12.2016, 10:18 Uhr
  • 1
Danke fürs Lesen und dir auch einen schönen Tag
  • 08.12.2016, 12:18 Uhr
  • 1
Danke Dorothea
  • 08.12.2016, 12:22 Uhr
  • 0
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Schade das so gedacht wird, wenn alle Eltern so denken geht diese schöne Tradition auch verloren.
Ich mag die Magie und das Geheimnisvolle in der Vorweihnachtszeit.
  • 08.12.2016, 00:35 Uhr
  • 3
Das mag ich auch, Michaele
  • 08.12.2016, 04:59 Uhr
  • 1
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Es ist kein Belügen
Kinder glauben nur zu gerne an magische Gestalten und Dinge, bis zu einem gewissen Alter.
Sie erfinden sie ja sogar selbst
  • 07.12.2016, 19:05 Uhr
  • 3
So sehe ich das auch
  • 07.12.2016, 19:08 Uhr
  • 1
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das lesen hat mir spaß gemacht, dorothea, schön. ich mag dieses geheimnisvolle, diese rituale in der advents- u weihnachtszeit auch sehr.
  • 07.12.2016, 17:34 Uhr
  • 1
Dankeschön, Sr Inge, das Schreiben hat mir auch viel Spaß gemacht und ich denke gerne an die schönen Zeiten zurück.
  • 07.12.2016, 17:35 Uhr
  • 1
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Kannst Du Dich noch an die Emotionen erinnern, die in Dir aufgestiegen sind, wenn Du als Kind das Gedicht "Von drauß´vom Walde komm ´ich her..." gehört oder gelesen hast?

Ich werde dieses Jahr auch wieder vorlesen aus dem dunkelgrünen Buch von Theodor Storm.
Vielleicht gelingt es mir, Weihnachtsstimmung zu verbreiten.
  • 06.12.2016, 20:54 Uhr
  • 1
Das schaffst du schon . Was sich auch dafür sehr gut eignet, sind die Geschichten von Peter Rossegger "Als ich die Weihnachtsfreude holen ging" usw. Ich liebe diese Geschichten vom Waldbauernbub
  • 06.12.2016, 20:57 Uhr
  • 0
Mich würde interessieren, wie Du als kleines Mädchen den Advent, die Vorfreude und dann das große Ereignis der Christmette und nicht zuletzt dann den Weihnachtsbaum mit den Wachskerzen und den Geschenken wahrgenommen hast.
Vielleicht verrätst Du es uns in einer weiteren Geschichte? Es ist ja noch genügend Zeit dazu.
Dein liebstes Weihnachtsgeschenk?
  • 06.12.2016, 21:08 Uhr
  • 1
Vielleicht mache ich das noch. Aber das liebste Weihnachtsgeschenk war eine Schildkröt-Puppe mit echten Haaren. Die habe ich so sehr geliebt.
  • 06.12.2016, 21:11 Uhr
  • 1
An solche Puppen kann ich mich auch noch entsinnen. Das Schildkröt- Emblem war ihnen in den Nacken geprägt.

Und in der Schamgegend war der Hügel leicht angedeutet.

Das Material war Bakelit - ein Isomer , das auch als Isoliermaterial in der Elektrotechnik eingesetzt worden ist.

Die Puppen waren mit Strickkleidchen und Seidenunterhöschen bekleidet.
  • 06.12.2016, 21:24 Uhr
  • 1
Meine war besonders schön. Meine Mutter muss lange dafür gespart haben, eine Echthaarpuppe hatte niemand, ausser mir.
Die trug ein weisses Kleid mit roten und rosa Tupfen und hatte so dunkle Haare, wie ich auch.
  • 06.12.2016, 21:28 Uhr
  • 0
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danke für die schöne Weihnachtsgeschichte wize.life-Nutzer
  • 06.12.2016, 09:17 Uhr
  • 1
Danke fürs Lesen, Karin
  • 06.12.2016, 21:04 Uhr
  • 0
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Dankeschön. Das habe ich sehr gern gelesen.
Nur so können wir das ganz Besondere, das Zauberhafte und Geheimnisvolle der Weihnachtszeit bewahren
  • 06.12.2016, 08:55 Uhr
  • 1
Ja, das finde ich auch. Wir sollten uns das bewahren, bis in hohe Alter.
  • 06.12.2016, 08:58 Uhr
  • 1
...und vor allem weitergeben an die Generationen nach uns
  • 06.12.2016, 09:10 Uhr
  • 1
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einfach schön ..Dorothea...
und ich glaub`, wenn man solche Fröhlichkeit , Geheimnisvolles , Feierliches damit verbindet , bleibt Weihnachten immer ganz besonders..
So ist es bei mir auch und auch bei meinem Sohn ...selbst wenn wir uns lange nicht sehen aus Entfernungsgründen , ist es ihm jedes Jahr wichtig , dass wir an Weihnachten zusammen sind und Stress, Hektik , Konsumzwang hat gar keine Chance bei uns ...
Fröhliche , feierliche Weihnachten wünsche ich ..
  • 06.12.2016, 08:09 Uhr
  • 2
Danke Ellen, dir wünsche ich ebenfalls eine fröhliche und liebevolle Weihnachten mit deinem Sohn.
  • 06.12.2016, 08:27 Uhr
  • 1
Danke Dorothea und etwas hab ` ich heute Morgen in einem Gutenachtbuch gelesen ...
"Nimm Dir die Zeit , die stillen Wunder zu feiern ,
die in der lauten Welt keine Bewunderer haben ..."...Verf. unbekannt..
  • 06.12.2016, 08:34 Uhr
  • 1
Wie schön, Ellen. Ich liebe die stillen Wunder
  • 06.12.2016, 08:38 Uhr
  • 2
und ich ebenso ...
  • 06.12.2016, 08:39 Uhr
  • 1
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ganz toll
  • 06.12.2016, 07:26 Uhr
  • 1
Danke Paul
  • 06.12.2016, 07:36 Uhr
  • 1
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Schön, wie Du Deine Enttarnung beschreibst und uns auch spüren läßt wie genau Kinder beobachten. Diese Beobachtungsgabe würde man manch einem Erwachsenen wünschen, besonders wenn er einfach glaubt, was er glauben will
Aber auch traurig, dass man Kindern die Möglichkeit nimmt, den Zauber der Weihnacht zu erleben, die eigene Ungeduld zu spüren und beherrschen zu lernen, genaugenommen um ein Stück Kindheit beraubt.
  • 06.12.2016, 00:10 Uhr
  • 2
Ja Harry. So sehe ich das auch. Dieser Zauber der Weihnachtszeit ist es doch, der uns als Erwachsene wieder zu Kindern werden lässt.
  • 06.12.2016, 03:14 Uhr
  • 0
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