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Die Marquise de Pompadour

Die Marquise de Pompadour

Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
18.02.2017, 09:20 Uhr

Ihr Vater, ein Mann namens Poisson (zu Deutsch: Fisch), ist ein wohlhabender, zwischenzeitlich aber verarmter Finanzmann, der durch dubiose Geldgeschäfte den pompösen Lifestyle des stets verschuldeten Hofstaates mitfinanzierte. Ihre Mutter ist eine stadtbekannte Mätresse, die mit Einwilligung ihres Mannes amouröse Beziehungen zu zahlreichen wichtigen Männern unterhält. Schon sehr früh wird Jeanne Antoinette klar, dass es egal ist, womit man handelt, und schon früh verfolgt sie ihren Plan, die Mätresse eines einflussreichen Mannes zu werden.
Das Objekt ihrer Ziele: der König. Ein verwegener Plan, denn sie ist eine Bürgerliche.

Die sogenannte 'Mätressenwirtschaft' gehört in den Adelshäusern Mitteleuropas und auch in der feinen bürgerlichen Gesellschaft (die dem Adel fleißig nacheiferte) viele Jahrhunderte lang zum guten Ton.
Pubertierende Mädchen und Jungen werden aus dynastischen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen verheiratet; und selbst wenn die Brautleute schon etwas älter sind, kennen sie ihren zukünftigen Gatten oder ihre zukünftige Gattinnen oft nur aus Erzählungen und von Gemälden.
Die sind oft geschönt, was zu Enttäuschungen führen kann:

Ein sehr schwerwiegender Zwischenfall, ausgelöst durch ein vermutlich sehr geschöntes Gemälde, ereignet sich beispielsweise im April 1795, als der britische Thronfolger George IV. aus dynastischen Überlegungen seine Cousine Caroline von Braunschweig heiraten soll.
Als sich die Brautleute drei Tage vor ihrer geplanten Trauung das erste Mal sehen, erfasst beide sofort eine tiefe Abneigung gegeneinander. Nach einer kurzen Begrüßung lässt George seine Braut stehen und verlangt nach einem Brandy, während Caroline den vermutlich schwersten Fehler ihrer langen und unglücklichen zukünftigen Ehe begeht: Sie mäkelt einem Vertrauten gegenüber, dass ihr Bräutigam auf Porträts wesentlich besser aussehen würde als in natura.
Für einen eitlen (aber sehr dicken) Mann, der sich selbst als „führenden Gentleman Europas“ bezeichnet, ist das ein harter Schlag unter die Gürtellinie und Grund genug für seinen lebenslangen Hass auf seine zukünftige Frau.

Manchmal hatten die zwangsverheirateten Eheleute Glück und entwickelten wie die Österreichische Kaiserin Maria Theresia und ihr Mann Franz I. Stephan Sympathie oder sogar Liebe zueinander; oft genug war man aber verheiratet, bekam gemeinsame Kinder, um politische und familiäre Anforderungen zu erfüllen, und suchte sich Spaß und Zuneigung außer Haus.

So hält es auch seine Majestät, Ludwig XV. (Louis quinze, 1710 - 1774), vom Volk lange Zeit als "der Vielgeliebte" bezeichnet; ein gut aussehender Mann mit leichtem Hang zur Melancholie.
Mit seiner Frau, Königin Maria Leszczynska, hält er schon lange keinen Beischlaf mehr (das ist bei Hofe eine öffentliche Angelegenheit, deswegen weiß es auch jeder); die Thronfolge ist gesichert, und Ludwig vergnügt sich mit seinen Fa- voritinnen, allen voran seiner 'Maîtresse en titre', Marie Anne de Mailly, und ihren Schwestern.

Die Mätressenwirtschaft


Die 'Mätressenwirtschaft' ist seit Ludwigs Urgroßvater, dem 'Sonnenkönig' Ludwig, dem 14., in Frankreich, aber auch an vielen anderen europäischen Höfen fest etabliert.
Des Königs offizielle Mätresse wird öffentlich bekannt gegeben, lebt in Gemächern, die nahe bei denen des Königs liegen, und erhält in der Regel wohlklingende Adelstitel, um in der höfischen Hackordnung bestehen zu können. Wer sich geschickt anstellt – so wie beispielsweise Jeanne Antoinette, die später den Titel Marquise de Pompadour (1721 – 1764) erhalten wird -, wird sogar als besondere Ehre der Königin als Hofdame untergeschoben.
Mit den Worten „Besser die als eine andere“ soll sich Ludwigs Ehefrau mit der Pompadour als neue Mätresse ihres Mannes und Hofdame abgefunden haben.

Für viele Ehefrauen ist die Zweit-, manchmal auch Drittfrau des Gatten (und der daraus resultierende Nachwuchs) trotz der weiten Verbreitung ein ständiger Schmach. Die eine oder andere Ehefrau gönnt sich allerdings auch selbst einen Liebhaber, offiziell wurden diese Affären aber nie.

Die Eroberung des Königs


Die Marquise de PompadourDie Pompadour braucht mehrere Anläufe, viel Ausdauer und Zielstrebigkeit, bis es ihr endlich gelingt, dem König vorgestellt zu werden.
Nachdem ihr offizieller Vater Poisson wegen dubioser Finanzgeschäfte in Misskredit kommt und nach Hamburg fliehen muss, um einer drohenden Todesstrafe zu entkommen, lebt Jeanne Antoinette mit ihrer Mutter in vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen.
Aber sie hat Glück, denn einer der Liebhaber ihrer Mutter (und vermutlich ihr leiblicher Vater) beginnt, sich für den hübsche Teenager zu interessieren, und finanziert ihr eine gute Schulbildung sowie Gesangs-, Schauspiel- und Tanzunterricht.

Jeanne Antoinette ist nicht nur hübsch, sondern auch intelligent, ehrgeizig und begabt. Sie nutzt ihre Fähigkeiten und wird schon bald zu einer Art Kinderstar, der in den feinen Pariser Salons als Sängerin und Mimin herumgereicht wird. Dort schnappt sie wissbegierig alles auf, was es über die feinen Manieren der vornehmen Adelsgesellschaft zu wissen gibt.

Wieder ist es der Liebhaber ihrer Mutter, der für ihren nächsten Schritt auf ihrer Karriereleiter sorgt: Jeanne Antoinette wird mit seinem Neffen verheiratet. Die Ehe bringt ihr zwar immer noch keinen Adelstitel (und damit die Eintrittskarte in die 'bessere' Adels-Gesellschaft), aber immerhin das Schlösschen Etiolles, das in unmittelbarer Nachbarschaft von Schloss Choisy liegt, dem Jagdschloss des Königs.

Die Eroberung des Königs ist damit nur noch ein Frage der Zeit. Als Jeanne Antoinette erfährt, dass der König und seine Gesellschaft zur Jagd nach Choisy gekommen sind, 'parkt' sie ihre Kutsche auf einem Waldweg so, dass sie der könglichen Jagdgesellschaft den Weg versperrt, drapiert sich in eine auffällige Robe und wartet.
Das Warten lohnt sich. Der König, durch die Kutsche am Weiterreiten in sein Jagdrevier gehindert, ist sofort Feuer und Flamme.
Man plaudert, Jeanne Antoinette erhält eine Einladung für den nächsten Hofball in Versailles. Wenige Bälle später wird sie die Geliebte Ludwigs, kurz darauf, im Jahr 1744 mit 23 Jahren, als erste Bürgerliche seine offizielle „maîtresse en titre“.

Unter Höflingen


Eine der größten gesellschaftlichen Umbrüche, die Ludwigs Urgroßvater, der Sonnenkönig Ludwig der 14., geschaffen hatte, war die komplette Entmachtung des Adels.
Statt Herzöge, Barone und Grafen weit verstreut in ihren Schlössern leben zu lassen, wo sie möglicher- weise eigene Machtphantasien und Pläne entwickeln konnten, scharten er und seine Nachfolger den Adel als Höflinge um sich, hält sie wie Schoßhündchen und beschäftigt sie mit Ränkespielen um sinn- und nutzlose Ämter: Beispielsweise mit der Frage, wer dem König beim 'Lever' (dem königlichen Erwachen aus der Nachtruhe) ein feuchtes Tüchlein reichen darf, damit der König sein Gesicht reinigen kann.

Wer dem König wie zu Diensten sein durfte, wurde eifersüchtig beobachtet und als Zeichen für Macht (oder Ohnmacht) gewertet. Über Jahrhunderte funktionierte dieses System herausragend gut; der König hatte seine Ruhe und seine unangefochtene Stellung, die Höflinge wurden beschäftigt, amüsiert und durchgefüttert. (Man hatte die Rechnung allerdings ohne den Wirt - dem 'dritten Stand' - gemacht, also den einfachen Bauern und Bürgern. Denn die mussten den absolutistischen Adels-Spaß mit hohen Steuern bezahlen; die daraus resultierenden sozialen Spannungen und die materielle Not führten schließlich zur Revolution von 1789.)

Nur eine kurze Affäre ...


Die Aufregung unter den Höflingen ist dementsprechend groß, als Ludwig der 15. eine Bürgerliche zu seiner offiziellen Mätresse ernennt. Ein der letzten Bastionen des Adels in den Händen einer Dahergelaufenen von niedriger Geburt!
Auch als frischgebackene Marquise de Pompadour ist und bleibt Jeanne Antoinette in den Augen vieler eine Parvenue, ein Emporkömmling, die ohne angeborene Auszeichnung dem König so nahe sein darf wie kein anderer.

Die Pompadour trägt es mit Fassung, durchschaut sehr schnell die höfischen Spielchen und spielt sie bald sehr virtuos selbst.
Für ihren König sorgte sie einerseits für Spiel, Spaß und Amüsement, mit Klugheit, diplomatischem Geschick und „Networking“ gewinnt sie aber auch schnell an Einfluss und wird schließlich zu einer der wichtigsten politischen Beraterinnen des Königs.
Nur eine kurze Affäre, hatten viele Höflinge gehofft, aber tatsächlich scheint es Liebe zu sein. Zwanzig Jahre lang, bis zu ihrem Tod, bleibt die Marquise de Pompadour die Hauptgeliebte und engste Beraterin des Königs. Wer etwas von ihm will, kommt an ihr nicht mehr vorbei.

Selbst Staatsmänner, die etwas von Ludwig möchten, wenden sich daher lieber gleich an sie und nicht an seine Minister. Ein Umstand, über den sich beispielsweise Preußens König Friedrich II. maßlos ärgert und bei Voltaire bitter beklagt.
Ausgerechnet bei dem – ist doch der große Denker und Philosoph der Aufklärung selbst ein Günstling der Pompadour und wird während seiner Laufbahn mehrmals kräftig von ihr protegiert.

Verlust und Tod


Doch auch die Pompadour ist nicht unangreifbar.
1754 stirbt ihr einziges Kind, ein kleines Mädchen aus ihrer kurzen Ehe, im Alter von zehn Jahren. Alexandrine war zu Beginn ihrer Affäre mit dem König in ein Kloster gebracht worden, zu dieser Zeit ein übliches Erziehungs-Verfahren der feinen Leute. Doch obwohl Jeanne Antoinette ihre Tochter fast nie gesehen hat, hing sie sehr an ihr und betrauert ihren Tod. Nach mehreren Fehlgeburten wird sie von Ludwig kein Kind bekommen.

Der Siebenjährige Krieg, von der Pompadour politisch gewollt und massiv unterstützt, schwächt Frankreich, nimmt ihm die Position als Weltmacht und leert die Staatskassen. Im Volk rumort es, und Ludwig der 15., einst der "Vielgeliebte", verliert an Ansehen.
Der eigentliche Volkszorn trifft allerdings die Pompadour, schließlich gilt sie nicht ohne Grund als Strippenzieherin am Hof.

Die ständigen Anfeindungen setzen ihr zu, zudem wirft ihr der König vor, ihr fehle das Feuer, das er brauche. Vermutlich wegen einer Geschlechtskrankheit leidet sie unter Schmerzen, versucht aber tapfer, ihr Feuer durch Selleriesuppe, Trüffel und andere aphrodisierende Speisen erneut zu entfachen.
Es nützt nichts. Sie ist vierzig Jahre alt, ihre Schönheit beginnt zu welken, vermutlich leidet sie auch an Tuberkulose.
Der König wird Vater eines Sohnes - dem Kind einer anderen. Er hat sich in die zwanzigjährige Anne Coupier verliebt, eine Bürgerliche, der er ein Haus außerhalb des Palastes bauen lässt. Eifersüchtig beobachtet die Pomapdour ihre Rivalin und deren kleinen Sohn; mit großer Sorge fürchtet sie, ihren Titel als „maîtresse en titre“ aberkannt zu bekommen und vom Hof gejagt zu werden.

Der Tod kommt ihr zuvor: Im April 1764 stirbt sie an einer Lungenentzündung und hat die zweifelhafte Ehre, als erste Mätresse in der Geschichte Frankreichs aus den königlichen Gemächern von Versailles zu Grabe getragen zu werden. Sie wurde 43 Jahre alt.


Den vollständigen Artikel mit allen Darstellungen und weiterführenden Leseempfehlungen ist in meinem Blog Generationengespräch zum Nachlesen: Die Marquise de Pompadour

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2017

Die Agentur für Bildbiographien fertigt seit 2012 hochwertige Bildbände und Chroniken über Familien- und Unternehmensgeschichten an und bietet zusätzlich einen bezahlbaren Ghostwriting-Service für Unternehmen und Privatpersonen. Weitere Informationen auf unserer Homepage www.bildbiographien.de

2 Kommentare

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Sehr gut in aller Kürze geschildert.
  • 16.04.2017, 20:34 Uhr
  • 0
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Beim Lesen stieß ich auf folgenden sehr lesenswerten Artikel der Agentur für Bildbiographiien über Geschwisterkonstellation und ihre
Auswirkungen auf das Verhalten, welches es fördert.
http://generationen-gespräch.de/klei...n/#more-838
  • 18.02.2017, 14:43 Uhr
  • 0
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